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Medizin

Zikavirus: Worauf Radiologen achten müssen

Mittwoch, 24. August 2016

Fall einer 34-jährigen Frau mit bestätigter Zika-Virus-Infektion. (Bilder a bis h: 30. Schwangerschaftswoche; i und j: 29. Woche, k: 81. Tag, l: Neugeborenes nach der Geburt) /RSNA

Rio de Janeiro – Zikavirus-Infektionen im ersten Trimenon hinterlassen die schwersten Schäden am Gehirn. Die Läsionen unterscheiden sich von anderen infektiösen Embryopathien. Die bisher umfangreichste Sammlung von radiologischen Befunden wurde jetzt in Radiology (2016; doi: 10.1148/radiol.2016161584) veröffentlicht.

Der Bundesstaat Paraiba im Nordosten von Brasilien gehört zu den ersten Regionen, aus denen seit Anfang 2015 eine Häufung von Mikrozephalien gemeldet wurde. Am Instituto de Pesquisa (IPESQ) in Campina Grande, der zweitgrößten Stadt in Paraiba, wurden zwischen Juni 2015 und Mai 2016 insgesamt 438 Frauen untersucht, bei denen aufgrund eines Hautausschlags eine Zikavirus-Infektion vermutet wurde.

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Fernanda Todar-Moll von der Universität Rio de Janeiro hat für die Publikation die Befunde von 17 Kindern mit bestätigter oder vermuteter Infektion zusammengefasst. Die Kinder waren vor der Geburt mittels Ultraschall und Kernspintomographie (MRT) untersucht worden. Nach der Geburt wurde bei den erkrankten Kindern auch eine Computertomographie durchgeführt.

Die Schäden scheinen umso gravierender zu sein, je früher die Infektion in der Schwanger­schaft erfolgte. Am Anfang kam es zu einer Vergrößerung der Ventrikel. Todar-Moll vermutet, dass die Infektion den Abfluss des Liquors behinderte. Diese Ventrikulomegalie kann so ausgeprägt sein, dass die Kopfgröße anfangs noch normal ist. Dies war bei den untersuchten Feten der Fall. Irgendwann kommt es jedoch zu einem Kollaps der Ventrikel und zu einem Schrumpfungsprozess des Gehirns.

Dies könnte, so Todar-Moll, die charakteristische Kopfform erklären. Zu ihr gehören neben einem zu kleinen Hirnschädel (Mirkozephalie) auch überlappende Schädelnähte und ein Überschuss an Hautfalten: Der Schädel wirkt, als wäre er für ein größeres Gehirn geplant gewesen. Auch die kleinen Augen vieler Kinder und die Herniation von orbitalem Fettgewebe in die Schädelhöhle könnte auf die sich ändernden Druck­verhältnisse zurückzuführen sein, vermutet die Radiologin.

Die Verkalkungen des Gehirns, die ein weiteres Kennzeichen einer Hirninfektion sind, wurden bei den Feten vor allem am Übergang von der grauen zur weißen Hirnsubstanz gefunden. Dies ist ein Unterschied zu anderen intrauterinen Infektionen, die nach den Anfangsbuchstaben der Erreger als TORCH-Komplex zusammengefasst werden.

Dort kommt es bevorzugt zu Verkalkungen im Cortex und in der Umgebung der Ventrikel. Die ungewöhnliche Lokalisation bei Zikavirus-Infektionen deutet laut Todar-Moll auf eine vaskuläre Komponente der Erkrankung hin (die meisten Experten vermuten zwar, dass das Virus primär die Stammzellen der Nerven schädigt, in der Plazenta wurden jedoch ebenfalls vaskuläre Schäden beschrieben).

Weitere Besonderheiten sind Veränderungen im Corpus callosum, der die beiden Hirnhemisphären des Großhirns verbindet, sowie in den Basalganglien und im Thalamus. Auf den CT-Bildern will Todar-Moll auch Hinweise auf eine gestörte Nervenzellmigration entdeckt haben – die Zellen wandern während der Hirnentwicklung vom Rand der Ventrikel in ihre Zielorte im Cortex. © rme/aerzteblatt.de

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