NewsPolitikLinke: Regierung spielt Problem von Arzneiliefer­engpässen herunter
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Linke: Regierung spielt Problem von Arzneiliefer­engpässen herunter

Donnerstag, 25. August 2016

Berlin – Die Bundesregierung spielt nach Ansicht der Linken das Problem anhaltender Lieferengpässe bei Arzneimitteln herunter. Die stellvertretende Vorsitzende der Linken-Fraktion, Kathrin Vogler, sagte, die Liste an Versorgungsengpässen, auf die sich die Bundesregierung berufe, sei „absolut unvollständig“. Vogler reagierte damit auf die Ant­wort der Regierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion.

Lieferengpässe bei Arzneimitteln stellten für Patienten, Ärzte sowie Apotheker seit Jahren ein immenses Problem dar und verzögerten oder gefährdeten gar Behandlung und Pa­tien­tensicherheit, auch wenn nicht jeder Lieferengpass eine medizinische Notfallsituation ohne Behandlungsalternative sei, hielt Vogler der Bundesregierung vor. So seien Krebs­mittel, Antibiotika, Herz-Kreislaufpräparate, Narkosemittel, Notfall­medikamente oder Impf­stoffe oft monatelang nicht verfügbar.

Ein Lieferengpass liegt laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dann vor, wenn es eine über voraussichtlich zwei Wochen hinausgehende Unter­brechung einer Auslieferung im üblichen Umfang gibt oder eine deutlich vermehrte Nach­frage, der nicht angemessen nachgekommen werden kann. Die Bundesregierung hat keine Erkenntnisse darüber, dass aufgrund solcher Lieferengpässe „Behandlungen nicht durchgeführt werden konnten und es daher unter Umständen zu lebensbedrohlichen Situationen gekommen ist“.

Anzeige

Als Ursachen für Lieferengpässe werden nach Angaben der Linken Gewinnstreben der Hersteller, Abwanderung und Arzneimittelverschiebungen ins Ausland, Abbau von Pro­duktionsstätten und deren Verlegung ins Ausland, Zurückfahren der Lagerungskapa­zi­tä­ten und Kontingentierung lieferbarer Medikamente durch die Hersteller genannt.

Die Linken-Fraktion habe in den vergangenen Jahren immer wieder auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Gesetzliche Regelungen insbesondere zur Sicherstellung von zum Teil lebensnotwenigen Arzneimitteln ohne Therapiealternative stünden dennoch immer noch aus. Um Engpässen zu begegnen, seien freiwillige Meldesysteme nicht aus­rei­chend. „Gebraucht wird ein verpflichtendes Meldeverfahren, eine Bevorratung wich­tiger Wirkstoffe durch die Industrie und die Möglichkeit, ökonomisch bedingten Markt­rück­nahmen entgegenzutreten, etwa durch Zwangslizensierung“, argumentierte Vogler.

Mit Blick auf die aktuellen Diskussionen um die Vorsorge für Katastrophenfälle fügte sie hinzu: „Zwar sollen sich die Bürger mit Schmerzmitteln bevorraten, aber eine Bevorratung der Pharmaunternehmen als Vorbeugung gegen Versorgungspannen zieht die Bundes­regierung nicht in Erwägung.“ © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

6. August 2020
Frankfurt – Der Umsatz mit antineoplastischen Arzneimitteln ist in Deutschland im Fünf-Jahres-Zeitraum von 2015 bis Ende 2019 um 84 Prozent gestiegen. Das geht aus einer neuen Analyse des
Umsatz bei Antikrebsmitteln in fünf Jahren um 84 Prozent gestiegen
6. August 2020
Köln – Der neu gegründete Beirat beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat Ende Juli seine Arbeit aufgenommen. Zu seinen ersten Aufgaben zählt die Definition des durch das
Lieferengpässe: BfArM-Beirat nimmt Arbeit auf
13. Juli 2020
Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) tritt dafür ein, medizinische Güter, die zur Pandemiebekämpfung nötig sind, in Deutschland und Europa herzustellen. „Es darf nie wieder vorkommen, dass in einer
BÄK plädiert für europäische Produktion von Schutzausrüstung und Medikamenten
3. Juli 2020
Berlin – Die Europäische Union (EU) will künftig Arzneimittelengpässen besser vorbeugen. Noch während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft wollen die EU-Kommission und das EU-Parlament dafür jeweils
EU Kommission und Parlament schmieden Pläne gegen Arzneimittelengpässe
29. Juni 2020
Berlin – Der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) spricht sich für Änderungen an der Verordnung zur Erhöhung der Bevorratung mit Arzneimitteln zur intensivmedizinischen Versorgung
Intensivmedizinische Arzneimittelvorräte: Krankenhausapotheker für Ausweitung
16. Juni 2020
Berlin – Die Krankenhäuser sollen verpflichtet werden, ihre Vorräte an bestimmten Medikamenten zu vergrößern. Laut einem Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zu einer
Krankenhäuser sollen intensivmedizinische Arzneimittelvorräte aufstocken
18. Mai 2020
Mannheim – Die Herstellung von Wirkstoffen für Medikamente an wenigen Orten außerhalb Europas macht dem Gesundheitsdienstleister Phoenix zu schaffen. „Die Medikamentenverfügbarkeit beschäftigt uns
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER