NewsHochschulenDiabetes Typ 1-Früherkennung: Sachsen startet bundesweites Angebot für Neugeborene
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Diabetes Typ 1-Früherkennung: Sachsen startet bundesweites Angebot für Neugeborene

Freitag, 26. August 2016

/ mictures pixelio.de

Dresden - Nach der Früherkennungsstudie in Bayern namens „Fr1da“, folgt Sachsen mit einem bundesweiten Screening auf Diabetes Typ 1 für Neugeborene: Freder1k. Im Gegensatz zu der bayerischen Studie startet das neue Modell nicht erst im Alter von zwei Jahren, sondern direkt nach der Geburt. Statt nach Diabetes-typischen Autoantikörpern im Blut zu suchen, führen die Forscher eine Analyse für drei Risikogene durch. Das Screening auf die Stoffwechselkrankheit werde künftig allen Eltern im Freistaat angeboten, erklärten die Kooperationspartner der Freder1k-Studie am Freitag auf einer Pressekonferenz in Dresden.  

Anzeige

Etwa zehn Kliniken in Sachsen sollen bei der Studie mitmachen, um insgesamt 5.000 Kinder untersuchen zu können. Dafür werden zusammen mit dem regulären Neugeborenen-Screening einige Blutstropfen aus der Ferse entnommen. Die Wissenschaftler um Studien-Leiter Ezio Bonifacio, Direktor des Center for Regenerative Therapies Dresden (CRTD) der TU Dresden, geben gleichzeitig den Startschuss für weitere Studien, die die Prävention von Typ-1-Diabetes zum Ziel haben.

Nach einem Jahr soll das Modellprojekt auch auf andere Bundesländer sowie europäische Länder ausgeweitet werden. Unter anderem haben Schweden und England ihr Interesse bekundet. Die Studie wird von der TU Dresden mit dem Center for Regenerative Therapies (CRTD) und der Universität Leipzig in Kooperation mit dem Helmholtz Zentrum in München sowie der Medizinische Hochschule Hannover durchgeführt. Der amerikanische Helmsley Charitable Trust fördert die erste Phase mit rund einer Million Euro.

Ähnlich wie die Forscher um Anette-G. Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetes­orschung am Münchener Helmholtz Zentrum, verfolgen die Diabetologen nicht nur das Ziel einer frühen Diagnose. Es gehe darum, eine Therapie zu entwickeln, mit der die Krankheit verhindert oder geheilt werden könne, sagte Bonifacio. „Unsere Vorstellung ist es, einen Impfstoff zu entwickeln, den wir Kindern mit einem hohen Diabetesrisiko verabreichen.“ In der bereits 2015 abgeschlossenen Pre-POINT-Studie haben Dresdner Forscher Insulinpulver oral verabreicht.

Das Insulin wird so über die Mund- und Darmschleimhaut aufgenommen und wirkt wie ein Impfstoff. „Es gab Anzeichen eines erwünschten immunmodulierenden Effekts auf das Immunsystem. Vergleichbare Studien mit Erdnussprotein in der Säuglingsernährung ergaben eine Verhinderung der Entwicklung einer Erdnuss-Allergie“, so Bonifacio. Bereits im nächsten Jahr können Freder1k Kindern an einer Insulin-Impfstoff-Studie in Deutschland teilnehmen, kündigte Bonifacio an.

Typ-1-Diabetes gilt als die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Den Angaben zufolge tragen 30 von 1000 Kindern sogenannte Risiko-Gene in sich, an Typ-1-Diabetes zu erkranken. Allein in Sachsen werden jedes Jahr 250 neuerkrankte Kinder verzeichnet, bundesweit sind zwischen 2100 und 2300 Kinder im Alter bis zu 15 Jahren betroffen.

„Meist wird Typ 1 Diabetes zu spät erkannt“, erklärte Ziegler. Nicht selten erst dann, wenn es zu schweren Komplikationen komme. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange hat die Schirmherrschaft für die Freder1k-Studie übernommen.

© gie/dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

20. September 2019
Oxford – Eine frühe Kombinationstherapie, die Metformin mit Vildagliptin kombiniert, hat den Blutzuckerlangzeitwert HbA1c in einer randomisierten kontrollierten Langzeitstudie effektiver kontrolliert
Typ-2-Diabetes: Frühe Kombinationstherapie erzielt in Studie langfristige Vorteile
17. September 2019
Berlin – Der Selbsthilfeverband diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe hat an private Krankenversicherer appelliert, Diabetespatienten gegenüber gesetzlich Krankenversicherten nicht zu benachteiligen
Privatversicherte beim kontinuierlichen Glukosemonitoring mitunter schlecht versorgt
16. September 2019
Kiel – Veränderungen des Darmmikrobioms bei Typ-2-Diabetes hängen vor allem mit Übergewicht und der Einnahmen von Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten zusammenhängen und weniger mit der
Übergewicht bestimmender Faktor für Zusammensetzung des Darmmikrobioms bei Typ-2-Diabetes
11. September 2019
Berlin – CDU/CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag 2018 eine nationale Diabetesstrategie beschlossen. Diese befände sich inzwischen in den Endzügen, verkündete die gesundheitspolitische Sprecherin
Nationale Diabetesstrategie in den finalen Zügen
10. September 2019
Boston – Eine Liquid Biopsy scheint besser als eine herkömmliche Tumorbiopsie zu sein, um Therapieresistenzen bei Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktes zu entdecken. Das zeigt eine Studie in Nature
Bluttest für Krebstherapieresistenzen schneidet in Studie besser als Biopsie ab
6. September 2019
Oxford – Britische Forscher haben in einer genomweiten Assoziationsstudie 4 Genvarianten entdeckt, die zu einer Linkshändigkeit prädisponieren. Sie waren laut ihrem Bericht in Brain (2019; doi:
Linkshändigkeit: Genvarianten verändern Architektur in Sprachregionen
3. September 2019
Cleveland (Ohio) – Für extrem adipöse Menschen mit einem Typ-2-Diabetes sind Magenverkleinerung und Magenbypass nicht nur die effektivste Methode zur Gewichtsabnahme. Nach den Erfahrungen eines
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER