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Medizin

Infrarot-Otoskop erleichtert Blick in die Paukenhöhle

Montag, 29. August 2016

Cambridge – US-Ingenieure haben ein Otoskop entwickelt, das die Diagnose einer Mittelohrentzündung erleichtern soll. Der in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2016; doi: 10.1073/pnas.1610529113) vorgestellte Prototyp reagiert auf Lichtwellen im kurzwelligen Anteil des Infrarotbereichs, in dem das Trommelfell weitgehend transparent ist und sich ein Paukenerguss besonders gut darstellt.

Das Otoskop ist für Pädiater das wichtigste Instrument zur Diagnose einer Otitis media. Das entscheidende Kriterium ist der Nachweis eines Flüssigkeitsspiegels im Mittelohr. Der Ausschluss dieses Paukenergusses, der eine Otitis media sehr unwahrscheinlich macht, gelingt auch erfahrenen Ärzten nicht immer. In einer Studie mit US-Pädiatern stimmte die Diagnose nur in 51 Prozent der Fälle. Die Folge ist eine Überdiagnose, die Ursache einer häufig unnötigen Antibiotikaverordnung im Kindesalter ist.

Die Transparenz des Trommelfells nimmt im Infrarot-Bereich zu. Am besten ist sie laut Moungi Bawendi vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge bei Wellenlängen von 1 bis 2 Mikrometer, die zum sogenannten kurzwelligen Bereich des Infrarotspektrums gehören.

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Die Forscher haben deshalb ein Otoskop entwickelt, das Licht dieser Wellenlänge auffängt. Erste Untersuchungen zeigen, dass die Strukturen des Mittelohres einschließ­lich der Gehörknöchelchenkette, des Promontorium tympani, des runden Fensters und der Chorda tympani gut zu erkennen sind. Vor allem aber soll es möglich sein, Flüssigkeitspegel im Mittelohr (Absorptionsmaximum 1,4 bis 1,5 Mikrometer) rasch zu identifizieren.

Ob diese Eigenschaften die Diagnose der Otitis media verbessern, könnten nur klinische Studien zeigen. Dazu ist es allerdings noch zu früh, weil die Entwicklung des Gerätes noch nicht abgeschlossen ist. Es soll am Ende, so versichert Bawendi, die gleiche Form und Handhabung haben wie ein konventionelles Otoskop, so dass Ärzte es ohne große Einarbeitungszeit verwenden können. © rme/aerzteblatt.de

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