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Ärzteschaft

KBV-Versicherten­befragung: Patienten schätzen ihre Ärzte

Dienstag, 30. August 2016

/dpa

Berlin – Ein „gutes“ oder „sehr gutes“ Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt haben 91 Pro­zent der Bürger in Deutschland. 93 Prozent schätzen dessen fachliche Kompetenz als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Ebenso positiv fällt die Beurteilung der Freund­lichkeit (96 Pro­zent) und der Verständlichkeit von Erklärungen (92 Prozent) aus. Das sind Ergebnisse einer Umfrage, die die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Kassenärztlichen Bun­desvereinigung (KBV) durchgeführt hat. Zwischen März und Mai dieses Jahres befragte sie dafür gut 6.000 Erwachsene am Telefon. Die Interviews finden seit 2006 jedes Jahr statt.

Die guten Ergebnisse seien ein Beleg dafür, dass die flächendeckende ambulante Ver­sor­gung hervorragend funktioniere, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen heute bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Berlin. „Auch nach zehn Jahren KBV-Versichertenbefragung können wir feststellen, dass sich die Zufriedenheits­werte der Patientinnen und Patienten mit ihren Ärztinnen und Ärzten auf einem durch­gängig hohen und stabilen Niveau befinden.“

Wichtig ist, dass der Arzt sich genügend Zeit nimmt
Dass das gute Verhältnis zwischen Arzt und Patient jedoch sensibel ist, ergaben zusätz­liche qualitative Interviews von 25 Teilnehmern in sogenannten Fokusgruppen, die die Forschungsgruppe Patientenprojekte vertiefend durchführte.

Danach empfinden es viele Patienten als negativ, wenn der Arzt sich für die Behandlung zu wenig Zeit nimmt. „Es ist also wichtig, die Rahmenbedingungen für ärztliches Handeln so zu gestalten, dass diese intensive Betreuung auch weiterhin möglich ist“, folgerte KBV-Chef Gassen daraus. Dazu gehöre neben möglichst wenig Bürokratie und möglichst großer Therapiefreiheit auch ein angemessenes Honorar.

Beim Aufregerthema Wartezeiten antworteten 81 Prozent der Befragten, es habe ihnen nicht zu lange gedauert, bis sie einen Termin bekommen hätten. Das überrascht ange­sichts der politischen Diskussionen um zu lange Wartezeiten bei Facharztterminen, die im vergangenen Jahr in der gesetzlichen Vorschrift gipfelten, bei den Kassenärztlichen Ver­einigungen Terminservicestellen einzurichten. Dabei haben sich die Zufriedenheitswerte von um die 80 Prozent über die Jahre hinweg kaum verändert.

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Ob Wartezeiten kurz oder länger ausfallen, hängt der Umfrage zufolge insbesondere von der Dringlichkeit der Behandlung ab. Bei akuten Erkrankungen gebe es wesentlich häufi­ger keine oder nur kurze Wartezeiten auf einen Arzttermin als etwa bei Vorsorge­unter­su­chun­gen. Eine Rolle spiele aber auch der Wohnort, die Arztgruppe und die Kranken­ver­sicherung. Privatpatienten kämen bei der Terminvergabe schneller zum Zug, heißt es im Ergebnisbericht.

Antworten zu Wartezeiten muss man differenziert betrachten
In den Fokusgruppen meldete sich entgegen dem allgemeinen Trend eine größere Gruppe zu Wort, die mit den Wartezeiten auf einen Facharzttermin unzufrieden war. Ob­wohl der Umfrage zufolge Wartezeiten von mehr als drei Wochen eher die Ausnahme sind, berichteten einige Teilnehmer von wochen- oder monatelangen Wartezeiten. Auf Nachfrage präzisierten sie ihre Angaben: Längere Wartezeiten ergaben sich häufig beim Termin für eine Erstbehandlung, in ländlichen Regionen sowie in bestimmten Fachrich­tun­gen wie Orthopädie, Dermatologie oder Augenheilkunde.

Zum Teil bezog sich die Kritik auf die Terminvergabe für eine Vorsorge­unter­su­chung mit geringer Dringlichkeit. Stand eine möglicherweise bedrohliche Diagnose noch aus oder litten die Teilnehmer unter Schmerzen, wurde die Wartezeit als besonders belastend be­schrieben. Wartezeiten verlängerten sich auch, wenn eine komplexe Diagnostik unter Einbindung mehrerer Ärzte aus unterschiedlichen Fachrichtungen anstand.

„Natürlich gibt es Dinge, die zu verbessern sind“, sagte Gassen. Vielfach rührten längere Wartezeiten jedoch auch daher, dass Patienten zu einem bestimmten Facharzt wollten. „Dass dieser nicht alle immer sofort behandeln kann, liegt in der Natur der Sache“, erklär­te der KBV-Vorsitzende. Er verwies zudem darauf, dass Ärzte und Krankenkassen derzeit im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss die Bedarfsplanung weiterentwickelten, um Engpässen in der Versorgung gegenzusteuern.

Viele kennen den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst nicht
In diesem Zusammenhang räumte Gassen ein, dass es vielen Bürgern nicht bewusst sei, dass die niedergelassenen Ärzte auch außerhalb der regulären Sprechstunden­zeiten die ambulante Versorgung sicherstellten. Vielen sei auch die bundesweit einheitliche und kos­tenfreie Rufnummer für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst – die 116 117 – nicht bekannt. Die Folge: Die Patienten suchten die Notfallambulanzen der Kranken­häu­ser auf, obwohl man ihr Gesundheitsproblem auch ambulant gut versorgen könnte.

„Die Krankenhausambulanzen sind nicht für die Versorgung ambulanter Notfälle da“, er­klärte KBV-Vorstand Regina Feldmann. Eine Notfallbehandlung im Krankenhaus verur­sa­che im Vergleich zur Versorgung in der Praxis etwa die dreifachen Kosten. „Das kann man nicht der Wahl des Patienten überlassen“, meinte Feldmann. Hier müsse die Zu­sammen­­arbeit zwischen ambulantem und stationärem Sektor dringend verbessert wer­den.

Die Hälfte der Befragten befürwortet ein Hausarztmodell
Die KBV wollte bei ihrer Versichertenbefragung auch wissen, wie die Bürger über andere Formen der Versorgungssteuerung denken. Die Körperschaft hatte sich in ihrem Positi­ons­papier „KBV 2020“ dafür ausgesprochen, spezielle Versicherungstarife für diejenigen Patienten vorzusehen, die sich verpflichten, immer zuerst den Hausarzt aufzusuchen. Da­bei setzt sie auf freiwillige Lösungen.

Das scheint auch den Befragten entgegenzukommen. So fände es gut die Hälfte der Teil­nehmer (54 Prozent) grundsätzlich sinnvoll, bei gesundheitlichen Problemen immer zu­erst den Hausarzt aufzusuchen. Wenn eine solche Verpflichtung jedoch den Beitrag zur Krankenversicherung spürbar senken würde, wären 65 Prozent der gesetzlich Versicher­ten dazu bereit. Die Befragung zeige, dass viele Patienten sich in der Versorgung auf Ko­ordinierungsmodelle einlassen würden und die KBV mit ihren Vorschlägen dazu auf dem richtigen Weg sei, erklärte deren Vorstand Feldmann. Denn nach dem KBV-Konzept bleibe die freie Arztwahl der Patienten erhalten.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes Ulrich Weigeldt nutzte das Umfrageergebnis zur Versorgungssteuerung, um erneut für die hausarztzentrierte Ver­sor­gung (HZV) zu werben. Dass ein großer Teil der Patienten es als sinnvoll erachte, bei allen gesundheitlichen Beschwerden immer zunächst ihren Hausarzt aufzusuchen, zeig­ten die kontinuierlich steigenden Teilnehmerzahlen an den HZV-Verträgen, in die zurzeit knapp 4,1 Millionen Versicherte freiwillig eingeschrieben seien.

„Wissenschaftliche Evaluationen zeigen, dass diese Patienten besser versorgt werden und die Krankenkassen gleichzeitig Kosten einsparen können“, betonte der Hausärzte­chef. Die Vorschläge der KBV, dass im Zweifel auch andere niedergelassene Fachärzte die Koordination der Patientenversorgung übernehmen können, seien dagegen eine Ge­fahr für die Qualität der Versorgung. Gerade chronisch Kranke litten häufig an mehreren Erkrankungen gleichzeitig. Nur die Hausärzte seien qualifiziert, eine Behandlung zwischen unterschiedlichen Fachärzten und mit dem Krankenhaus zu koordinieren. © HK/aerzteblatt.de

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