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Medizin

WHO: Neue Leitlinie zu Gonorrhö, Syphilis und Chlamy­dien-Infektionen

Mittwoch, 31. August 2016

Genf/Stockholm – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat ihre Leitlinien zu den drei häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen (STI) aktualisiert. Chlamydien-Infektionen würden häufig übersehen, die Syphilis in einigen Ländern aufgrund eines Mangels an Depot-Penicillinen nicht ausreichend behandelt und bei der Gonorrhoe drohe eine Resistenzkrise, warnt die WHO. Eine jüngste Untersuchung des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) deutet jedoch darauf hin, dass sich die Resistenzproblematik von Neisseria gonorrhoeae in Europa etwas entschärft hat.

Mit 131 Millionen Infizierten ist Chlamydia trachomatis der weltweit häufigste STI-Erreger. Die meisten Infektionen werden nicht bemerkt, da die Zervizitis bei den Frauen und die Urethritis beim Mann oft sehr milde verlaufen. Unbehandelte Infektionen können jedoch aufgrund einer Salpingitis ektopische Schwangerschaften begünstigen oder eine Infertilität auslösen.

Chlamydien-Infektionen treten zunehmend in extragenitalen Regionen wie Rektum oder Oropharynx auf. Bei Männern, die Sex mit Männern haben, kann es zum Lympho­granuloma venereum kommen, das eine intensivere Therapie erforderlich macht. Eine unkomplizierte genitale Infektion kann heute relativ leicht mit Azithromycin oder Doxycyclin behandelt werden.

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Auch die Syphilis, mit 5,6 Erkrankungen die dritthäufigste STI, lässt sich heute noch gut mit Penicillin behandeln. Eine einmalige intramuskuläre Injektion von Benzylpenicillin-Benzathin kann eine frische Infektion mit Treponema pallidum kurieren. Bei fortge­schrittenen Infektionen sind in der Regel nur drei Injektion im Wochenabstand notwendig.

Die WHO zählt Benzylpenicillin-Benzathin zu den essenziellen Arzneimitteln, die dennoch nicht in allen Ländern jederzeit verfügbar sind. In diesem Fall müssen die Ärzte auf andere Antibiotika ausweichen. Die Behandlung wird dann umständlicher. Probleme bereiten (übersehene) Infektionen in der Schwangerschaft. Im Jahr 2012 hat die Mutter-Kind-Übertragung der Syphilis weltweit zu geschätzten 143.000 Totgeburten, 62.000 neonatalen Todesfällen und 44.000 Früh- oder Mangelgeburten geführt.

Die mit 78 Millionen jährlichen Erkrankungen zweithäufigste STI ist die Gonorrhoe. Die schmerzhafte Urethritis wird bei Männern selten übersehen. Infektionen von Pharynx und Rektum sind jedoch häufig asymptomatisch, auch die Zervizitis bei Frauen wird nicht immer erkannt. Der unkontrollierte Einsatz von Antibiotika hat in den letzten Jahren zu einer dramatischen Zunahme von Resistenzen geführt.

Ältere und kostengünstige Antibiotika haben schon lange ihre Wirkung verloren. Auch Chinolone werden heute von der WHO nicht mehr empfohlen. Mittel der Wahl ist eine Kombination aus Ceftriaxon oder Cefixim plus Azithromycin. Ceftriaxon muss dabei parenteral verabreicht werden. Die Kombinationstherapie soll verhindern, dass sich gegen die einzelnen Komponenten resistente Bakterien weiter ausbreiten.

Eine weitere Gegenmaßnahme sind regelmäßige Resistenztests. Neueste Zahlen der ECDC zeigen, dass sich Resistenzen durch den gezielten Einsatz der dualen Therapie zurückdrängen lassen. Der Anteil der gegen Cefixim resistenten Isolate ist in Europa 2014 auf 2,0 Prozent gesunken gegenüber 4,7 Prozent im Jahr zuvor.

Auch die noch seltenen Resistenzen gegen Ceftriaxon scheinen nicht zuzunehmen. Selbst die Resistenzen gegen Ciprofloxacin sind leicht zurückgegangen (von 52,9 auf 50,7 Prozent). Zugenommen haben jedoch Resistenzen auf Azithromycin, die 2014 in 7,9 Prozent der Isolate nachgewiesen wurden (gegenüber 4,5 Prozent in 2012). In einem Isolat wurde sogar eine High-Level-Resistenz gegen Azithromycin gefunden.

Solange die Erreger auf eine der beiden Komponenten der dualen Therapie empfindlich sind, bestehen gute Chancen, die Gonorrhoe zu kurieren. Bei einem kompletten Versagen rät die WHO auf ältere Antibiotika wie Gentamycin oder Spectinomycin zurückzugreifen, die derzeit noch wirksam sind. Sollten auch diese Mittel versagen, könnten den Patienten unangenehme Behandlungen bevorstehen. In der Vor-Antibiotika-Ära bestand die Behandlung in der Spülung von Harnröhre und Vagina mit Jodlösungen. © rme/aerzteblatt.de

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