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Medizin

Autismus: Frühe Diagnose mit dem iPad

Donnerstag, 1. September 2016

Glasgow – Subtile Unterschiede in der Handhabung eines iPads (oder eines anderen Tablets) können eventuell im Alter von drei bis sechs Jahren verraten, ob ein Kind an Autismus leidet. Einer Forschergruppe ist in einer ersten Studie in Scientific Reports (2016; 6: 31107) anhand der Analyse der Bewegungsmuster bei zwei kindgerechten Spiele-Apps eine schnelle und meist zutreffende Verdachtsdiagnose gelungen.

Autismus-Spektrum-Störungen werden häufig erst erkannt, wenn Kinder im Grundschulalter durch ihr Verhalten oder Lernschwächen auffallen. Die Erkrankung beginnt jedoch nach Überzeugung der meisten Psychiater wesentlich früher. Zu den ersten Kennzeichen gehören motorische Störungen. Sie zu erkennen, erfordert viel Erfahrung – oder ein Tablet mit Spiele-Apps, die die Feinmotorik der Kinder herausfordern. 

Jonathan Delafield-Butt von der Universität Strathclyde in Glasgow hat zusammen mit Forschern aus Krakau eine Software untersucht, die im Hinterrund die Bewegungen des iPads und die Fingergestik aufzeichnet, während die Kinder zwei altersgerechte Spiele absolvierten. Beim ersten Spiel „sharing“ mussten die Kinder Nahrungsmittel portio­nieren und auf vier Personen im Spiel aufteilen (die erst dann vor Freude hochspringen, wenn alle etwas auf ihrem Teller haben). Im zweiten Spiel „creativity“ lernen die Kinder zeichnen. Zuerst umfahren sie mit dem Finder die Konturen von Strichzeichnungen, danach malen sie sie mit Farben aus.  

Durch den Vergleich in der Handhabung durch 37 autistische und 45 gesunde Kinder konnten die Forscher mithilfe einer Software zum maschinellen Lernen Eigenarten der autistischen Kinder herausarbeiten. Sie drücken häufiger fester auf das Tablet und führen die Gesten mit stärkerem Druck aus. Die Bewegungen sind außerdem ausladender und schneller. 

Die von den Forschern entwickelte Software war in 93 Prozent der Fälle in der Lage, eine Autismus-Störung zu erkennen. Sollten andere Forscher die Ergebnisse bestätigen, könnte dies die Diagnose von Autismus bei Kindern beschleunigen. Die betroffenen Eltern könnten sich dann früher um eine Förderung ihrer Kinder bemühen, schreibt Delafield-Butt. © rme/aerzteblatt.de

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