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Politik

Mindestlohn hilft nicht gegen Kinderarmut

Donnerstag, 1. September 2016

Frankfurt/Main – Die Einführung des Mindestlohns hat die Kinderarmut in Deutschland offenbar nicht spürbar vermindert. Die Zahl der Minderjährigen in sogenannten Aufstocker-Haushalten sei zwölf Monate nach Einführung des Mindestlohns praktisch konstant geblieben, hieß es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion, aus der die Frankfurter Rundschau vom Mittwoch zitiert. Die Grünen bezeichneten dies als „Skandal“.

Aufstocker-Familien sind Haushalte mit mindestens einem Erwerbstätigen, der zusätzlich zu seinem geringen Gehalt noch Hartz-IV-Leistungen beantragen muss. Bei Einführung des Mindestlohns im Januar 2015 lebten dem Bericht zufolge 861.022 Kinder unter 18 Jahren in solchen Haushalten. Ein Jahr später, im Januar 2016, seien es 861.539 gewesen. Auch der Anteil dieser Kinder an der Gesamtheit ihrer Altersgenossen, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen waren, blieb bei 45 Prozent konstant. Insgesamt lebten in Deutschland demnach rund 1,9 Millionen Kinder in Hartz-IV-Haushalten.

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Die Grünen werteten die Zahlen als Beleg, dass der Mindestlohn als sozialpolitische Maßnahme zur Armutsvermeidung nicht ausreiche. „Es ist ein Skandal, wenn fast 900.000 Kinder, obwohl ihre Eltern arbeiten, von Hartz-IV-Leistungen abhängig und damit massiv von Armut bedroht sind“, sagte Wolfgang Strengmann-Kuhn, der sozialpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, der Frankfurter Rundschau.

Dieser Zustand sei inakzeptabel. „Der Mindestlohn geht an den Familien vorbei“, kritisierte der Abgeordnete. Um die wirklich Bedürftigen zu erreichen, müssten Erwerbstätige über einen Steuerzuschuss ein Garantieeinkommen erhalten, forderte Strengmann-Kuhn. Außerdem müsse eine Kindergrundsicherung eingeführt werden. © afp/aerzteblatt.de

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