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Medizin

Zikavirus: Paralleler Anstieg des Guillain-Barré-Syn­droms

Freitag, 2. September 2016

Washington – In den sieben am stärkten von der Zikavirus-Epidemie betroffenen Ländern ist es parallel zu einer deutlichen Zunahme von Erkrankungen am Guillain-Barré-Syndrom gekommen. Dies zeigt eine Studie im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMc1609015), die wenig Zweifel an einer Kausalität zulässt. 

Das Guillain-Barré-Syndrom wird durch einen Angriff des Immunsystems auf die Myelinscheiden des peripheren Nervensystems ausgelöst. Die Schäden sind, anders als bei der Multiplen Sklerose (wo die Nerven im zentralen Nervensystem angegriffen werden), reversibel. Die Patienten erholen sich in der Regel von den vorübergehenden Lähmungen. Auslöser der Autoimmunreaktion soll eine molekulare Mimikry sein, bei der gegen Krankheitserreger gerichtete Antikörper (vorübergehend) auch die Myelin­scheiden markieren. Die meisten Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom können sich an eine vorhergehende Infektion erinnern. 

Auch nach Infektionen mit dem Zikavirus wurden schon früh Erkrankungen am Guillain-Barré-Syndrom beschrieben. Der kausale Zusammenhang war jedoch umstritten. Die Centers for Disease Control and Prevention sprechen beispielsweise nur von einer „ausgeprägten Assoziation“, die andere Ursachen nicht ausschließt.

Marcos Espinal von der Pan American Health Organization in Washington hat deshalb das zeitliche Zusammentreffen der beiden Erkrankungen untersucht. In der brasilia­nischen Provinz Bahia und sechs weiteren Ländern wurden bis Ende März 2016 insgesamt 164.237 Zikavirus-Erkrankungen bekannt. Gleichzeitig wurden 1.474 Fälle des Guillain-Barré-Syndroms gemeldet.

Beide Erkrankungen traten epidemisch auf. Dauer und Gipfel der Erkrankungszahlen fielen in allen sieben Regionen zeitlich zusammen. In Bahia stieg die Zahl der Guillain-Barré-Fälle während der Zika-Epidemie um 172 Prozent, in Kolumbien um 211 Prozent, in der Dominikanischen Republik um 150 Prozent, in El Salvador um 100 Prozent, in Honduras um 144 Prozent, in Surinam um 400 Prozent und in Venezuela um 877 Prozent. Nach dem Ende der Zika-Epidemie gingen auch die Erkrankungen am Guillain-Barré-Syndrom wieder rasch zurück.

Die Assoziation ist so eindeutig, dass Espinal das Guillain-Barré-Syndrom, das immer eine medizinische Behandlung erforderlich macht, als „Sentinel“, sprich Hinweisgeber, für Zika-Infektionen betrachtet, die häufig asymptomatisch verlaufen oder leicht mit anderen Infektionen verwechselt werden können. © rme/aerzteblatt.de

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