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Medizin

Pädiatrie: Sieben gute Gründe für und gegen den Einsatz von Antibiotika

Sonntag, 4. September 2016

dpa

Bristol – Sieben Kennzeichen bestimmen, ob ein Kind mit Husten und akuter Atemwegs­infektion später im Krankenhaus behandelt werden muss. Sie könnten nach einer Studie im Lancet Respiratory Medicine (2016; doi: 10.1016/ S2213-2600(16)30223-5) helfen, den Antibiotikaeinsatz besser auf Patienten zu beschränken, die sie am meisten benötigen.

Vier von fünf Antibiotika werden von niedergelassenen Ärzten verschrieben und akute Atemwegsinfektionen bei Kindern gehören zu den häufigsten Gründen für die Verordnung. Pädiater werden häufig wegen eines allzu leichtfertigen Einsatzes der Antibiotika kritisiert. Doch im Einzelfall fällt es schwer, eine schwere Erkrankung, die unbehandelt zu einer schweren Gesundheitskrise führt, von einem leichten Infekt zu unterscheiden, der auch ohne Antibiotika ausheilen würde.

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Ein Team um Alastair Hay von der Universität Bristol hat deshalb in einer prospektiven Studie untersucht, welche Krankheitszeichen am ehesten auf einen krisenhaften Verlauf hindeuten. An der Studie beteiligten sich 247 Allgemeinärzte, die von sich behaupteten, dass sie eher selten Antibiotika verordnen. Dies war wichtig, da die Studie ja klären sollte, welche Zeichen ohne Antibiotika-Einsatz eine Klinikeinweisung zur Folge hatte.

Die Ärzte dokumentierten die Daten von 8.394 Kindern im Alter zwischen drei Monaten und 16 Jahren, die sie mit einem akuten Husten und einer akuten Atemwegsinfektion aufgesucht hatten. Nur 78 Kinder (0,9 Prozent) mussten später in den folgenden 30 Tagen wegen einer Komplikation im Krankenhaus behandelt werden.

Die Forscher fanden sieben Prädiktoren für eine Klinikbehandlung, die sich mit der Gedächtnisstütze „STARWAVe“ leicht merken lassen: kurze Krankheitsdauer von weniger als drei Tagen (S für „short“), hohe Temperatur von 37,8°C (T), Alter unter 2 Jahren (A), Atemnot (R für „respiratory“), Keuchen (W für „Wheeze“), Asthma (A) und mittelschweres bis schweres Erbrechen in den letzten 24 Stunden (V für „Vomiting“).

Kinder, auf die maximal eines der sieben Kennzeichen zutraf, hatten in der Kohorte ein Hospitalisierungsrisiko von 0,3 Prozent, was gegen den Einsatz von Antibiotika spricht. In diese Gruppe fielen 67 Prozent der Kinder. Bei zwei bis drei Kennzeichen betrug das Hospitalisierungsrisiko 1,5 Prozent und war damit gegenüber der Normalbevölkerung allenfalls leicht erhöht. In dieser Gruppe, die 30 Prozent der Kohorte umfasste, könnte nach Einschätzung von May zunächst auf den Einsatz von Antibiotika verzichtet werden. In der dritten Gruppe mit vier oder mehr Kennzeichen war das Hospitalisierungsrisiko mit 11,8 Prozent deutlich höher. Hier sollten die Ärzte den Verlauf in den nächsten 24 Stunden abwarten, um rechtzeitig ein Antibiotikum zu verordnen, rät May.

In der Receiver-Operating-Characteristic-Kurve (AURAC) erzielte die Strategie einen Wert von 0,81. Der Algorithmus ist damit besser als das Werfen einer Münze (AURAC 0,5), aber doch noch ein Stück von einer perfekten Entscheidung (AURAC 1,0) entfernt. Aus wissenschaftlicher Sicht fehlt noch eine externe Validierung, die nach Möglichkeit vor dem Hintergrund des Gesundheitswesens durchgeführt werden sollte, für die die Regel gelten soll. © rme/aerzteblatt.de

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