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Medizin

Heilende Stuhltransplantation (fäkaler Mikrobiota-Transfer)

Dienstag, 6. September 2016

Köln – Bei Patienten mit bakterieller Darminfektion durch Clostridium difficile kommt es nach Antibiotika-Behandlung häufig zu rezidivierenden Infektionen. In diesen Fällen ist die Übertragung vom Stuhl eines gesunden Spenders in den Darm der erkrankten Person eine sichere und effektive Behandlungsoption. Zu diesem Ergebnis kommen Andreas Stallmach, Maria Vehreschild und Koautoren sowie die Mitglieder der German Clinical Microbiome Study Group in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Dtsch. Ärztebl. Int 2016; 113: 583-9).

In der retrospektiven, multizentrischen Langzeitbeobachtungsstudie wurden die Ansprech­raten eines fäkalen Mikrobiota-Transfers zur Behandlung einer rezidivierenden Clostridium-difficile-Infektion nach 30 und 90 Tagen und mögliche unerwünschte Nebenwirkungen ermittelt. Eine primäre Heilung an Tag 30 wurde bei 101 von 120 Patienten (84,2 %) und an Tag 90 bei 72 von 92 Patienten (78,3 %) erreicht. Nach einem zweiten Mikrobiota-Transfer bei 19 Patienten konnten diese Werte noch verbessert werden. Im Zusammenhang mit der Behandlung gab es kein schwerwiegendes unerwünschtes Ereignis mit Todesfolge innerhalb von 30 Tagen.

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Das arzneimittelrechtlich nicht zugelassene Verfahren darf in Deutschland bisher nur als individueller Heilversuch bei Infektionen mit Clostridium difficile angewendet werden, wenn zuvor alle anderen Therapieversuche vergeblich waren. Die Autoren fordern eine weitere Vereinheitlichung des Dokumentationsverfahrens für die klinische Wirksamkeit und Sicherheit des fäkalen Mikrobiota-Transfers. Zur weiteren Qualitätssicherung sei eine Harmonisierung der Protokolle für die Auswahl der Patienten, für das Spenderscreening, für die Verarbeitung der Stuhlproben und die Applikation dringend erforderlich. © tg/aerzteblatt.de

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