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Medizin

Darmbakterien beeinflussen Lebensmittel­allergien

Freitag, 16. September 2016

München – Wie stark der Körper bei Lebensmittelallergien reagiert, ist unter anderem abhängig von Darmbakterien. Noch nicht publizierte Studienergebnisse dazu stellten Forscher der Technischen Universität München (TUM) letzte Woche beim 46. Jahrestreffen der Europäischen Gesellschaft für Dermatologische Forschung (ESDR) vor.

Das Team um Tilo Biedermann, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum rechts der Isar, hat sich damit beschäftigt, welche Rolle das Mikrobiom des Verdauungssystems bei Lebensmittelallergien spielt. Bei ihren Forschungen konzen­trierten sich die Wissenschaftler auf einen Rezeptor des Immunsystems, das Protein NOD2. Dieses erkennt Zellwandbestandteile von Darmbakterien und setzt zahlreiche immunologische Prozesse in Gang.

Bei Mäusen, die gegenüber dem Modellantigen Ovalbumin sensibilisiert wurden, zeigte sich, dass in Abwesenheit von NOD2 die allergische Reaktion weitaus stärker ausgeprägt war als in den Kontrollen, die über den NOD2-Rezeptor verfügten. Anstelle von regulatorischen T-Zellen, die normalerweise Toleranz gegenüber oral aufge­nommenen Antigenen induzieren, werden verstärkt Th2-Helferzellen gebildet. Diese sorgen bei den Versuchstieren dafür, dass verstärkt Antikörper Immunglobulin E (IgE) produziert werden, die eine allergische Reaktion auslösen. Je mehr IgE, desto stärker fällt auch die allergische Reaktion aus.

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Durch das Fehlen des NOD2-Rezeptors veränderte sich auch die Zusammensetzung der Darm-Mikrobiota dieser Tiere. „Welche Bakterien dabei eine Rolle spielen, wird derzeit noch analysiert und soll in Kürze publiziert werden“, teilte der Erstautor Thomas Volz mit. Wie komplex die Wechselwirkungen zwischen Mikrobiota und Immunsystem sind, zeigte ein weiterer Aspekt der Studie: Wenn die Zusammensetzung der Darm­bakterien wieder normalisiert wurde, konnten schwere allergische Reaktionen auch bei fehlendem NOD2 verhindert werden. Dafür hielten die Forscher einen Teil der Mäuse ohne NOD2 in gemeinsamen Käfigen mit Wildtyp-Mäusen. Da die Mäuse den Kot ihrer Artgenossen essen, kam es in dieser Gruppe zu einem natürlichen Austausch der Darmflora-Mikrobiota.

Bakterien als Therapieansatz
„Dieser Zusammenhang zwischen der Darmflora und der Produktion von Antikörpern eröffnet uns neue Ansätze für Therapien bei Patienten, bei denen die Mikrobiota geschädigt ist“, sagte Tilo Biedermann. „Wenn es beispielsweise gelänge, die Ansiedlung von Bakterien, die toleranzinduzierend wirken, im Darm zu fördern, könnte man auch die Reaktion des Körpers auf Allergene abschwächen.“ © gie/aerzteblatt.de

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