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Nephrologen fordern Aufbau eines Dialyseregisters

Montag, 12. September 2016

/dpa

Berlin – Ein verbindliches deutschlandweites Dialyseregister fordert die Deutsche Ge­sell­schaft für Nephrologie (DGfN). „Deutschland ist, was Daten zur Dialyse angeht, ein Ent­wicklungsland“, sagte deren Präsident Jürgen Floege. Im Augenblick sei weder bekannt, wie viele Patienten chronisch dialysiert würden, noch, wie sich die Patienten auf die ver­schiedenen Dialyseverfahren verteilten. Das könne nur anhand alter oder ausländischer Daten sowie aus nur unvollständig zur Verfügung stehenden Daten der Kassen abge­schätzt werden. „Wir wissen auch nicht, ob und wie sich die Inzidenz der Dialysepflich­tig­keit verändert, noch, wie hoch derzeit die Sterblichkeit an der Dialyse ist“, so Floege.

Seit April 2007 sind in Deutschland Qualitätssicherungsrichtlinien in der Dialyse in Kraft. Seither sammeln die Dialysezentren Daten zur Qualitätskontrolle. Diese werden statis­tisch ausgewertet und in Jahresberichten zusammengefasst veröffentlicht. Die Aus­wer­tun­gen sind laut DGfN wichtig, um die Ergebnisqualität zu erfassen und gegebenenfalls regionale Unterschiede auszugleichen – „die grundlegenden Fragestellungen, die eine verantwortungsvolle Versorgungsplanung ermöglichen, beantworten diese Berichte je­doch nicht“, hieß es aus der Fachgesellschaft. Außerdem erfassten diese Daten nur Pa­tienten, die über die gesetzlichen Krankenkassen ambulant versorgt werden, nicht aber Privatpatienten und Patienten, die eine sogenannte teilstationäre Dialyse erhalten.

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Ein Dialyseregister sollte laut DGfN die Inzidenz und Prävalenz chronischer Dialyse­pa­tien­ten in Deutschland im Zeitverlauf erfassen. Wichtig seien außerdem die Komorbi­di­täten der Patienten und die Verteilung der Dialyseverfahren in Abhängigkeit von Alter und Grunderkrankung. Außerdem sollte das Register die Mortalität chronischer Dialyse­patienten in Deutschland erfassen und klären, welche Patientengruppen besonders ge­fährdet sind.

Weitere Ziele seien, geschlechts- und altersabhängige Unterschiede in Bezug auf Häu­fig­keiten und Mortalität zu erfassen sowie die Ergebnisse im internationalen Vergleich zu bewerten. „Erfreulicherweise wurde bereits eine Schnittstelle zwischen Transplan­tations­re­gister und Dialyseregister im Gesetz zur Errichtung eines Transplantationsregisters ver­ankert, doch was nützt eine Schnittstelle, wenn es kein Dialyseregister gibt?“, fragt die Fachgesellschaft.

Floege betont, Dialyse und Transplantation sollten nicht isoliert sondern gemeinsam be­trachtet werden. Es sei an der Zeit, dass diese peinliche Dokumentationslücke ge­schlossen werde. Es könne nicht sein, dass das Prestigeprojekt Transplantationsregister aus politischen Gründen vorangetrieben werde, die Mehrzahl der Fälle, die einer Nieren­ersatztherapie bedürften, aber nicht entsprechend dokumentiert und ausgewertet wer­den, kritisierte der Nephrologe. © hil/aerzteblatt.de

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