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Ärzteschaft

Honorarabschluss 2016 in Westfalen-Lippe: Knapp 90 Millionen Euro Plus

Dienstag, 13. September 2016

/dpa

Dortmund – Fast ein Jahr nach dem Honorarabschluss auf Bundesebene sind sich jetzt auch in Westfalen-Lippe Vertragsärzte und Krankenkassen einig. Demnach stehen in die­sem Jahr rund 90 Millionen Euro mehr für die ambulante Versorgung gesetzlich Kran­kenversicherter zur Verfügung. Das entspricht einem Plus gegenüber 2015 von knapp 3,4 Prozent. Das Ergebnis hat aber auch Schattenseiten.

Langwierig, schwierig und hart – so resümierte der 2. Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in Dortmund, Gerhard Nordmann, die Honorar­ver­handlungen mit den gesetzlichen Krankenkassen in der Sitzung der Vertreterver­samm­lung (VV). Just einen Tag zuvor waren sie zu Ende gegangen. Dass sie so lange dauer­ten, hatte auch mit dem Wechsel an der Spitze der größten Krankenkasse in Westfa­len-Lippe zu tun. Der bisherige Vorstandsvorsitzende der AOK NordWest, Martin Litsch, steht seit Jahresbeginn an der Spitze des AOK-Bundesverbandes. Sein Nachfolger im Nordwesten, Tom Ackermann, musste sich zunächst in sein neues Amt einarbeiten.

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Regionale Aufschläge verhandelt
Der Honorarabschluss setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: Zum einen die Anhebung des Orientierungspunktwertes und zum anderen die Festlegung der regio­na­len Morbiditätsentwicklung. Beides macht einen Zuwachs von etwa 79 Millionen Euro aus. „Nach Auffassung der Krankenkassen hätten wir dann auch schon die Gespräche been­den können. Mehr sollte es für 2016 nicht geben“, schilderte Nordmann den Ablauf. „Da­mit konnten wir uns jedoch gerade als KVWL mit großem Nachholbedarf gegenüber an­deren Regionen nicht einfach begnügen.“

Schließlich gelang es der KVWL, zwei regionale Aufschläge zu verhandeln: Einen in Höhe von sechs Millionen Euro auf die Gesamtvergütung und einen in Höhe von fünf Milli­onen Euro, um anerkannte Praxisnetze und innovative Versorgungsprojekte zu för­dern. „Wir sind damit nach wie vor die einzige KV bundesweit, die für die Förder­maß­nah­men über einen separaten Honorartopf verfügen kann und keine Gelder aus der Ge­samt­vergütung verwenden muss“, freut sich der 2. Vorsitzende.

Honorarabschluss im oberen Level
Insgesamt stehen den westfälisch-lippischen Vertragsärzten in diesem Jahr rund 3,55 Milliarden Euro für die ambulante Versorgung gesetzlich Krankenversicherter zur Ver­fü­gung. Mit dem Honorarplus von knapp 3,4 Prozent gegenüber 2015 bewegt sich die KWVL im Vergleich zu anderen Kassenärztlichen Vereinigungen im oberen Level. „Kaum jemand hat für 2016 besser, viele aber schlechter abgeschlossen“, so Nordmann. Trotz­dem hat die KVWL die Angleichung an das Honorarniveau anderer Regionen noch immer nicht erreicht.

Wegfall des Arzneimittelbonus schmälert Ergebnis
Außerdem hat das Verhandlungsergebnis aus Sicht der KVWL einen bitteren Nach­ge­schmack. Denn der Bonus, den die Vertragsärzte seit 2013 von den Krankenkassen er­halten, weil sie rational und wirtschaftlich Arzneimittel verordnen, fällt ersatzlos weg. „In den diesjährigen Verhandlungen sind die Kassen in keiner Weise zu bewegen gewesen, diesen Bonus zu verlängern oder eine andere Bonusregelung für die Arzneimittel­ver­ord­nung zu vereinbaren“, beschreibt Gerhard Nordmann. Die Delegierten äußerten ihren Unmut über die Haltung der Kassen.

Die Krankenkassen hatten jährlich einen Bonus von 28,4 Millionen Euro für die Gesamt­vergütung gezahlt. Vereinbart war er für drei Jahre. Er ist Ende 2015 ausgelaufen. Insge­samt haben die Ärzte in dieser Zeit Bonuszahlungen von 85 Millionen Euro erhalten. Die Kassen konnten ihre Ausgaben für Arzneimittel zugleich um mehr als 920 Millionen Euro reduzieren. © ts/aerzteblatt.de

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