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Medizin

Passivrauchen schadet Kindern: US-Kardiologen fordern Null-Toleranz

Dienstag, 13. September 2016

dpa

Dallas – Kinder sollten weder im Haus, noch im Auto oder anderen Räumen Passivrauch ausgesetzt sein, da jegliche Exposition dem Kind bereits im Uterus und danach Schäden zufügt, die langfristig das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Alter erhöhen. Dies geht aus einer wissenschaftlichen Stellungnahme der American Heart Association in Circulation (2016; doi: 10.1161/CIR.0000000000000443) hervor. Die US-Kardiologen sprechen sich für eine Null-Toleranz aus. Eine Passivrauch-Exposition von Kindern sei zu keiner Zeit akzeptabel.

Zwar ist der Anteil der Raucher in den USA in den letzten Jahren zurückgegangen. Die National Health and Nutrition Examination Surveys, die regelmäßig stichprobenartig den Gesundheitszustand der Bevölkerung erfassen, zeigen jedoch, dass noch immer bis zu vier von zehn Kindern Passivrauch ausgesetzt sind, was sich auch durch den Nachweis von Cotinin im Harn der Kinder belegt lässt. Die häufigste Quelle sind rauchende Eltern. Fast kein Kind, deren Eltern rauchen, sei frei von einer Exposition, schreibt ein Expertenteam um Geetha Raghuveer vom Children’s Mercy Hospital Kansas City.

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Passivrauchen schadet nicht nur den Atemwegen der Kinder. Die schädigenden Bestandteile des Rauches dringen über die Lungen in das Blut ein mit schädlichen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Nikotin führt laut dem Report zu hämodynamischen Veränderungen, Acrolein fördere über Oxidation und Entzündung die Gefäßverkalkung sowie Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen. Crotonaldehyd vergrößert laut dem Bericht die Instabilität atherosklerotischer Plaques, was eine Thrombose von Gefäßen nach sich ziehen kann. Tabakrauch enthält auch Cadmium, dem die Experten eine entzündungsfördernde Wirkung zuschreiben, und Blei, das den Blutdruck erhöhen kann. Feinstaub sei ein Risikofaktor für Herzrhythmusstörungen und Entzündungen.

Als Mechanismen werden eine endotheliale Dysfunktion, eine erhöhte arterielle Steifigkeit und ein Anstieg der Intima-Media-Dicke genannt. Die Schadstoffe im Tabakrauch stören auch das autonome Nervensystem, und mit zeitlicher Verzögerung werde die Entwicklung von Arrhythmien gefördert.

Die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Kinder sind laut dem Report durch epidemio­logische Studien gut belegt. Kinder in Raucherhaushalten kämen häufiger mit einem niedrigen Geburtsgewicht zur Welt, nähmen dann aber bereits in den ersten fünf Lebensmonaten stärker an Gewicht zu als Kinder in Nichtraucherhaushalten.

Schon im Jugendalter seien sie häufiger übergewichtig, wobei die Forscher unter anderem auf eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums verweisen. Dort waren Grundschüler 2,9-fach häufiger übergewichtig, wenn die Mutter im Alter des Kindes von zwei Jahren geraucht hatte. Wenn sie im Alter des Kindes von vier Jahren immer noch rauchte, stieg das Risiko sogar um den Faktor 4,4 (Obesity 2011; 19: 2411–2417). Andere Untersuchungen zeigten, dass die Kinder infolge des Passivrauchens erste Lipidstoffwechselstörungen haben.

Angesichts dieser Daten ist es nach Einschätzung der US-Kardiologen unverantwortlich, wenn die Eltern zuhause rauchen. Der Kinderwunsch sollte ein Anlass sein, das Rauchen aufzugeben. Höhere Tabaksteuern könnten helfen die Kinder zu schützen, zumal das Rauchen zunehmend ein Phänomen der unteren sozioökonomischen Schichten sei. © rme/aerzteblatt.de

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DrSchnitzler
am Mittwoch, 12. Juli 2017, 02:59

Interessantes didaktisches Modell.

Spannend.
Jetzt springen also auch die amerikanischen Kardiologen auf den Zug auf: Dumm. Arm. Kindermörder. Rauchen verbieten!
Völlig ohne Hohn: Steuern erhöhen, um gerade ihnen den Spaß gründlich auszutreiben.

Interessantes didaktisches Modell.
In meinem ärztlichen Alltag erlebe ich, dass eher Empathie und verständliche Aufklärung Erfolg verspricht. Aber ich bin ja auch nur ein kleiner dummer Doktor vom Lande. Einer, dem "diese aufklärungsresistenten Subjekte" (O-Ton/sinngemäß DKFZ) tagtäglich begegnen. Ich habe mal ein Interview einer afrikanischen Prostituierten zur Frage "Angst vor AIDS" gehört; die erschütternde Antwort: was interessiert mich, wenn ich in 10 Jahren daran sterbe. Wenn ich heute nicht anschaffe, verhungere ich, heute, zusammen mit meiner Familie. Vielleicht gibt es Wichtigeres im Leben Einzelner, als manche (in ihrem strikt rauchfreien Elfenbeinturm) der Welt weismachen wollen.

Ich möchte daher (rhetorisch) die Frage in den Raum stellen, ob arm immer gleich dumm ist, oder ob manche Überlebensstrategien nicht doch einen gewissen (eigenen) Sinn ergeben.
Zum anderen stellt sich die Frage, ob hier nicht eher und/oder gleichzeitig bspw. eine Korrelation von geringem Einkommen und Morbidität bzw. Mortalität (SIDS) bestehen könnte. Genau das wird von den Autoren ja gleich mehrfach hervorgehoben (s.o.). Wäre es nicht angemessen, (auch) diese „Confounder“ einmal genauer zu untersuchen? Ergäben sich dann ggf. nicht auch andere, evtl. bessere Wege zur Verbesserung der Gesundheit der Kinder?
Keine Frage: Risiken für Kinder in Raucherfamilien bestehen (auch wenn – ganz am Rande – zumindest Jugendliche eher von außerhäuslicher „Passivrauchbelastung“ berichten).

Die potentiellen Folgen – implizit angeregter – häuslicher bzw. privater Rauchverbote durch staatliche Organe mögen wohl bedacht sein: Streit, Spitzelei, Denunziantentum.
Vielleicht fragen uns unsere Kindeskinder irgendwann einmal, in einer besseren Welt, wenn all die hier angesprochenen gesundheitlichen Probleme des Rauchens genau so leicht behandelbar sind, wie heute schon "peptische Ulcera" (man erinnert sich!), wie wir denn mit unseren (rauchenden) Mitmenschen umgegangen sind.
Wie es damals denn zu derartigen Exzessen kommmen konnte: "hygienisches Rauchen", also quasi eine erneute "Absonderung von Pestkranken" aus der Gesellschaft.
Warum wir denn völlig die "Menschenwürde" aus den Augen verlieren konnten ...

Manchmal hilft Besinnung. Schöne Grüße an alle!
LNS

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