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Medizin

Neuropathologen erstellen Kriterienkatalog für vaskulär bedingte kognitive Beeinträchtigungen

Mittwoch, 14. September 2016

Bristol – Ein neuropathologische Expertengremium hat unter der Leitung von Forschern der University of Bristol in Zusammenarbeit mit der Alzheimer's Society und der Alz­hei­mer's Research UK eine Leitlinie zur neuropathologischen Diagnose vaskulär bedingter kognitiver Beeinträchtigungen (VCI) veröffentlicht. Die Forscher um Seth Love veröffent­lichten in Brain ein Konsenspaper über die „Vascular Cognitive Impairment Neuropatho­logy Guidelines“, in welchem sie die Kriterien beschreiben (2016; doi: 10.1093/brain/aww214).

Vermutlich wird rund ein Fünftel aller Demenzformen durch vaskuläre Schäden im Gehirn verursacht. Nichtsdestotrotz zeigen sich bei Alzheimer und gemischten Demenzformen auch vaskuläre Schäden und Abnormalitäten der Hirngefäße. Bisher war jedoch unklar, wie stark sich vaskuläre Schäden auf die kognitiven Fähigkeiten auswirken und welche speziellen Gefäßpathologien bei einer VCI vorliegen. Bei einer VCI liegt zwar eine Ein­schrän­kung der kognitiven Funktion vor, jedoch noch keine volle Demenz.

In ihrer Arbeit werteten die Forscher die Daten von Hirnschnitten aus, die im Rahmen des Projekts „Brains for Dementia Research“ gesammelt wurden. Sie entwarfen so spe­zielle Cluster unterschiedlicher histopathologischer Kriterien, die eine niedrige, mittlere oder hohe Wahrscheinlichkeit für eine vaskuläre Genese einer VCI definierten.

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Sie legten dann ein Set von 14 Kriterien fest, die wahrscheinlich zur Diagnose der VCI geeignet waren. Sie validierten diese Kriterien an den Hirnpräparaten von 113 Spendern, die zwölf Monate vor ihrem Tod noch eine kognitive Testung erhiel­ten. Es kristallisierten sich hierbei sieben Kriterien heraus, die eine vaskuläre Genese von kognitiven Beeinträchtigungen wahrscheinlich machten. Hierzu gehörten ei­ne meningeale und zerebrale Amyloidangiopathie, große Infarkte, lakunäre Infarkte, Mi­kro­infarkte, Arteriosklerose, perivaskuläre Lückenbildung und ein Myelinverlust.

Die Forscher sehen die Ergebnisse als einen Fortschritt für künftige Forschungsarbeiten an. Mithilfe der Kriterien könnte man die VCI klarer abgrenzen und so einen histopatho­lo­gischen Diagnosestandard für künftige Studien festlegen, hieß es aus der Arbeits­gruppe. © hil/aerzteblatt.de

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