NewsPolitikPsychotherapie-Richt­linie beanstandet: Ministerium will Sprechstunde verpflichtend einführen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Psychotherapie-Richt­linie beanstandet: Ministerium will Sprechstunde verpflichtend einführen

Mittwoch, 14. September 2016

/dpa

Berlin – Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) verlangt Änderungen der Psycho­the­rapie-Richtlinie, die der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) am 16. Juni beschlossen hat. Darauf weist die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) in einer Pressemitteilung hin. In einem Brief an den G-BA macht das Ministerium demnach deutlich, dass es „zwin­gend er­forderlich“ sei, die psychotherapeutische Sprechstunde „nicht als Kann-Leistung“ ein­zu­führen.

Eine solche Regelung betreffe die vertragsärztlichen Pflichten des Vertrags­psy­cho­thera­peuten im Verhältnis zu seiner Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Eine Re­gelung, die es Vertragspsychotherapeuten ermögliche, ein für den Patienten essen­zielles Leistungs­an­gebot abzulehnen, „kollidiere“ mit dem Sicherstellungsauftrag der KVen.

Ferner stellt das BMG fest, dass die Sprechstunde für die Versicherten nach der ge­än­der­ten Richtlinie verpflichtend sein solle. Dann sei aber ein „hinreichendes, flächen­decken­des Angebot an Sprechstunden notwendig“, damit die Versicherten überhaupt eine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nehmen könnten. Dafür dürfte aus Sicht des BMG aber eine Übergangsregelung erforderlich sein.

Anzeige

Bundes­psycho­therapeuten­kammer hält flexible Handhabung für besser
„Wir hätten begrüßt, wenn die Sprechstunde ausdrücklich ein freiwilliges Angebot ge­blie­ben wäre. Die übergroße Mehrheit der Psychotherapeuten wird die Sprechstunde ohne­hin anbieten“, erklärte BPtK-Präsident Dietrich Munz. „Als freiwilliges Angebot ist sie eine flexiblere Regelung und ermöglicht der einzelnen Praxis, ihre Schwerpunkte dem Bedarf angemessen festzulegen.“ Ob und welche Maßnahmen tatsächlich erforderlich seien, um die Sicherstellung der Versorgung zu gewährleisten, könne von den KVen geprüft und bei Bedarf geregelt werden, so Munz.

Das BMG beanstandet außerdem den Einsatz von Dokumentationsbögen in der ambu­lanten Psychotherapie. Das Ministerium betrachtet insbesondere die geplante Angabe der Versichertennummer als „nicht erforderlich“ und „rechtswidrig“. Es mahnt den G-BA an, sich mit den Einwänden und Änderungswünschen, die als Stellung­nahmen einge­gan­gen seien, auseinanderzusetzen. Dabei bezweifelt es ausdrücklich die „fachliche Fun­diert­heit“ der vorgesehenen Dokumentationsparameter.

Stigmatisierende Sprache bei Testverfahren
Die BPtK hatte vor allem die geplanten Testverfahren als „ungeeignet“ bezeichnet, die Diag­nostik psychischer Erkrankungen zu unterstützen. Der G-BA habe bei der Änderung der Psychotherapie-Richtlinie Qualitätssicherungskonzepte ignoriert, die er selbst in Auf­trag gegeben hatte.

Die BPtK hatte außerdem kritisiert, dass die vorgeschriebenen Fra­gen und Antwortmöglichkeiten in einer zum Teil verletzenden und stigmatisierenden Spra­che verfasst seien. Als Faktoren, die eine Erkrankung gefördert haben, müssten Eltern gemeinsam mit dem Psychotherapeuten zum Beispiel „abnorme Erziehungs­be­din­gungen“ ankreuzen oder „abnorme intrafamiliäre Beziehungen“ angeben. © pb/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

10. Juli 2018
Stuttgart – Menschen mit seelischen Erkrankungen sollen in Baden-Württemberg möglichst am Wohnort behandelt werden können. „Die psychiatrische Versorgung verlagert sich immer mehr in die Gemeinde“,
Baden-Württemberg: Psychische Erkrankungen sollen zunehmend am Wohnort behandelt werden
6. Juli 2018
Berlin – Die Sozialpsychiatrie-Pauschale zur Behandlung von Kindern wird ab dem 1. Januar 2019 von bisher 163 Euro auf 186 Euro je Behandlungsfall angehoben. Darauf haben sich Kassenärztliche
Mehr Geld für sozialpsychiatrische Behandlung von Kindern
6. Juli 2018
Berlin – Menschen mit leichten und mittelschweren Depressionen profitieren von der Nutzung des Online-Selbsthilfeprogramms moodgym. Das hat eine randomisierte und kontrollierte Studie der Universität
Depressionen: Studie zeigt positive Effekte durch Online-Selbsthilfeprogramm
2. Juli 2018
Berlin – Eine gezieltere Steuerung sowohl des medizinischen Leistungsangebots als auch der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen empfiehlt der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung
Sachverständigenrat: Angebot und Nachfrage im Gesundheitswesen gezielter steuern
22. Juni 2018
Berlin – Kinder- und Jugendärzte in Deutschland verfügen über immer weniger Ressourcen, um der steigenden Anzahl von Patienten mit psychosomatischen Störungen nachhaltig zu helfen. „Wir sehen viele
Kinderärzte beklagen zu wenig Zeit für junge Patienten mit psychosomatischen Störungen
20. Juni 2018
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) hat zusammen mit 19 weiteren Fachgesellschaften und Verbänden ein Eckpunktepapier zur
Verbände schlagen Ablauf für stationsäquivalente psychiatrische Behandlung vor
14. Juni 2018
Berlin – Das Angebot Internet- und mobil-basierter Interventionen (IMI) für psychische Störungen nimmt stetig zu. Einige der Anwendungen konnten ihre Wirksamkeit bereits in randomisierten

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER