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Politik

Altenpflege gerät ins Hintertreffen

Mittwoch, 14. September 2016

/dpa

Köln – Das neue sogenannte Pflegeberufsgesetz jetzt schnell umzusetzen hat das Deut­sche Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) gefordert. Das Gesetz sieht vor, die bislang nebeneinander bestehenden Ausbildungen zur Alten-, Kranken- und Kinder­kran­kenpflege zusammenzufassen. Außerdem soll in ganz Deutschland das Schulgeld für die Ausbildung entfallen. „Das Gesetz ist überfällig! Wenn es jetzt nicht kommt, werden die Altenpflege und die Pflegebedürftigen die großen Verlierer sein“, warnte der DIP-Direktor Frank Weidner.

Er wies darauf hin, dass die Altenpflege als Beruf immer unattraktiver werde: Im Schnitt verdiene ein Altenpfleger im Monat bis zu 500 Euro weniger als ein Krankenpfleger. „In der Krankenpflege haben inzwischen bis zu zwei Drittel der Schüler Abitur, in der Alten­pflege ist das hingegen nur noch gut jeder Zehnte, mit abnehmender Tendenz“, so Weid­ner.

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Außerdem sei in Europa nur die Krankenpflege als Fachberuf anerkannt, die Alten­pfle­ge­ausbildung dagegen nicht. „Jeder muss wissen, dass bei einem Scheitern der Reform die Gefahr wächst, dass die Altenpflege komplett abgehängt wird. Das wird erheb­li­ch­e Folgen für die Beschäftigten, für die Gewinnung von beruflichem Nachwuchs und auch für die Pflegebedürftigen haben“, warnte Weidner.

Die einheitliche Pflegeausbildung soll für die Fachkräfte die Flexibilität am Arbeitsmarkt er­höhen, die Vergütungsniveaus auf Dauer angleichen und den Beruf dadurch attrakti­ver machen – das erwarten zumindest die Befürworter der Reform.

Deutliche Kritik kommt dagegen von den Kinderärzten: „Kinderkrankenschwestern sind die wichtigsten Partner für Kinder- und Jugendärzte bei der Behandlung von erkrankten Kindern. Und die sollen uns mit diesem Gesetz genommen werden“, sagte Karl-Josef Eßer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin bei einer Anhörung zum Gesetzentwurf.

Die Zusammenlegung der Ausbildungen werde Be­werber abschrecken, die sich bislang bewusst für die Kinderkrankenpflege entschieden hätten. Zudem werde die Qualität der Ausbildung sinken, weil nicht mehr genug Zeit vor­handen sein werde, die spezifischen Krankheiten von Kindern und Jugendlichen zu be­sprechen, warnte Eßer. © hil/aerzteblatt.de

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martina lübke
am Mittwoch, 14. September 2016, 20:50

Das gilt auch für die Altenpflege

Ich kann mich der Meinung von Herrn Eßer völlig anschließen, allerdings die Altenpflege betreffend. Ich bin auch der Meinung, daß die spezifischen Erkrankungen von alten Menschen besondere Ansprechpartner benötigen. Das sind die Altenpfleger. Diese kennen die alten Menschen besser als der Hausarzt, der nur einmal im Monat zur Visite kommt. Als Bindeglied sind sie unerläßlich. Diese Aufgabe können sie aber nur erfüllen, wenn sie eine Ausbildung erhalten, die auf Erkrankungen und Verhaltensweisen ( wobei hier wohl besonders die Demenzerkrankungen zu nennen wären) von alten Menschen zugeschnitten ist. Eine solche Ausbildung muss schon drei Jahre dauern und kann nicht einfach mit Gesundheits-/Krankenpflege vermischt werden. Alte Menschen brauchen eine andere Art von Pflege als jüngere Menschen, die im Krankenhaus liegen und wieder nach Hause gehen sobald sie gesund sind. Das Schulgeld für die Ausbildung abzuschaffen ist meiner Meinung nach schon lange überfällig. Das hält sicher auch etliche Leute davon ab, die Altenpflegeausbildung überhaupt in Erwägung zu ziehen.
Mein Vorschlag für die (wohl nicht mehr zu verhindernde) generalisierte Ausbildung:
Den Ausbildungsumfang von 3 Jahren auf 5 Jahre anzuheben, 3 Jahre für die fachliche Pflege, 2 Jahre für die spezialisierte Altenpflege bzw. Kinderkrankenpflege.
Zu lang? Erzieher lernen auch 5 Jahre!
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