Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Organspende: Debatte um Widerspruchsregelung

Donnerstag, 15. September 2016

/dpa

Osnabrück – In den Niederlanden hat gestern das Parlament mit extrem knapper Mehr­heit beschlossen, dass in der Organspende künftig das Widerspruchsrecht gelten soll. Wer sich nicht entscheidet, wird dort künftig als Spender registriert. Wer seine Organe nicht nach seinem Tod spenden will, muss das schriftlich erklären. Karl Lauterbach, Fraktionsvize der SPD, plädierte nun für eine Neuregelung der Organspende auch in Deutschland.

Er halte eine Regelung, nach der grundsätzlich jeder Organspender sei, für richtig, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. Lauterbach sprach sich dafür aus, die in Deutsch­land gelten­de Regelung „noch einmal gründlich zu überprüfen“.

„Ich habe die Diskussion in den Niederlanden verfolgt“, sagte Lauterbach. Auch hier­zu­lan­de gebe es viel zu wenig Spender. „Wir müssen einsehen, dass wir in Deutschland mit unserer jetzigen Regelung wahrscheinlich nicht weiter kommen.“ Unabdingbar für eine solche Neuregelung sei ein Widerspruchsrecht, unterstrich der SPD-Politiker. „Wer kein Organspender sein will, kann dem selbstverständlich wider­sprechen. Damit das funktio­niert, müssen wir alles dafür tun, dass der Widerspruch auch gehört wird."

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) findet den Vorstoß falsch. Die Ärzteschaft in Deutschland habe sich nach intensiver Diskussion bereits 2011 gegen die Widerspruchsregelung, wie sie derzeit in den Niederlanden beraten werde, und für das Modell einer Informations- und Selbstbestimmungslösung bei der Organspende ausgesprochen, sagte BÄK-Präsi­dent Frank-Ulrich Montgomery.

Der Gesetzgeber in Deutschland habe mit der im Jahr da­rauf beschlossenen Entschei­dungslösung, die unter anderem die regelmäßige Abfra­ge der Organspendebereitschaft vorsieht, viele Vorschläge der Ärzteschaft aufgenom­­men. „Das Konzept ist richtig. Aller­dings dürfen wir nicht mit unseren Bemühungen nach­lassen, die große Bedeutung der Organspende insbesondere für die Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten in der Öffentlichkeit weiter zu thematisieren“, mahnte Montgomery.

Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), sprach sich hingegen für eine neue Debatte aus. „Die Zeit ist nun auch in unserem Land reif für eine Diskussi­on über die Widerspruchslösung“, sagte er. Windhorst verwies auf die Schweiz, wo ein Aktionsplan „Mehr Organe für Transplantationen“ der Stiftung Swisstransplant bis 2018 eine Steigerung der Spenderzahlen um 60 Prozent erreichen will. Sollte dieses Ziel in der Schweiz verfehlt werden, soll auch dort über die Einführung der Wider­spruchs­­lö­sung debattiert werden. Der ÄKWL-Präsident lenkte den Blick zudem auf Spanien. Dort gebe es die Widerspruchsregelung bereits – und viel höhere Spenderzahlen.

© may/dpa/afp/kna/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

15.02.18
Frage nach Organspende muss selbstverständlich werden
Berlin – Die Beschäftigung mit einer möglichen Organspende muss eine Selbstverständlichkeit werden. Das fordert der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organspende (DSO), Axel Rahmel.......
14.02.18
Niederlande ändert Organspendegesetz
Den Haag – Das niederländische Parlament hat eine Wende beim Thema Organspende beschlossen. Künftig gilt dort die Widerspruchslösung. Danach ist jede Person grundsätzlich ein Organspender – außer, sie......
13.02.18
Sachsen-Anhalts Sozialministerin für Widerspruchsregelung bei Organspende
Magdeburg – Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hat sich für eine gesetzliche Neuregelung ausgesprochen, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Sie halte eine Widerspruchslösung......
06.02.18
Hamburg will mit neuem Gesetz Trendwende bei Organspenden
Hamburg – Mit einem neuen Gesetz will Hamburg die zuletzt stark zurückgegangene Zahl an Organspenden in der Hansestadt wieder erhöhen. Es enthält unter anderem Vorgaben zur Berufung und Freistellung......
29.01.18
Kliniken plädieren für Freistellregelungen von Transplantations­beauftragten
Düsseldorf – Die Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen (NRW) schließen sich der Forderung der beiden Ärztekammern des Landes an, die Freistellung von Transplantationsbeauftragten konkreter zu regeln.......
26.01.18
Ärztekammern in Nordrhein-Westfalen wollen Transplantations­beauftragte entlasten
Münster/Düsseldorf – Die Transplantationsbeauftragten in Krankenhäusern sollten von Routinearbeiten freigestellt und dies im Landeskrankenhausgesetz von Nordrhein-Westfalen (NRW) verbindlich......
25.01.18
Niedersachsens Sozialministerin ruft zu Entscheidung in der Organspende auf
Hannover – Angesichts eines weiteren Rückgangs von Organspenden hat die niedersächsische Sozialministerin Carola Reimann (SPD) die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich in dieser schwierigen Frage zu......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige