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Bitkom: Digitalisierung wird Medizin revolutionieren

Donnerstag, 15. September 2016

/dpa

Berlin – Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet ein enormes Potenzial – und das erkennen auch immer mehr Ärzte. Darauf hat Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, heute anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse der neuen Umfrage „Digital Health“ hingewiesen. Die Digitalisierung, die laut Rohleder das „vielleicht größte Poten­zi­al für die Medizin seit der Erfindung des Penicillin“ mit sich bringt, habe heute mehr An­hän­ger unter den Ärzten als das noch vor zehn oder fünf Jahren der Fall gewesen sei, so Rohleder auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes (DÄ). Die Zeiten, in denen Ärzte dagegen demonstriert hätten, seien vorbei.

„Ich meine, wir sind auf einem guten Weg“, sagte der Bitkom-Chef, der betonte, dass die Digitalisierung für die Ärzte zusätzliche Herausforderungen mit sich bringt. Neue Techno­logien führten dazu, dass sich Prozesse – etwa in den Praxen – änderten. Sie könnten aber enorm dazu beitragen, Ärzte zu entlasten. Rohleder verwies darauf, dass etwa Ärzte im Krankenhaus bis zu drei Stunden pro Tag nicht am Patienten tätig seien, son­dern sich mit bürokratischen Aufgaben befassen müssten. „Das lässt sich sehr deutlich durch eine durchgängige Digitalisierung des Informationsmanagements reduzieren“, er­klärte er. Das gebe den Ärzten die Möglichkeit, sich wieder mehr um Patienten zu kümmern.

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Mehr tun können Ärzte aus Sicht von Rohleder zum Beispiel bei der Online-Termin­verga­be. „Wir wissen, wie aufwendig es oft ist, jemanden ans Telefon zu bekommen, um einen Termin vereinbaren zu können. Das geht auch online und das sehr einfach“, be­ton­te er. Solche Möglichkeiten jenseits der elektronischen Gesundheitskarte könnten Ärzte auch flächendeckend einführen und damit etwas näher an die Patienten rücken.

Mehr Chancen als Risiken
Die Umfrage selbst zeigt, dass die Deutschen mehrheitlich mehr Chancen als Risiken in der Digitalisierung von Medizin und Gesundheitswesen sehen. Den meisten Zusatz­nut­zen versprechen sich die Menschen demnach bei Prävention, Diagnose und Heilung von Krank­heiten. Einher geht damit jedoch die Sorge um einen mög­lichen Missbrauch der Da­ten. In der repräsentativen Umfrage waren 82 Prozent der Befragten der Meinung, dass durch die Digitalisierung der Medizin die Gefahr des Missbrauchs von Gesund­heits­daten steige.

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Sofern gewährleistet ist, dass ihre Gesundheitsdaten bestmöglich geschützt sind, sind die Menschen hierzulande offen dafür, ihre Daten zur Verfügung zu stellen, zeigt die Um­frage. 75 Prozent der Befragten würden das tun, wenn sie damit zur langfristigen Erfor­schung einer Krankheit beitragen könnten. 67 Prozent würden ihre Daten freigeben, wenn sie kurzfristig anderen Patienten helfen könnten und 61 Prozent, wenn damit Me­di­kamente oder Therapien entwickelt werden könnten, die auf sie persönlich zugeschnitten sind.

Hohes Interesse an Telemedizin
Großes Interesse haben die Befragten der Umfrage zufolge an telemedizinischen An­ge­boten: So erklärt jeder Fünfte (20 Prozent), dass er im Krankheitsfall auf jeden Fall sei­nen eigenen Gesundheitszustand telemedizinisch überwachen lassen würde, weitere 39 Prozent können sich vorstellen, diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen. Insgesamt 6 von 10 Deutschen (59 Prozent) sind damit offen gegenüber dem sogenannten Tele­mo­nitoring. Dabei werden beispielsweise die Vitalwerte wie Blutdruck oder Blutzucker von Patienten mit Herzerkrankungen oder Diabetes digital an ein Krankenhaus übermittelt, wo medizinisches Fachpersonal diese prüft und den Patienten bei Unregelmäßigkeiten benachrichtigt.

Offen sind die Menschen, wenn es um neue Instrumente und Verfahren in der Medizin geht. Operationsrobotern stehen 61 Prozent der Befragten offen gegenüber. Jeder Dritte kann sich vorstellen, sich Mikrochips zur Überwachung der Körperfunktionen unter die Haut implantieren zu lassen. Digitale Tabletten, die Informationen an ein Smartphone sen­­den, würden 50 Prozent nutzen. Rohleder wies darauf hin, dass zum Beispiel die digi­talen Tabletten die Therapietreue der Patienten verbessern könnten. Insgesamt zeigt er sich überzeugt, dass die Digitalisierung „eine neue Ära der Medizingeschichte“ ein­läutet. „Sie wird vielen Menschen zu einem längeren Leben mit einer höheren Lebensqualität ver­hel­fen.“ Der Arzt könne über Videochat von zu Hause aus kontaktiert werden, die Ana­­lyse einer großen Menge an Daten ermögliche es, Krankheiten frühzeitig zu ent­decken, oder Roboter assisstierten bei schwierigen chirurgischen Eingriffen. „Telemedizin ist ein hervorragendes Beispiel für das beeindruckende Potenzial der Digitalisierung.“

Sorgen bei der Online-Sprechstunde
Durchwachsen sind die Reaktionen der Deutschen bei der Frage, ob sie Online-Sprech­stunden nutzen würden. 17 Prozent der Befragten würden dies tun, 16 Prozent können es sich zumindest vorstellen. Die wichtigsten Vorteile einer Online-Sprechstunde sind für die Menschen in Deutschland etwa die Erreichbarkeit von Ärzten, die weit entfernt ihre Praxis haben (57 Prozent). Zudem wür­den 43 Prozent der Befragten schätzen, dass sich die Wartezeit in der Praxis und die Zeit für die Anfahrt (29 Prozent) erübrigten.

Gleichzeitig steigt aber die Sorge um mögliche Fehl­behandlungen: 67 Prozent der Be­fragten nannten dies als einen der wichtigsten Nach­teile. Dass das Verhältnis zwischen Arzt und Patient darunter leiden könnte, be­fürch­ten 52 Prozent. Online-Sprechstunden würden die Arztbesuche auch in Zukunft nicht ersetzen, sondern ergänzen, betonte Roh­leder. „Davon profitieren Arzt und Patient gleichermaßen.“ Das E-Health-Gesetz, das En­de 2015 verabschiedet wurde, sieht vor, dass die tele­me­dizinische Befundung von Rönt­genbildern sowie die Online-Sprechstunde mit Patienten, die dem Arzt bereits be­kannt sind, starten können. „Die Einführung erster Telemedizin-Anwendungen ist ein großer Fortschritt. Weitere Anwendungen müssen schnell folgen“, so Rohleder.

Die Deutschen sehen mehrheitlich einen großen Nachholbedarf. 54 Prozent der Befrag­ten gaben an, dass das Gesundheitssystem in Deutsch­land beim Thema Digitalisierung hinterherhinke. „Digitale Gesundheitsangebote müssen schneller ausgebaut werden“, forderte Rohleder. Nur so könnten medizinische Versor­gung wie auch Kosten­struk­turen verbessert werden. Rohleder appellierte an die Po­litik sowie alle Akteure im Gesund­heits­wesen, insbesondere die Ärzteschaft, die Po­ten­zi­a­le zu erkennen und alles zu tun, um diese zu heben.

Für die Ergebnisse hat der Verband 1.009 Verbraucher ab 14 Jahren befragen lassen. © may/dpa/aerzteblatt.de

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