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Ärzteschaft

Evangelische Krankenhäuser setzen auf demenzsensible Patientenversorgung

Freitag, 16. September 2016

Berlin – Die qualitativ hochwertige Versorgung demenzkranker Patienten ist laut dem Deutschen Evangelischen Krankenhausverband (DEKV) eine „Zukunftskompetenz für Krankenhäuser“. Gemeint ist die Versorgung von Patienten, die zwar an kognitiven Be­einträchtigungen leiden, aber wegen somatischer Erkrankungen in die Klinik kommen.

Laut einer in diesem Sommer veröffentlichten Studie „Demenz im Allgemein­kranken­haus. Prävalenz und Versorgungssituation“ der Hochschule Mannheim und der Technischen Universität München weisen 40 Prozent aller über 65-jährigen Patienten in Allge­mein­kran­kenhäusern kognitive Störungen auf, fast jeder Fünfte leidet an Demenz. „Die große Zahl an Patienten mit kognitiven Beeinträchtigungen stellt Krankenhäuser vor eine er­heb­­liche Herausforderung, auf die derzeit weder das pflegerische noch das medizinische Personal vorbereitet ist“, warnte Martina Schäufele von der Fakultät für Sozialwesen der Hochschule Mannheim.

„Patienten, die an einer demenziellen Erkrankung leiden, brauchen besondere Auf­merk­sam­keit und Sensibilität in der medizinischen Behandlung und in der Pflege“, sagt der DEKV-Vorsitzende Christoph Radbruch. Dafür müssten Ärzte sowie Pflegende durch ge­eignete Fortbildungsangebote qualifiziert werden. „Außerdem bedarf es demenz­freund­licher Strukturen in den Kliniken“, betonte der Verbandsvorsitzende. Wegen des demo­gra­fischen Wandels erwartet er in Zukunft immer mehr demenzkranke und multimorbide Patienten. „Die demenzsensible Versorgung ist eine unverzichtbare Zukunftskompetenz für Krankenhäuser“, so Radbruch. Sie werde aber auch anderen vulnerablen Patienten­gruppen zugutekommen.

Für eine gute Versorgung von Demenzpatienten im Krankenhaus stünden aber politische Rahmenbedingungen noch aus: „Eine am Wohl der demenzkranken Patienten orientierte Versorgung bedeutet einen Mehraufwand, insbesondere in der Pflege“, so Radbruch. Dieser müsse im Vergütungssystem entsprechend abgebildet werden. „Darüber hinaus sollte die Ver­sorgung vulnerabler Patienten als Qualitätskriterium in der Leistungs­be­wer­tung von Krankenhäusern erfasst werden“, fordert er.  

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie hatte schon 2012 auf das Problem der Demenz­kranken in somatischen Krankenhausstationen hingewiesen. Die Patienten reagierten „auf die fremde Umgebung, die Hektik der Notaufnahme, den gedrängten Zeitplan, auf das Blutabnehmen und andere unangenehme Untersuchungen häufig mit Angst, Unruhe und Wutausbrüchen“, sagte der damalige Präsident der Fachgesellschaft, Werner Hof­mann. Krankenhäuser seien deshalb der „denkbar schlechteste Aufenthaltsort für De­menz­kranke“, so der Geriater. © hil/aerzteblatt.de

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