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Weltalzheimertag: Zu viele Demenzfälle bleiben unentdeckt

Mittwoch, 21. September 2016

Berlin – Mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist im familiären Umfeld vom Thema Demenz betroffen. So das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). Passend zum Leitthema des diesjährigen Weltalzheimertags am Mittwoch, „Jung und Alt bewegt Demenz“, warnt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP: „Demenz betrifft auch junge Angehörige.“ Er fordert daher eine altersgerechte Aufklärung, die schon im Kindergarten oder in der Schule beginnt.

Seit 1994 findet jeweils am 21. September der Welt-Alzheimertag statt, der von der Dachorganisation Alzheimer's Disease International (ADI) mit Unterstützung der WHO initiiert wurde, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Alzheimer-Krankheit und andere Formen der Demenz-Erkrankungen zu richten.

Das ZQP befragte 1.005 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren. Das Fazit: Der Umgang mit der Krankheit ist für viele ein Thema, bei dem sie auch Unterstützung benötigen. Fast 60 Prozent waren traurig, wie sich der Erkrankte verändert, 30 Prozent sind sich unsicher, wie sie mit ihm umgehen sollen. Jeder Vierte äußerte Angst, dem Verwandten könne etwas zustoßen. Neben den Herausforderungen berichteten die Befragten auch über positive Erfahrungen: 15 Prozent gaben an, viel durch den Umgang mit an Demenz erkrankten Angehörigen zu lernen. Bei jedem Siebten führte die Krankheit zu einem stärkeren Familien­zusammen­halt.

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Bluthochdruckbehandlung die effektivste heute bekannte Demenzprävention
In Deutschland leben derzeit etwa anderthalb Millionen Demenzkranke. Zwei Drittel von ihnen haben die häufigste Form – die Alzheimerkrankheit. Bis 2050 wird die Zahl der Demenzkranken Experten zufolge auf rund drei Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt.

Etwas besser sieht die Prognose von Isabella Heuser-Collier, Vorsitzende der Hirnliga, bezüglich der vaskulären Demenz aus. Untersuchungen zeigen, dass  die Erkrankungs­zahlen in Wales und Norwegen nicht mehr so stark steigen wie erwartet. Ein Grund dafür scheint der Trend zu einer besseren Ernährung, zum Beispiel mit mediterraner Kost, zu sein. Bessere Blutdruckeinstellung und mehr Bewegung tragen ebenfalls dazu bei, vermutete die Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Auch sei bekannt, dass die Behandlung von Diabetes und Bluthochdruck das Risiko, an Demenz zu erkranken, senkt. 

Die Blutdruckkontrolle sei im Mittel beeindruckend besser geworden, kommentiert Stefan Knecht, Facharzt für Neurologie an der St. Mauritius Therapieklinik, die Studie. „Tatsächlich ist die Bluthochdruckbehandlung die effektivste heute bekannte Demenz­prävention“, so die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung. Die Ergebnisse dieser Studie führten dazu, dass die amerikanische Heart-Association ihre Normwerte für Blutdruckwerte heruntergesetzt hat: „Es gilt jetzt als systolische Obergrenze 120 mmHg und als diastolische Untergrenze 80 mmHg“, ergänzt Heuser-Collier.

Framingham-Studie: Bildung schützt vor Demenz

Boston – Seshadri konnte zeigen, dass die Inzidenz in den letzten vier Jahrzehnten altersbedingt kontinuierlich zurückgegangen ist. Verglichen mit der Zeit um 1980 erkrankten ein Jahrzehnt später 22 Prozent weniger Menschen an eine Altersdemenz, um 2000 waren es 38 Prozent weniger und um 2010 sogar 44 Prozent weniger als um 1980.

Diagnostik verbesserungsbedürftig
Großen Nachholbedarf gäbe es hingegen vor allem bei den Hausärzten, sagten Vertreter der Hirnliga, der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) auf einer Pressekonferenz in Berlin am Montag. „Sie übersehen mehr als die Hälfte der Demenzfälle, bei leichter Demenz ist die Trefferquote noch schlechter“, kritisierte Hans Gutzmann, Präsident der DGGPP. Eine Differenzialdiagnose erhalten sogar nur 10 bis 15 Prozent. „Das ist deutlich zu wenig“, so Gutzmann.

Die Experten forderten daher eine bessere gerontopsychiatrische Ausbildung aller Ärzte, die ältere Menschen behandeln. Nach Angaben der DGGPP kommen in Großbritannien 650 ältere Patienten auf einen Gerontopsychiater, in Deutschland sind dies mindestens 13.000 Patienten. Zugleich gebe es eine Tendenz, Depressionen im Alter fälschlicherweise als Demenz zu diagnostizieren. Daraus folge ein weiteres Problem: „Die meisten Demenzpatienten erhalten immer noch Neuroleptika statt Antidementiva,“ sagte Gutzmann. Das müsste sich ändern, forderte der Gerontopsychiater. Auch der Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung zeigt ein Defizit bei der Therapie. Während in den nordwestlichen Bundesländern nur etwa jeder fünfte Patient ein Demenz-Medikament erhielt, waren es in den östlichen Bundesländern bis zu einem Drittel.

Anlässlich der diesjährigen „Woche der Demenz“ finden noch bis zum kommenden Sonntag bundesweit Aktivitäten von 500 „Lokalen Allianzen für Men­schen mit Demenz“ statt, teilte die Initiative in Berlin mit. Die Schirmherrschaft über­neh­men Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) und Ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU). Am 6. September startete zudem die bundesweite Kampagne Demenz-Partner.

Minister werben für Demenz-Partner

Berlin – Mit einer gemeinsamen Kampagne von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG), Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) und Deutscher Alzheimer Gesellschaft soll das Wissen über Demenz und das Verständnis für Betroffene verbessert werden.

© gie/aerzteblatt.de

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