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Medizin

Behandlung der multiresistenten Tuberkulose erfolgreicher als gedacht

Montag, 19. September 2016

/dpa

Borstel – Die Behandlung der multiresistenten Tuberkulose (TB) ist möglicherweise er­folgreicher als bislang angenommen – zumindest in Europa. Das berichtet ein inter­nati­o­nales Wissenschaftlerteam jetzt im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMc1603274).

Die Aussichten für Patienten mit multiresistenter TB, geheilt zu werden, galten bislang als eher gering. Nach den Kriterien der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO sind es in Euro­pa nur 31 Prozent, bei denen von Heilung gesprochen werden kann. Dabei umfasst die WHO-Definition von Heilung, dass nach erfolgreichem Abschluss der intensiven Therapie drei Kontrollen auf Tuberkulosebakterien im Sputum der Patienten negativ sind.

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Gemeinsam mit Ärzten der „Tuberculosis Network European Trialsgroup“ zeichneten Wissenschaftler des Forschungszentrums Borstel für die Studie fünf Jahre lang die The­ra­pieverläufe von 380 Patienten an 23 Behandlungszentren in Europa auf – beginnend vom Zeitpunkt der Diagnose bis ein Jahr nach Beendigung der Therapie.

„Wir haben festgestellt, dass die WHO-Kriterien für die Mehrzahl der Patienten in West­eu­ropa nicht anwendbar sind“, erläuterte Gunar Günther vom klinischen Tuberkulo­se­zent­rum des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung am Forschungszentrum Bors­tel. Grund dafür sei, dass die meisten Patienten in dieser Phase der Behandlung kein Spu­tum mehr produzieren könnten.

Die Wissenschaftler entwickelten daher aussagekräftigere Kriterien für die Behand­lungs­ergebnisse bei multiresistenten TB-Patienten. Danach kann man von Heilung sprechen, wenn sechs Monate nach Beginn der Therapie keine Bakterien nachweisbar sind und es außerdem ein Jahr nach Therapieende zu keinem Rückfall kommt. „Diese Kriterien sind nicht nur einfacher zu bestimmen, die Ergebnisse sind auch stimmiger“, erklärte der Stu­dienkoordinator Christoph Lange. Er kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die WHO-Kriterien keine Nachbeobachtungszeit vorsähen.

Nach diesen beiden Kriterien konnten die Wissenschaftler eine rückfallfreie Heilung in 61 Prozent der Krankheitsfälle feststellen. Entwarnung wollen die Forscher trotzdem nicht ge­ben. „Es gibt noch viel zu tun, denn mindestens ein Drittel der Patienten können aktu­ell nicht geheilt werden“, so Lange. © hil/aerzteblatt.de

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