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Medizin

Keratitis: Multi-resistenter E. coli greift Augen an

Montag, 19. September 2016

Boston – Die multiresistente Variante ST131 des Darmbakteriums E. coli, die weltweit zunehmend für schwer behandelbare Infektionen außerhalb des Darms verantwortlich ist, kann infolge einer entdeckten Mutation auch die Hornhaut des Auges befallen. US-Augenärzte sprechen in JAMA Ophthalmology (2016; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2016.328) von einer beunruhigenden Entwicklung, auch wenn die Infektion in dem vorgestellten Fallbericht relativ schnell kuriert werden konnte.

E. coli-Infektionen des Auges sind selten. Gelangt der Darmkeim versehentlich auf die Hornhaut, wird er von Phagozyten rasch beseitigt. Umso überraschter waren Michael Gilmore von der Massachusetts Eye and Ear Infirmary in Boston, dass in der Läsion einer rezidivierenden Keratitis einer älteren Patientin E. coli nachgewiesen wurde.

Das Labor meldete zudem, dass es sich nicht um das normale Darmbakterium handelte, sondern um einen Stamm, der sogenannte Extended Spectrum Beta-Lactamasen (ESBL) bildet und dadurch gegen eine Reihe von Antibiotika resistent ist. Die Augen­ärzte ließen den Erreger genetisch untersuchen. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um den Sequenztyp (ST) 131 handelt, ein derzeit sehr gefürchteter Erreger, gegen den es kaum noch Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Dass ST 131 bei der Patientin gefunden wurde, war zunächst nicht überraschend. Die Frau, die in einem Pflegeheim wohnte, hatte wegen früherer Keratitiden bereits zweimal ein Hornhauttransplantat erhalten. Zuletzt war sie lokal mit Erythromycin und Moxi­floxacin behandelt worden. Außerdem erhielt sie Augentropfen mit Prednisolon. Vor kurzen war sie wegen einer schweren Pneumonie noch systemisch mit diversen Antibiotika behandelt worden. Dies alles dürfte den Boden für die Ausbreitung von ESBL-bildenden E. coli begünstigt haben, schreibt Gilmore.

Dennoch war überraschend, dass der Keim in der beschädigten Hornhaut Fuß fassen konnte. Die Sequenzierung des Erreger-Genoms lieferte die Erklärung. Eine bisher bei E. coli noch nie beobachtete Mutation im Gen „yrfF“ hatte die Kapsel des Bakteriums so verändert, dass der Erreger von Phagozyten nicht mehr eliminiert werden kann. Gilmore spricht von einem „mukoiden Phänotyp“. Das Bakterium umgebe sich gewissermaßen mit einem Schleim, der es vor den Fresszellen schütze.

Gilmore betrachtet dies als eine alarmierende neue Facette von ST131, der dadurch zu einem gefährlichen Erreger von Hornhautinfektionen am Auge werden könnte. Für die betroffene Frau hatte die Infektion jedoch keine schwerwiegenden Folgen. Nach einer konsequenten topischen Behandlung mit Amikacin und Polymyxin B plus Trimethoprim (alle 3 Stunden) waren in der bakteriologischen Kultur schon nach sechs Tagen keine Bakterien mehr nachweisbar und die Hornhautläsion war nach 18 Tagen abgeheilt.

© rme/aerzteblatt.de

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