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„Klug entscheiden“: DGHO legt Empfehlungen vor

Mittwoch, 21. September 2016

Berlin – Für einen bewussten und evidenzbasierten Umgang mit „technischen“ Maßnahmen bei der Diagnostik und Therapie von Patienten mit Blutkrebserkrankungen und soliden Tumoren setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) ein. Mit ihren aktuell im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Positiv- und Negativempfehlungen reagiert sie auf die rasante Wissenszunahme im Fachgebiet Hämatologie und Onkologie und beschreibt Über- und Unterversorgung von Krebs­patienten in Deutschland.

Während häufige Bildgebungsverfahren teilweise als überflüssig eingestuft werden, definieren die Empfehlungen Defizite im Bereich der sprechenden Medizin, der Psychoonkologie und Palliativmedizin. Mit der Kampagne „Klug entscheiden“ wolle man mehr Bewusstsein für diese Situation schaffen, erklärt die DGHO.

Ihre Empfehlungen veröffentlicht die DGHO jetzt (, Heft 38/2016) im Rahmen der Initiative „Klug entscheiden“ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Eine Arbeitsgruppe der Fachgesellschaft erstellte diese auf der Basis einer Online-Umfrage unter ihren Mitgliedern. Dabei wurde deutlich, dass die vielen neuen Behandlungs­perspektiven Ärztinnen und Ärzte in der Patientenversorgung vor enorme Heraus­forderungen stellen.

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„Der ökonomische Druck in der Medizin nimmt stetig zu. Handlungsleitend für uns Ärztinnen und Ärzte muss aber stets sein, welche diagnos­tischen und therapeutischen Verfahren für unsere Patienten wirklich nutzbringend sind, und nicht, welche Maßnahmen ökonomischen Maßgaben folgen“, erklärte Michael Hallek, Vorsitzender der DGHO, heute bei der Vorstellung der Empfehlungen in Berlin. „Wir müssen die diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen stets daraufhin überprüfen, ob sie zu häufig durchgeführt werden, obwohl ihr Nutzen nicht nachge­wiesen ist. Außerdem müssen wir Maßnahmen identifizieren, die trotz nachweisbarem Nutzen zu selten durchgeführt werden.“

Klug entscheiden: . . . in der Hämatologie und Medizinischen Onkologie

Die Onkologie entwickelt sich rasant. Umso wichtiger sind gut begründete und rationale Empfehlungen für Diagnostik und Therapie. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) beteiligt sich an der Initiative „Klug entscheiden“ 

Nach Veröffentlichung der Empfehlungen von Unter- und Überversorgung gehe es vor allem darum, diese im Behandlungsalltag zu implementieren, erklärte Carsten Bokemeyer, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO. Dies sei nicht leicht. Doch damit die verfügbaren Mittel gerade angesichts der ökonomischen und gesundheits­politischen Rahmenbedingungen optimal eingesetzt werden könnten, sei es wichtig, ein Bewusstsein für Über- und Unterversorgung der onkologischen Therapie bei den behandelnden Ärzten zu schaffen und das ärztliche Handeln immer wieder zu hinterfragen.

Bezüglich einer teilweisen Überversorgung verwies Diana Lüftner, Mitglied im Vorstand der DGHO, auf die molekulargenetische Tumordiagnostik. Diese erlaube es, genetische Mutationen zu identifizieren oder Subgruppen zu definieren, auf deren Basis man frühzeitig entscheiden könne, ob und welche spezifisch wirksamen Medikamente sinnvoll eingesetzt werden können, und wer tatsächlich von diesen Substanzen profitiere.

Unnötige Therapien im Sinne einer Fehlversorgung könnten hingegen den Patienten sogar schaden, da sie mit Nebenwirkungen verbunden sind. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Fachgesellschaft, nur dann eine gezielte Tumortherapie zu veranlassen, wenn die Tumorzellen des Patienten den spezifischen Biomarker aufweisen, der ein Ansprechen auf den Einsatz einer zielgerichteten medikamentösen Therapie erwarten lässt.

Eindrücklich deckte Florian Weißinger, Mitglied im Vorstand der DGHO, eine Unterversorgung in der Hämatologie/Onkologie auf. Er verwies darauf, dass trotz aller medizinischen Fortschritte weiterhin etwa die Hälfte der Krebspatienten an den Folgen ihrer Erkrankung verstirbt. Nicht selten würden subjektive Bedürfnisse der Patienten zu wenig bedacht, sagte er.

Viele Patienten würden auch in der letzten Lebensphase zu intensiv behandelt. „Die Betreuung von Krebspatienten am Lebensende stellt uns Ärztinnen und Ärzte immer wieder vor große Herausforderungen. Aus unserer Sicht sollten belastende onko­logische Therapien am Lebensende ohne wesentliche Chance auf klinischen Nutzen unterlassen werden“, betonte er. Die Gewichtung tumor­spezi­fischer und symptom­orientierter Therapiemaßnahmen solle entsprechend den Zielen des Patienten und in enger Absprache zwischen den Fachdisziplinen – beispielsweise mit den Kolleginnen und Kollegen der Palliativmedizin – erfolgen. © ER/aerzteblatt.de

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