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Medizin

Erster CDK4/6-Inhibitor: EMA empfiehlt Palbociclib bei Brustkrebs

Mittwoch, 21. September 2016

London – Die Behandlung des fortgeschrittenen Mammakarzinoms wird demnächst um ein neuartiges Medikament erweitert. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat sich für die Zulassung von Palbociclib ausgesprochen, dem ersten Vertreter eines CDK4/6-Inhibitors. Das Medikament ist vorgesehen für Patientinnen mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Mamma­karzinom, dessen Tumorzellen zwar Hormonrezeptoren bilden, nicht aber Rezeptoren für den humanen epidermalen Wachstumsfaktor 2 (ER+/HER-).

Palbociclib hemmt die Cyclin-abhängigen Kinasen CDK4 und CDK6. Sie steuern den Übergang in die S-Phase des Zellzyklus, in der die DNA der Zellen verdoppelt wird. Palbociclib verhindert damit die Zellteilung. Die Wirkung ist demnach zytostatisch. Der oral wirksame CDK4/6-Inhibitor gehört zu einer größeren Gruppe von neuen Wirkstoffen, die an unterschiedlichen Stellen des Zellzyklus eingreifen und derzeit zur Behandlung von Krebserkrankungen in der Entwicklung sind.

Palbociclib wurde in zwei Phase-3-Studien an Patientinnen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom (ER+/HER-) getestet. Die erste Studie (PALOMA 2) verglich an 444 Patientinnen die Ergebnisse von Palbociclib in Kombination mit Letrozol mit einer alleinigen Letrozol-Behandlung. Palbociclib verlängerte das progressionsfreie Überleben von 14,5 auf 24,8 Monaten.

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In der zweiten Phase-3-Studie (PALOMA 3) an 521 Frauen ebenfalls mit fortgeschritte­nem Mammakarzinom (ER+/HER-) wurde Palbociclib mit Fulvestrant kombiniert. Gegenüber einer alleinigen Behandlung mit Fulvestrant stieg das mediane progres­sions­freie Überleben von 4,6 auf 11,2 Monate an.

Wie andere Kinase-Hemmer ist Palbociclib oral verfügbar. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Neutropenie, Infektionen, Leukopenie, Müdigkeit, Übelkeit, Stomatitis, Anämie, Alopezie und Durchfall.

Die Empfehlung des CHMP ist zwar nicht bindend. In der Regel folgt die Europäische Kommission jedoch dem Votum der Behörde, so dass Palbociclib demnächst als Ibrance verordnet werden kann. Indikation ist die Behandlung von Frauen mit lokal fortge­schritte­nem oder metastasiertem ER+/HER-Mammakarzinom. Palbociclib soll dabei mit einem Aromatasehemmer kombiniert werden (oder mit Fulvestrant bei Frauen, die zuvor bereits eine endokrine Therapie erhalten haben). Bei prä- oder perimenopausalen Patientinnen sollte die endokrine Therapie mit einem LHRH-Agonisten kombiniert werden. 

In den USA ist das Mittel bereits seit Februar 2015 zugelassen. Die FDA hatte damals aufgrund von günstigen Ergebnissen einer Phase-2-Studie (PALOMA 1) eine vorläufige Zulassung ausgesprochen. © rme/aerzteblatt.de

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