Politik

Patienten und Ärzte mit Gesundheitssystem insgesamt zufrieden

Mittwoch, 21. September 2016

Wiesloch/Berlin – Patienten und Ärzte beurteilen das heutige Gesundheitssystem insgesamt positiv. Das ist das Ergebnis des 9. MLP Gesundheitsreports, den das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanzdienstleisters erstellt hat. Für die kommenden Jahre rechnen Bürger und Ärzte allerdings mit einer deutlichen Verschlechterung der medizinischen Versorgung – vor allem in ländlichen Regionen.

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Der repräsentativen Studie zufolge sind mit dem heutigen Gesundheitswesen 93 Prozent der Ärzte und 82 Prozent der Bevölkerung zufrieden. In ihrer Beurteilung der Gesundheitspolitik unterscheiden sich Bürger und Ärzte allerdings deutlich: 40 Prozent der Bevölkerung (2012: 26 Prozent) haben einen guten Eindruck von der Gesundheits­politik insgesamt, die Ärzte hingegen lehnen sie zu 62 Prozent (2012: 71 Prozent) ab. Zudem sind 66 Prozent von ihnen der Meinung, dass das Gesundheitssystem umfassend reformiert werden müsste – in der Bevölkerung sind es 41 Prozent.

Steigende Krankenkassenbeiträge erwartet
Für die kommenden Jahre gehen laut Studie insbesondere Ärzte (62 Prozent) von einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung aus. Besondere Probleme wird es aus ihrer Sicht bei der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum (91 Prozent) und bei der Verordnung aller medizinisch notwendigen Leistungen (84 Prozent) geben. Mit einer Zwei-Klassen-Medizin rechnen sowohl Ärzte (70 Prozent) als auch Bürger (67 Prozent). Die Bevölkerung erwartet vor allem steigende Beiträge zur gesetzlichen Kranken­versicherung (81 Prozent) und befürchtet, dass sie verstärkt Kosten der medizinischen Versorgung selbst tragen müssen (72 Prozent).

Fast jeder zweite befragte Arzt (44 Prozent) hat angegeben, dass er zumindest in Einzelfällen aus Kostengründen auf therapeutische Maßnahmen verzichten musste. Bereits 40 Prozent der Bevölkerung hatten schon das Gefühl, dass ihnen aus Kostengründen eine Behandlung oder ein Medikament vorenthalten wurde. Insbesondere gesetzlich Versicherte gaben dies an (42 Prozent).

Strukturelle Probleme bislang nicht gelöst
Deutlich gestiegen ist der Anteil der Bürger, die mehrmals beim Arzt eine Behandlung oder ein Medikament selbst bezahlen mussten (32 Prozent). „Die steigende Zustimmung der Bürger zur Gesundheitspolitik darf nicht dazu führen, dass die Parteien die Zukunftssicherung des Gesundheitssystems aus den Augen verlieren“, betonte der MLP Vorstandsvorsitzender Uwe Schroeder-Wildberg heute bei der Vorstellung des Reports in Berlin. Die strukturellen Probleme des Gesundheitssystems seien nach wie vor nicht gelöst.

Unterschiede zwischen den Ansichten von Ärzten und Bürgern ergab die Befragung bei den jüngst umgesetzten Reformmaßnahmen: So befürworten 58 Prozent der Bevölkerung die neuen zentralen Terminvergabestellen, während 81 Prozent der niedergelassenen Ärzte diese ablehnen. 87 Prozent der Hausärzte und 79 Prozent der Fachärzte gaben an, dass sie bereits vor Einführung einen Termin binnen vier Wochen vergeben konnten.

Zudem kritisierten mehr als drei Viertel der Krankenhausärzte, dass zusätzliche ambulante Untersuchungstermine das Personal im Krankenhaus überlasten würden. Klagen über lange Wartezeiten in der Bevölkerung sind der Studie zufolge weiterhin weit verbreitet (56 Prozent), vor allem unter gesetzlich Versicherten (59 Prozent). Vor diesem Hintergrund befürworten 57 Prozent der Bürger eine Ausweitung des Terminserviceangebotes auch auf nicht dringliche Fälle.

Gespalten sind die Ärzte hinsichtlich des Krankenhausstrukturgesetzes: Nur eine knappe Mehrheit befürwortet Qualitätsmessungen, die veröffentlicht werden (53 Prozent) und Auswirkungen auf die Honorierung haben (53 Prozent). Vor allem an kleinen Häusern rechnen Ärzte mit unterdurchschnittlichen Einstufungen durch das vorgesehene Qualitätsinstitut und mit einhergehenden Budgetkürzungen (42 Prozent) – an Einrichtungen mit mehr als 500 Betten sind es hingegen nur 18 Prozent.

Mehr denn je klagen Krankenhausärzte über Personalmangel (68 Prozent). Insbesondere bei der Krankenpflege gibt es große Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden (72 Prozent; 2012: 58 Prozent). Die Versorgungsqualität in den Krankenhäusern bewerten die dort tätigen Ärzte aber insgesamt weiterhin sehr positiv (91 Prozent).

© hil/aerzteblatt.de

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