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Medizin

Studie: Depression fördert Schwangerschafts­diabetes

Donnerstag, 22. September 2016

/dpa

Bethesda/Maryland – Schwangere, die im ersten oder zweiten Trimenon eine depressive Gemütslage zeigten, erkrankten in einer Kohortenstudie in Diabetologia (2016; doi: 10.1007/s00125-016-4086-1) häufiger an einem Gestationsdiabetes, der wiederum mit einer deutlich erhöhten Rate von postpartalen Depressionen verbunden war. 

Frühere Studien hatten gezeigt, dass Depressionen häufig mit einer gestörten Glukosetoleranz einhergehen, die ein Vorläufer des Typ-2-Diabetes ist. Diese Frauen entwickeln dann in der Schwangerschaft erstmals einen Diabetes. Ein Team um Cuilin Zhang vom National Institute of Child Health and Human Development (NICHD) hat hierzu die Daten der Fetal Growth Studies-Singleton Kohorte ausgewertet, in der zwischen 2009 und 2013 etwa 2.500 Schwangere psychiatrisch untersucht wurden. Die Frauen hatten im ersten und zweiten Trimenon und nach der Geburt des Kindes den Fragebogen zur Edinburgh-Postnatal-Depression-Scale ausgefüllt. 

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Die Schwangeren, die im ersten Trimenon (8. bis 13. Woche) eine depressive Gemüts­lage (Score im obersten Quartil) zeigten, erkrankten später doppelt so häufig an einem Gestationsdiabetes (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,06–3,78). Der Zusammenhang schwächte sich nach Berücksichtigung anderer Kofaktoren leicht ab (relatives Risiko 1,72; 0,92–3,23) die Wiederholung der Untersuchung zwischen der 16. und 23. Woche bestätigte jedoch die Assoziation. Interessanterweise wurde die Verbindung nur bei nicht-fettleibigen Schwangeren gesehen. Die fettleibigen Schwangeren haben unab­hängig von ihrer Gemütslage ein erhöhtes Risiko auf einen Gestationsdiabetes.

Besonders gefährdet waren Frauen, bei denen in beiden Untersuchungen eine depressive Gemütslage gefunden wurde. Ihr Risiko auf einen Gestationsdiabetes war um den Faktor 3,21 erhöht – allerdings bei einem weiten 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,00 bis 10,28. Die Frauen, die dann tatsächlich an einem Gestationsdiabetes erkrankten, hatten ein 4,62-fach erhöhtes Risiko auf eine postpartale Depression. Fast 15 Prozent dieser Frauen erkrankten in den ersten Wochen nach der Entbindung an einer Depression.

Zhang betont, dass ihre Untersuchung nicht beweisen kann, dass die Depression ursächlich für den Gestationsdiabetes verantwortlich ist und dass umgekehrt der Gestationsdiabetes die spätere Depression bewirkt. Die Pathogenese ist unklar. Zhang vermutet, dass der hohe Blutzuckerspiegel in der Schwangerschaft möglicherweise zu Entzündungen führt und dass hormonelle und andere Veränderungen dann die Depression auslösen. © rme/aerzteblatt.de

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