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Medizin

Malaria-Resistenz: Neuer Wirkstoff besteht ersten klinischen Test

Freitag, 23. September 2016

Bangkok – Ein neuartiges Malariamittel, das in allen Phasen der Infektion wirksam ist, hat in einer ersten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2016; 375:1152-1160) die meisten Malaria-Patienten bereits nach der ersten Dosis von Plasmodium vivax oder falciparum befreit. Das Mittel ist auch gegen Artemisinin-resistente Parasiten wirksam, die sich derzeit in Südostasien ausbreiten.

Berichte über Malaria-Infektionen, die nicht auf die Artemisinin-basierte Kombinations­therapie, den derzeitigen Standard bei der tropischen Malaria, ansprachen, haben in den letzten Jahren die Welt­gesund­heits­organi­sation verunsichert. Sollten sich die resistenten Plasmodien, die vorerst auf den Bereich des Mekong-Flusses beschränkt sind, weltweit ausbreiten, würde dies die Behandlung deutlich erschweren, und die Zahl der Todesfälle, die auf etwa eine halbe Million Menschen gesunken war, würde wieder ansteigen.

Ein internationales Forscherteam hat deshalb in den letzten Jahren systematisch nach neuen Wirkstoffen gesucht. Dabei sind sie auf KAF156 gestoßen. Das Imidazo­lopiperazin zeigte im Labor eine hohe Aktivität gegen resistente Plasmodien. Die ersten klinischen Versuche bestätigen die gute Wirksamkeit. An fünf Zentren in Thailand und Vietnam wurden zunächst 20 Patienten – jeweils zehn mit P. vivax und zehn mit P. falciparum – über drei Tage mit KAF156 behandelt.

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P. vivax war nach durchschnittlich 24 Stunden und P. falciparum nach durchschnittlich 45 Stunden aus dem Blut der Patienten verschwunden. Daraufhin wurden weitere 22 Patienten mit einer einzelnen Dosis behandelt, die die Parasiten ebenfalls rasch eliminierte. Bei sieben Patienten kam es innerhalb von 28 Tagen zu einem Rückfall, ein weiterer hat sich vermutlich neu infiziert.

Nicolas White vom Mahidol-Oxford Tropical Medicine Research Unit (MORU) in Bangkok gibt die Heilungsrate nach einer einzelnen Dosis mit 67 Prozent an (95-Prozent-Konfidenzintervall 46 bis 84). Das ist mehr als man erwarten konnte. Die Wirkung kann sich mit der von Artemisinin messen. Das Standardmittel erzielt in einer Kurztherapie eine Heilungsrate von 80 Prozent. In der Praxis wird Artemisinin immer mit anderen Wirkstoffen kombiniert. Das soll nicht zuletzt die Entwicklung von Resistenzen verhindern.

Die genetische Untersuchung der Parasiten ergab, dass einige Plasmodien Mutationen im K13-Gen aufweisen. Sie gelten als Ursache der Resistenz gegen Artemisinin, die sich in den letzten Jahren in Südost-Asien ausgebreitet hat. Die Hoffnung, dass KAF156 bei diesen Patienten wirksam ist, erscheint deshalb nicht unbegründet. Doch auch gegen KAF156 sind Resistenzen möglich. Sie betreffen das Gen PfCARL („cyclic amine resistance locus“). Es kodiert ein Protein, dessen Funktion noch nicht bekannt ist. Es wird vermutet, dass KAF156 seine Wirkung an dieser Stelle entfaltet. Das eröffnet dem Parasiten die Möglichkeit, sich dem Angriff durch Veränderungen von PfCARL zu entziehen.

Die Verträglichkeit von KAF156 scheint akzeptabel zu sein. Die häufigsten Neben­wirkungen waren eine Sinusbradykardie, Thrombozytopenie, Hypokaliämie, Anämie und Hyperbilirubinämie. Ein Patient brach die Therapie aufgrund eines starken Erbrechens ab. Bei mehreren Patienten kam es zu einem leichten Anstieg der Leberenzyme. © rme/aerzteblatt.de

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