NewsMedizinZystisches Pankreas­karzinom: Vorstufe erstmals im Blut nachgewiesen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Zystisches Pankreas­karzinom: Vorstufe erstmals im Blut nachgewiesen

Freitag, 23. September 2016

Ulm – Wissenschaftler der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin haben erstmals genetisches Material entarteter Zellen im Blut nachgewiesen, das die Entstehung der intraduktalen papillären muzinösen Neoplasie (IPMN) ankündigen kann. Dies könnte ein erster Schritt dazu sein, mit Hilfe einer Blutuntersuchung frühe Formen dieser häufigen Art von zystischen Bauchspeicheldrüsentumoren zu finden. Bisher entdecken Ärzte IPMN meist nur zufällig oder zu spät. Die Erkenntnisse wurden in Gastroenterology (doi.org/10.1053/j.gastro.2016.04.034) veröffentlicht.

Bisher lässt sich IPMN nur mit bildgebenden Verfahren wie Computer-, Magnet­resonanztomografie oder mit endoskopischem Ultraschall ausfindig machen. Den Wissenschaftlern um Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin I ist es gelungen, im Blut genetisches Material zu analysieren. Dabei handelt es sich um die zirkulierende zellfreie DNA (circulating cell-free DNA, cfDNA). „Wir konnten diese speziellen genetischen Spuren von entarteten Zellen in hoher Konzentration bei Patienten IPMN nachweisen“, berichtet Andreas W. Berger, Oberarzt und Erstautor der Studie.

Die intraduktal papillär muszinöse Neoplasie (IPMN) ist der häufigste zystische Bauspeicheldrüsentumor. Betroffen sind im Durchschnitt Menschen im Alter von 60 bis 70 Jahren. Die IPMN kommen häufiger bei Männern als bei Frauen vor (Verhältnis 3:2). In etwa 25 % der Fälle ist eine Entartung hin zum Bauspeicheldrüsentumor möglich. In Studien bei Patienten ohne Bauchspeicheldrüsentumor fanden sich 2,6 Zysten pro 100 Patienten.

Dass bestimmte IPMN sich zu einem bösartigen Tumor entwickeln können, ist bekannt – unbekannt ist jedoch der Zeitpunkt. Daher werden die betroffenen Patienten engmaschig beobachtet. Dies ist bisher nur mit bildgebenden Verfahren möglich, die entweder eine Strahlenbelastung für die Patienten bedeuten, sehr teuer sind oder einen invasiven Charakter mit möglichen Komplikationen haben. „Die Grundlage für die Überwachung der Krankheitsentwicklung durch eine einfache Blutuntersuchung zu schaffen, stellt einen Durchbruch dar“, so Berger.

Anzeige

Die Erkenntnisse der Ulmer Wissenschaftler könnten ein erster Schritt sein, um etwa eine maligne Entartung solcher IPMN hin zu Bauspeicheldrüsentumoren durch Blutuntersuchungen im Rahmen von Screenings früh zu erkennen. Dazu ist aber weitere Forschung nötig. „Jetzt gilt es herauszufinden, ob das Blut uns in Kombination mit anderen Veränderungen der Bauchspeicheldrüse auch verrät, wann aus Vorstufen tatsächlich ein Tumor entsteht – und wann nicht“, erläutert Alexander Kleger, der zweite Seniorautor der Studie. Unterstützt wurden die Ulmer Wissenschaftler von Kollegen am Universitätsklinikum Heidelberg und der Uniklinik RWTH Aachen. © EB/gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Februar 2019
Bern/Genf – Bei neuroendokrinen Tumoren des Pankreas, Magens und des Darms könnten Medikamente in Kombination besser wirken als einzeln – insbesondere wenn Somatostatin-Analoga beteiligt sind. Zu
Neuroendokrine Tumoren: Medikamente wirken kombiniert meist besser als einzeln
21. Dezember 2018
Nancy – Für Patienten mit Pankreaskarzinom, das aufgrund seiner Therapieresistenz zu den Krebserkrankungen mit der schlechtesten Prognose gehört, gibt es Grund zur Hoffnung. In einer jetzt im New
Pankreaskarzinom: Adjuvante Chemotherapie mit Folfirinox kann Leben nach Operation verlängern
20. November 2018
Würzburg – Ein Wirkstoff aus einer tropischen Regenwald-Liane hemmt das Wachstum von Bauchspeicheldrüsenkrebszellen. Das haben Forscher vom Institut für Organische Chemie der Universität Würzburg und
Alkaloide aus Lianen töten Pankreaskrebszellen in vitro
31. Juli 2018
London – In Kombination mit einer Chemotherapie könnte Cannabidiol (CBD) von Vorteil bei der Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs sein. Das berichten Forscher der Queen Mary University in London und
Cannabinoid verbessert die Überlebensrate von Mäusen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs
22. Juni 2018
Dresden – Patienten mit Pankreaskrebs, deren Tumorzellen spezielle Mutationen zeigen, sind medikamentöse angreifbar. Das berichten Wissenschaftler des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT)
Bauchspeicheldrüsenkrebs: Seltene Genveränderungen machen Tumor angreifbar
20. Juni 2018
Rochester/Minnesota – Mehr als 5 % aller Patienten mit duktalem Pankreaskarzinom weisen Mutationen in 6 Genen auf, die in einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 319: 2401–2409) mit
Keimzellmutationen in sechs Genen häufige Ursache des Pankreaskarzinoms
1. Juni 2018
München – Ein neuer Anti-Krebswirkstoff könnte gegen mehr Krebsarten eingesetzt werden, als bisher angenommen. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) zeigte im Mausmodell und an
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER