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Medizin

HIV: Präexpositions­prophylaxe laut Studie kosten-effektiv

Freitag, 23. September 2016

dpa

Rotterdam – Die Präexpositionsprophylaxe, mit der sich Risikopersonen vor einer Ansteckung mit dem HI-Virus schützen können, ist trotz der hohen Preise der Medikamente kosteneffektiv. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kosten-Nutzen-Analyse in Lancet Infectious Diseases (2016; doi: 10.1016/S1473-3099(16)30311-5).

Die EU-Kommission hat im August das Medikament Truvada (Emtricitabin/Tenofovir) zur HIV-Prophylaxe zugelassen. Mit dem Mittel können sich Menschen, die sexuelle Kontakte zu HIV-Positiven haben, aber nicht regelmäßig Kondome benutzen, vor einer Infektion schützen. Diese Präexpositionsprophylaxe (PrEP) hat sich sowohl bei kontinuierlicher Einnahme (PROUD-Studie) als auch in einer „on-demand“-Einnahme unmittelbar vor und in den Tagen nach einem Risikokontakt (iPERGAY-Studie) als effektiv erwiesen. Experten hoffen, dass die Präexpositionsprophylaxe auch einen Beitrag zur Eindämmung der HIV-Epidemie leistet. Dies setzt allerdings voraus, dass sie sich bei den Betroffenen durchsetzt.

Zu den Faktoren, die gegen eine hohe Akzeptanz sprechen, gehört der hohe Preis des Medikaments von derzeit 819,49 Euro für die Monatsration von 30 Filmtabletten. Die Kosten werden derzeit von den Krankenkassen nicht erstattet. Dabei wäre die Behand­lung nach heutigen Kriterien durchaus kosten-effektiv, wie David van de Vijver von der Erasmus Universität Rotterdam vor dem Hintergrund der niederländischen Preise vorrechnet. Dort kostet die kontinuierliche PrEP im Jahr 7.400 Euro pro Person, bei einer „on-demand“-Einnahme wären es 3.850 Euro pro Person und Jahr.

Bei einer Effektivität von 80 Prozent betragen die Kosten für ein durch Vermeidung der Infektion gewonnenes Lebensjahr in gutem Gesundheitszustand (quality-adjusted life-year, QALY) in den Hochrisikogruppen lediglich 11.000 Euro (Inter-Quartilsabstand IQR 9.400–14.100 Euro). Das sei weniger als im Allgemeinen für die Kosten-Effektivität einer Therapie gefordert werde, schreibt van de Vijver. Die Grenze liege in den Niederlanden bei 20.000 Euro pro QALY. Noch wirtschaftlicher wäre eine „on-demand“-Einnahme. van de Vijver ermittelt Kosten von 2.000 Euro pro QALY (IQR 1.300–3.000 Euro).

Diese Berechnungen berücksichtigen noch nicht einmal, dass die Vermeidung einer Infektion Behandlungskosten von etwa einer halben Million Euro pro Patient einsparen kann. Wenn dieser Betrag in der Kosten-Nutzen-Rechnung einfließt, könnte die PrEP langfristig sogar Kosten sparen, schreibt van de Vijver. Dies gelte allerdings nur für den Fall, dass die Behandlungskosten langfristig um 40 Prozent sinken. Dies hält der Experte durchaus für möglich, da der Patentschutz für Truvada begrenzt ist und in näherer Zukunft Generika-Anbieter die Wirkstoffe zu einem günstigeren Preis anbieten würden. © rme/aerzteblatt.de

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