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Medizin

CYP-3A4-Induktoren: Medikamente und Naturheilmittel gefährden Notfallkontrazeption

Montag, 26. September 2016

London – Eine Reihe von Medikamenten, die in der Leber den Abbau von Levonor­gestrel durch das Enzym CYP 3A4 beschleunigen, kann die Effektivität der Notfallkontra­zeption gefährden. Darauf macht die britische Arzneimittelbehörde MHRA in Drug Safety Update (2016; 10: 4) aufmerksam. Für Ulipristal, das ebenfalls als Notfall­kontrazeptivum eingesetzt wird, gelten die gleichen Bedenken.

Die Interaktion zwischen Levonorgestrel und dem Cytochrom P450 3A4 ist im Prinzip schon länger bekannt. Vor vier Jahren hatte eine Studie gezeigt, dass die gleichzeitige Einnahme des HIV-Medikaments Efavirenz die Plasmaspiegel von Levonorgestrel um etwa die Hälfte senkt (Infectious Diseases in Obstetrics and Gynecology 2012; doi: 10.1155/2012/137192). Dies gefährdet den „Plan B“, auf den HIV-infizierte Frauen setzen, wenn sie unter der Therapie mit Efavirenz eine Schwangerschaft verhindern wollen. Dazu wird dringend geraten, da Efavirenz Neuralrohrdefekte auslösen kann. 

Dieser Plan B kann jedoch bei Frauen, die Efavirenz einnehmen, scheitern, weil das HIV-Medikament die Aktivität des Cytochroms P450 3A4 steigert, das in der Leber Levonorgestrel abbaut. Die unter der normalen Dosis von 1,5 mg erreichten Blutkonzentrationen reichen dann eventuell nicht aus, um eine Schwangerschaft zu verhindern. 

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Diese Interaktion war auch dem Hersteller bekannt, der Levonorgestrel als Levonelle in Großbritannien und später auch in Europa als erster auf den Markt brachte. Er beantragte, dass die Interaktion auf der Packung erwähnt wird, damit die betroffenen Frauen gewarnt sind. Damals war klar, dass die Interaktion nicht nur die HIV-Medikamente Efavirenz und Ritonavir betraf, sondern auch eine Reihe anderer Wirkstoffe, die als Antikonvulsivum (Carbamazepin, Primidon, Phenytoin und Phenobarbital), Tuberkulostatikum (Rifampicin und Rifabutin) oder Antimykotikum (Griseofulvin) eingesetzt werden. Auch Johanniskraut-Präparate können die Wirksamkeit von Levonorgestrel herabsetzen.

Die EMA empfiehlt Frauen, die diese Mittel einnehmen, nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr auf ein nicht-hormonelles Notfallkontrazeptivum auszuweichen. Gemeint ist das Einsetzen eines Intrauterinpessars aus Kupfer, das auch in den ersten Tagen nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr effektiv ist, da es die Implantation des Embryos in der Uterusschleimhaut verhindert, die erst nach einigen Tagen erfolgt.

Nur wenn ein Intrauterinpessar nicht möglich ist, soll die Anwenderin die Dosis von Levonelle verdoppeln. Der Ausschuss für Humanarzneimittel CHMP empfahl, auf dem Umkarton sowie in der Packungsbeilage des Arzneimittels Empfehlungen bezüglich der Frage aufzunehmen, wann eine doppelte Dosis einzunehmen ist.

Diese Empfehlung kann jetzt von den Herstellern der Präparate umgesetzt werden. Betroffen sind in Deutschland die Präparate Pidana, Postinor, Unofem, Levonoaristo und Levonorgestrel Stada. Auch der Wirkstoff Ulipristalazetat, der als Ellaone angeboten wird, ist von der gleichen Wechselwirkung betroffen. Die Gebrauchsinformation weist bereits darauf hin. © rme/aerzteblatt.de

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