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Politik

Bundesregierung prüft schärfere Regelungen für Heilpraktiker

Montag, 26. September 2016

Berlin – Die Bundesregierung prüft im Augenblick schärfere Zulassungsvoraus­setzungen für Heilpraktiker. Das geht aus einer Antwort des Bundesministeriums für Gesundheit auf eine kleine Anfrage der Fraktion „Bündnis90/Grüne“ im Bundestag hervor.

Das Heilpraktikergesetz stammt in seiner im Augenblick gültigen Form aus dem Jahr 1939. Es sieht vor, dass sich Personen ab 25 Jahre, die eine sogenannte Kenntnis­prüfung abgelegt haben und mindestens über einen Hauptschulabschluss verfügen, als Heilpraktiker niederlassen können. Nach mehreren Todesfällen, in denen Heilpraktiker Krebspatienten mit fraglichen Substanzen behandelt hatten oder sie trotz Kenntnis ihrer Krebserkrankung nicht zu einem Arzt geschickt haben, ist die Diskussion um ihre Zulassung neu entflammt. Laut der Gesundheitsberichterstattung des Bundes prakti­zieren in Deutschland im Augenblick über 40.000 Heilpraktiker. Was konkret in ihren Praxen geschieht, ist aber offenbar weitgehend unbekannt.

Im Juni hatte die Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz der Länder deshalb gefordert, die Bundesregierung solle die Regeln für die sogenannten Kenntnisprüfungen vereinheitlichen, um Mindest-Qualitätsstandards zu gewährleisten.

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Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass es in Deutschland viele Menschen gebe, die über eine Behandlung beim Heilpraktiker Gutes berichten, schreibt Annette Widmann-Mauz, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit in der Antwort auf die kleine Anfrage. „Zugleich ist es wichtig, dass die Heilpraktiker ihre Kompe­tenzen nicht überschreiten“, so Widmann-Mauz. Die Staatssekretärin betont, die Bundesregierung halte „den Vorschlag der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz für grund­sätzlich geeignet, um den Patientenschutz im Bereich der Zulassung zu verbessern und prüft derzeit die Möglichkeiten einer Umsetzung“.

Es geht aber offenbar nicht nur um die Zulassung zum Heilpraktiker: Laut der Antwort auf die kleine Anfrage wird die Bundesregierung „die aktuellen Vorgänge zum Anlass für die kritische Überprüfung im Bereich der komplementärmedizinischen Methoden nehmen.“

„In der Beantwortung der Fragen zur Regelungskompetenz für Ausbildung und Zulassung von Heilpraktikern gesteht die Bundesregierung ein, dass sich die Zulassung zu ärztlichen und anderen Heilberufen, also auch der Heilpraktikerberuf, in die Gesetz­gebungskompetenz des Bundes fällt“, kommentiert die Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Kordula Schulz-Asche, die Antwort der Bundesregierung.

Die Bundesregierung schränke jedoch ein, dass dies tatsächlich nur die Zulassung zum Beruf betreffe – die Zuständigkeit für Regelungen zur Berufsausübung, und damit auch Überwachungs- und Kontrollpflichten, lägen hingegen bei den Ländern. „Es ist anzunehmen, dass diese Lücken in der Kompetenzverteilung gerade Scharlatanen und unseriösen vermeintlichen Heilbringern in die Hände spielen“, so Schulz-Asche.

Sie kritisierte „erhebliche Lücken in der Regulierung des Heilpraktikerberufs“. „Die Bundesregierung ist nun angehalten gemeinsam mit den Heilpraktikerverbänden für einheitliche, hochwertige und verbindliche Ausbildungsstandards zu sorgen und in Zusammenarbeit mit den Ländern Melde- und Dokumentationspflichten für Heilpraktiker durchzusetzen“, so die Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #697854
Dr.Bayerl
am Freitag, 30. September 2016, 08:19

Wenn Politiker "prüfen"

heist das zunächst immer, sie wollen nichts machen.
Avatar #716844
Dr.FJW
am Donnerstag, 29. September 2016, 22:48

Schreiben meines Nachbarn. Internist im (Un)Ruhestand

Dr. Rudolf Waldmann​Fasanenstrasse 23
​41239 Mönchengladbach
​( 02166/38684
​

m.aerzteblatt.de​​28. September 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zu dem am 26. September 2016 – Politik – erschienen Beitrag

Bundesregierung prüft schärfere Regelungen für Heilpraktiker

möchte ich einige Anmerkungen machen, die ich gerne zur Veröffentlichung anbiete.

Nachdem ich mich aus gegebenem Anlass seit 2 ½ Jahren intensiv mit dem Thema
„Reform des Heilpraktikerwesens“
befasst habe, begrüße ich es sehr, dass das Deutsche Ärzteblatt sich dieses Themas annimmt.
An mehreren Stellen in ihrem Beitrag wird der Begriff „Beruf“ mit der Tätigkeit der Heilpraktiker in Zusammenhang gebracht. Nach meinem Kenntnisstand ist diese Bezeichnung jedoch unzutreffend, denn Heilpraktiker besitzen lediglich eine Lizenz in Gestalt einer Heilpraktikererlaubnis, die vom örtlichen Gesundheitsamt erteilt wird. Einen Beruf kann man jedoch nur ausüben, wenn man auch die Erlangung eines Berufes nachweisen kann. Allgemein ist die Voraussetzung für eine Berufsausbildung ein Schulabschluss – Hauptschule oder Abitur. Es folgt eine dreijährige, ganztägige Ausbildung unter Aufsicht eines Meisters oder einer Entsprechung bei Kaufmannsberufen. Der jeweilige Ausbildungsweg und die Lerninhalte sind staatlich vorgeschrieben. In unserem dualen System – um welches wir von unseren Nachbarn beneidet werden – findet er zu gleichen Teilen im Lehrbetrieb und in der Berufsschule statt mit anschließender anerkannter Prüfung durch staatlich bestellte Personen bei der Handwerkskammer oder bei der Industrie-und Handelskammer und nachfolgender Erteilung eines Gesellenbriefes oder des Kaufmannsgehilfenbriefes, was in beiden Fällen die Erlangung eines Berufes dokumentiert. In gleicher Weise ist auch der Ausbildungsgang aller medizinischen Hilfsberufe geregelt – etwa die Arzthelferinnen, die wir in unseren Praxen ausbilden, Optiker, Logopäden, Krankengymnasten, Gehörgeräteakustiker, Krankenschwestern, Physiotherapeuten, Hebammen und vielen anderen. Mit allen diesen ordentlichen nichtärztlichen Berufen, die sich mit der Befindlichkeit der Menschen befassen, dürfen Ärzte ungehindert zusammenarbeiten.
Sie haben ausnahmslos und zwingend einen klar definierten professionellen Hintergrund – einzige Ausnahme – die Heilpraktiker. Diese haben es geschafft, ihren Status ohne eine vergleichbare Professionalität aufrecht zu erhalten und gar auszuweiten. Der Werdegang eines Heilpraktikers verläuft viel schlichter und erfüllt dabei nicht die Kriterien eines Lehrberufes. Gefordert werden ein Mindestalter von 25 Jahren, Hauptschulabschluss, polizeiliches Führungszeugnis, Feststellung der gesundheitlichen Eignung und der sittlichen Zuverlässigkeit. Sind diese Kriterien erfüllt, kann man sich in einigen Volkshochschulen oder in den Paracelsusschulen in Abendkursen – nebenberuflich – in 300 bis 400 Stunden – verteilt über drei Jahre – erteilt von nichtärztlichen Laien – qualifizieren für eine Ü B E R-prüfung durch das örtliche Gesundheitsamt mit dem Ziel der Erlangung einer Heilpraktikererlaubnis. Es wird das Studium einer dünnbändigen Buchreihe empfohlen, die ganz auf das Bestehen der Ü B E R-prüfung ausgerichtet wird. Es gibt keine formale Ausbildung, keine staatlich beauftragten Ausbilder, Lehrbeauftragte oder Prüfer. Es gibt keinen nennenswerten Nachweis von medizinischen Lerninhalten oder praktischen Fähigkeiten und keine verbindliche Eingrenzung des Betätigungsfeldes. Man vertraut jedoch den Heilpraktikern das höchste unserer Güter an, nämlich unsere Gesundheit, ohne jemals an einem kranken Menschen Erfahrung gesammelt oder gar gelernt zu haben, ihn zu untersuchen. Sie sind weitgehend unzureichend unterwiesene und ungeprüfte Autodidakten, denen nahezu alle täglich geforderten, basalen medizinischen Fähigkeiten fehlen. Sie können kein Herz abhorchen, kein EKG lesen, keinen Ultraschall durchführen, keine Wundversorgung machen, keinen Knochenbruch einrichten, keine Geburt leiten, etc. Auch fehlen ihnen die Grundsätze der Pharmakologie und der Zugang zur Verordnung wirksamer Arzneimittel. Sie betätigen sich fast ausschließlich in ausgesuchten und lukrativen sektoralen Bereichen der nicht-operativen Medizin und scheuen sich nicht, sich weiter auszubreiten bis hin zur „alternativen Krebstherapie“ mit den aus Brüggen-Bracht hinreichend bekannten Folgen. Ich bezweifele, ob sich ein Heilpraktiker finden würde, der mir einen Ohrschmalzpfropf entfernen würde, denn mit so etwas Profanem lässt sich kein Geld verdienen.
Schon bei der Abfassung des Heilpraktikergesetzes 1939 wurde ausdrücklich Wert gelegt auf die auch heute noch gültige Herausstellung des Unterschiedes zwischen den Begriffen „Prüfung“ und „Überprüfung“.
Auch rentenrechtlich hat der Status des Heilpraktikers Bedeutung, denn ohne Inhaber eines verbrieften Berufes zu sein, kann man als Heilpraktiker auch nicht berufsunfähig werden, sondern höchstens erwerbsunfähig oder eben in einem anderen, ordentlich erworbenen Beruf.
Die Beachtung der von mir herausgestellten Unterschiede sollte zu den Grundlagen einer jetzt geplanten Neuordnung gehören. Sollte das Heilpraktikerwesen als Parallelmedizin in einer gründlich reformierten Form weiter bestehen bleiben, so wäre den künftig berufsmäßig geschulten und ordentlich geprüften Heilbeflissenen erstmals ein Berufsstatus zu zubilligen.


Dr. med. Rudolf Waldmann
Fasanenstrasse 23
41239 Mönchengladbach


Ich danke für Ihre Mühe und Ihr Verständnis
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