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Medizin

Sechs Erreger erklären die meisten Durchfall­erkrankungen von Kindern in Entwicklungs­ländern

Dienstag, 27. September 2016

Rotaviren /dpa

Charlottesville/Virginia – Darminfektionen sind für deutlich mehr Durchfallerkrankungen von Kindern in Entwicklungsländern verantwortlich als bisher angenommen. In einer Studie im Lancet (2016; 388: 1291-1301) waren nur sechs Erreger für fast 90 Prozent aller Erkrankungen verantwortlich.

Durchfallerkrankungen sind die zweithäufigste Todesursache im frühen Kindesalter. Es ist zwar seit Langem bekannt, dass die meisten Diarrhöen durch Infektionen verursacht werden. Welche Erreger im Einzelfall verantwortlich sind, war lange Zeit unklar, da es an geeigneten Testmethoden fehlte. Bakteriologische Stuhlanalysen sind sehr zeitauf­wendig und deshalb in den betroffenen Ländern kaum möglich.

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Die Global Enteric Multicenter Study (GEMS) hat vor drei Jahren erstmals eine Bestands­aufnahme durchgeführt. Karen Kotloff von der University of Maryland School of Medicine in Baltimore und Mitarbeiter hatten damals in Krankenhäusern oder Gesundheitszentren in Afrika (Kenia, Mali, Mozambique, Gambia) und Asien (Bangladesh, Indien, Pakistan) Stuhlproben von 9.439 Kindern im Alter bis sechs Jahre mit mittelschwerer bis schwerer Diarrhö und von 13.129 gleichaltrigen Kindern ohne Durchfall verglichen. Ihre Fall-Kon­troll-Studie ergab damals, dass etwa die Hälfte aller Durchfallerkrankungen auf vier Krankheitserreger zurückzuführen sind. Dies waren Rotaviren, Cryptosporidium, Shigellen und enterotoxische E. coli (ETEC). 

Ein Team um Eric Houpt von der University of Virginia in Charlottesville hat die archivier­ten Stuhlproben jetzt mit einem neuen Assay auf 32 bekannte Erreger von Darmin­fektionen untersucht. Basis war eine quantitative Polymerase­kettenreaktion. Statt 51,5 Prozent in der ersten Untersuchung fielen jetzt 89,3 Prozent der Tests positiv aus. In 254 von 5.304 Stuhlproben (42,5 Prozent) wurde ein Krankheitserreger gefunden. 2.063 Kinder (38,9 Prozent) hatten die Gene von zwei pathogenen Mikroorganismen in den Stuhlproben. Neben den vier Krankheitserregern der ersten Untersuchung wurden noch Adenovirus 40/41 und Campylobactor jejuni gefunden.

Die Studie zeigt, dass Darminfektionen bei Kindern nicht durch eine unübersichtlich lange Liste von Krankheitserregern ausgelöst werden, kommentiert Houpt die Ergeb­nisse. Der Test könnte, sollte er denn zu vertretbaren Kosten verfügbar werden, Ärzten in den Entwicklungsländern helfen, die richtigen Therapie-Entscheidungen zu treffen. Shigellen, E. coli, Campylobactor jejuni sind Bakterien, die im Prinzip auf Antibiotika ansprechen. Die Behandlung von Cryptosporidium, einem obligat intrazellulären Protozoon, erfolgt dagegen zumeist symptomatisch. Dies gilt mangels effektiver Virostatika auch für Infektionen mit Rota- und Adenoviren.

Eine Impfung ist derzeit nur gegen Rotaviren möglich. Impfstoffe gegen Shigellen und ETEC werden derzeit klinisch getestet. Houpt hofft, dass die Ergebnisse der Studie zur Entwicklung weiterer Impfstoffe gegen die übrigen drei Erreger anregen. © rme/aerzteblatt.de

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