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Depressionen: Hausärzte als Gatekeeper besser vernetzen

Mittwoch, 28. September 2016

/ Jules Jordison pixelio.de

Berlin – Hausärzte sind die erste Anlaufstelle für Menschen mit Depression. „Sie sind daher auch die wichtigste Schaltstelle, wenn es darum geht, Depressionen früh zu erkennen und die Patienten an eine der vielen Therapiemöglichkeiten weiter­zuver­mitteln“, sagte Detlef E. Dietrich heute auf einer Pressekonferenz im Vorfeld des 13. Europäischen Depressionstags (EDD), der am 1. Oktober stattfindet.

Etwa zwei Drittel der heute vier Millionen Betroffenen mit Depression befinden sich bei ihrem Hausarzt in Behandlung. Nicht jeder stellt jedoch die Symptome, die auf eine Depression hinweisen würden, in den Vordergrund. Die entsprechende Diagnose erhal­ten daher nur 30 bis 40 Prozent. „Insgesamt werden sogar nur 10 bis 20 Prozent adäquat behandelt“, beschrieb Dietrich das Versorgungsdefizit.

Faktencheck
/Bertelsmann Stiftung

Auch die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) Iris Hauth, bestätigte, dass zu viele Hausärzte nicht entsprechend der S3-Leitlinie behandelt werden: „Etwa 50 Prozent der Menschen mit Depression werden unangemessen behandelt, 18 Prozent gar nicht“, so die Ergebnisse des Faktenchecks der Bertelsmann Stiftung 2014.

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Depressionen: Versorgung besser abstimmen

Qualitätsmängel bei der Versorgung von Patienten mit Depressionen hat die DGPPN kritisiert. Die Behandlung müsse sich stärker an der nationalen Behandlungsleitlinie „Unipolare Depression“ ausrichten, forderte Prof. Dr. med. Dr. phil. Martin Härter, Direktor des Instituts für Medizinische

Leichte bis mittelschwere Depressionen können entsprechend der S3-Leitlinie auch vom Hausarzt behandelt werden, betont die Psychiaterin vom Alexianer St. Joseph-Krankenhaus in Berlin. Allerdings nur, wenn sich die Symptome nicht verschlechtern. „Tritt auch nach sechs Wochen keine Besserung ein, muss der Hausarzt an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder einem psychologischen Psychotherapeuten überwiesen werden.“

An dieser Stelle scheitert die Patientenversorgung oft, weil die Kollegen unterein­ander zu wenig vernetzt seien, räumte Hauth ein. Dazu zählt sie auch niedrigschwellige Angebote, psychosoziale Beratung, angeleitete oder internetbasierte Beratungsstellen. In Stuttgart gäbe es eines der wenigen zukunftsorientierten Projekte; einen Selektivvertrag, der den Hausarzt als Gatekeeper in den Mittelpunkt stellt. Von der anstehenden Einführung der Sprechstunden in der Psychotherapie verspricht sie sich hingegen wenig.

Auch Cornelia Goesmann, ehemalige Vizepräsidentin der Bundes­ärzte­kammer nannte ein Beispiel, dass die Versorgung verbessern konnte. „In Niedersachen gibt es seit sechs Jahren den AOK-Depressionsvertrag mit einer Terminvermittlungsstelle.“ Hausärzte können sich an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) wenden, wenn sie Patienten mit mittelschweren bis schweren Depressionen umgehend an einen Psychiater oder Psychotherapeuten weiterleiten müssen. Innerhalb von zwei Wochen vermittelt die KV einen Termin an jene Fachleute, die sich dafür bereitstellen. Laut Goesmann nehmen zurzeit 752 von etwa 3000 Hausärzten daran teil, 79 Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie 219 Psychotherapeuten. Das Angebot konnte 406 zusätzliche Plätze für Patienten bei Fachärzten schaffen und 1.028 bei Psychotherapeuten. Insgesamt sind 2.284 Patienten eingeschrieben (Stand 1. April 2016). Nur 14 Patienten seieni auf einer Warteliste, weil es in ihrer Region keinen Therapeuten gab.

„Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, bilanziert die Fachärztin für Allgemein­medizin und Psychotherapie. An weitere Ansätzen für ein gelungenes Case-Management in der Hausarztpraxis forscht Jochen Gensichen. Nach der erfolgreich abgeschlossenen PRoMPT-Studie "PRimary care Monitoring for depressive Patients Trial" wurde ein hausarztpraxisbasiertes Case Management für Patienten mit Panikstörungen kürzlich abgeschlossen.

Panikstörung und Agoraphobie: Neues Case Management für Hausarztpraxen

Ein Drittel aller Patienten mit Angststörungen befinden sich ausschließlich in hausärztlicher Behandlung. Ein neues verhaltenstherapeutisches Kurzprogramm soll die Behandlung optimieren. Es bietet einen praktikablen Teamansatz für die ambulante Primärversorgung: „Jena-PARADIES“ (Patient Activation foR Anxiety DIsordErS). Im Mittelpunkt des Case Managements steht die Konfrontationstherapie. In

Um die Vernetzung zu stärken setzt die DGPPN auf ihrem Kongress vom 25. bis 26. November in Berlin zum zweiten Mal einen Schwerpunkt auf die Hausarztpraxis. An einem Tag finden verschiedenen Symposien statt, die jeweils ein Hausarzt mit einem Psychiater zusammen leiten werden. © gie/aerzteblatt.de

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