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Höchststrafe für früheren Chefarzt wegen Vergewaltigung gefordert

Mittwoch, 28. September 2016

Bamberg – Für einen ehemaligen Chefarzt, der am Klinikum Bamberg mehrere Frauen vergewaltigt haben soll, hat die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe von 15 Jahren Haft gefordert. Die Anklage habe sich im Verlauf des Prozesses noch verschärft, wie ein Sprecher des Landgerichts Bamberg am Mittwoch erklärte. Staatsanwalt Bernhard Lieb werfe dem 51-Jährigen nun vor allem schwere Vergewaltigung vor, in der Anklageschrift war es um einfache Vergewaltigung gegangen. Zudem verlangte der Staatsanwalt ein lebenslanges Berufsverbot für den früheren Chefarzt. Drei Anwälte von betroffenen Frauen forderten ebenfalls die Höchststrafe.

Der Angeklagte soll zwölf Frauen in der Klinik sexuell missbraucht und teilweise verge­waltigt haben. Zudem machte er laut Anklage die Patentochter seiner Frau betrunken und filmte sie heimlich in einem Hotelzimmer, als sie auf dem Bett lag, teilweise nur in BH und Slip. Damit habe er den höchstpersönlichen Lebensbereich der jungen Frau verletzt. Das jüngste Opfer war 17, das älteste 28 Jahre alt.

Das Geschehen im Fall der Patentochter seiner Frau hatte der Angeklagte im Prozess eingeräumt. Ansonsten aber bestreitet der 51-Jährige, der seit April 2015 vor Gericht steht, die Vorwürfe – insbesondere eine sexuelle Motivation. Er sagt, er habe an den Frauen im Klinikum neue Behandlungsmethoden gegen Beckenvenen-Thrombosen erproben wollen.

Für eine medizinische Erklärung aber gibt es nach Ansicht des Anwalts einer Betroffenen keine Hinweise. Zudem sei in einer Blutprobe seiner Mandantin ein Betäubungsmittel nachgewiesen worden. Durch die Sedierung seien die Frauen, die sich teilweise nach den Terminen bei dem Arzt ans Steuer setzten, gefährdet gewesen. Auch deshalb beantragte der Anwalt wie der Staatsanwalt die Höchststrafe.

Die Taten soll der Arzt, der in seinem Fach der Gefäßmedizin hoch angesehen war, von 2008 bis 2014 begangen haben. Die Gesamtstrafe von 15 Jahren wegen schwerer Vergewaltigung hält der Staatsanwalt für angemessen, weil der Angeklagte bei seinen mutmaßlichen Taten am Klinikum ein Betäubungsmittel verwendet habe, um möglichen Widerstand der Frauen zu brechen.

Lieb beschrieb den Arzt als überdurchschnittlich intelligent – zugleich habe der Mediziner sich für unangreifbar gehalten. Dem Staatsanwalt zufolge nutzte er das Vertrauen aus, das die Frauen ihm als Arzt schenkten, und behauptete, ihnen für eine Ultraschall-Untersuchung von Blutgefäßen ein Kontrastmittel zu spritzen.

Tatsächlich habe er sie aber betäubt, um sie zu missbrauchen und ihren Intimbereich zu filmen und zu fotografieren. In einigen Fällen soll er sich auch mit Sex-Spielzeug an den Frauen vergangen haben – dies begründet für die Anklagebehörde den Vorwurf der Vergewaltigung.

Einer der Anwälte der betroffenen Frauen sagte dem Sprecher zufolge: „Den Bildern, Videos leuchtet die Sexualbezogenheit aus dem Bildschirm.“ Für die Verwendung des Betäubungsmittels gebe es nur eine Erklärung: ein sexuelles Motiv. Alle zwölf Frauen schilderten einen identischen Ablauf des Geschehens.

Für den Angeklagten spricht aus Sicht der Staatsanwaltschaft etwa, dass er nicht vorbestraft ist und sich kooperativ gezeigt habe. Gegen ihn spreche aber, dass ein vollumfängliches Geständnis fehle und er seine ärztliche Sorgfaltspflicht verletzt habe.

Der Staatsanwalt und die Anwälte der betroffenen Frauen hielten ihre Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der ebenfalls nicht-öffentliche Schlussvortrag der Verteidigung wird für den 5. Oktober erwartet. Ein Urteil könnte am 12. Oktober, dem vorerst letzten anberaumten Termin, fallen. Ins Spiel gebracht wurde aber auch der 17. Oktober. Das Ende des Prozesses hängt davon ab, wie lange die drei Verteidiger des Angeklagten für ihre Schlussvorträge und der 51-Jährige selbst für sein letztes Wort brauchen werden. © dpa/aerzteblatt.de

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