NewsMedizinStudie: Hormonelle Kontrazeptiva erhöhen Risiko auf Depressionen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Hormonelle Kontrazeptiva erhöhen Risiko auf Depressionen

Donnerstag, 29. September 2016

dpa

Kopenhagen – Dänischen Frauen, die eine hormonelle Kontrazeption betrieben, wurde in der Folge häufiger ein Antidepressivum verschrieben. Eine Studie in JAMA Psychiatry (2016; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2016.2387) findet auch eine Assoziation mit einer stationären Behandlung wegen einer schweren Depression.

Frauen erkranken, allerdings erst nach der Pubertät, doppelt so häufig wie Männer an Depressionen, wofür die beiden weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron verantwortlich sein könnten. Varianten der beiden Hormone sind auch in hormonellen Kontrazeptiva enthalten. Øjvind Lidegaard von der Universität Kopenhagen ist deshalb in einer Studie der Frage nachgegangen, ob diese Präparate das Risiko von Depressionen erhöhen.

Anzeige

Lidegaard wertete dazu die Daten eines Patientenregisters aus, das Angaben zu mehr als einer Million Frauen und weiblichen Jugendlichen (im Alter von 15 bis 34 Jahren) enthielt, denen in Dänemark hormonelle Kontrazeptiva verschrieben worden waren. Die Angaben wurden mit späteren Verordnungen von Antidepressiva oder Hospitali­sierungen wegen schwerer Depressionen in einer durchschnittlichen Nachbeo­bachtungs­zeit von 6,4 Jahren in Beziehung gesetzt. In dieser Zeit erhielten 133.178 Frauen erstmals ein Rezept für Antidepressiva. 23.077 Frauen wurden aufgrund einer Depression stationär behandelt.

Für alle Varianten der hormonellen Kontrazeption fand Lidegaard eine signifikante Assoziation. Nutzerinnen von Gestagen-Pillen wurde zu 34 Prozent häufiger als anderen Frauen ein Antidepressivum verschrieben (Inzidenzrate IRR 1,34; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,27-1,40), bei Nutzerinnen eines Verhütungspflasters mit Norelgestromin war die Rate sogar verdoppelt (IRR 2,0; 1,76-2,18).

Auch Nutzerinnen eines Vaginalrings mit Etonogestrel (IRR 1,6; 1,55-1,69) oder eines Intrauterin-Systems mit Levonorgestrel (IRR 1,4; 1,31-1,42) benötigten später häufiger Antidepressiva. Ähnliche Assoziationen fand Lidegaard mit späteren stationären Behandlungen aufgrund von Depressionen. 

Das Risiko auf eine Verordnung von Antidepressiva oder eine Hospitalisierung wegen Depressionen war für jüngeren Frauen am höchsten. Es war zudem abhängig von der Dauer der Anwendung. Ein Häufigkeitsgipfel wurde nach etwa sechs Monaten erreicht, danach ging das Risiko langsam wieder zurück.

Die übereinstimmenden Ergebnisse für alle verfügbaren hormonellen Kontrazeptiva wertet Lidegaard als Beleg dafür, dass die Assoziationen nicht zufällig sind. Die Ergebnisse sind auch nicht völlig neu. Die Fachinformationen der Antibabypille nennen „Stimmungsschwankungen“ und „depressive Verstimmungen“ als mögliche Neben­wirkungen. Ein Hinweis auf manifeste Depressionen fehlt jedoch.

Für die einzelne Anwenderin ist das absolute Risiko nicht sehr hoch. Von 100 jungen dänischen Frauen erhalten in einem Jahr 1,7 Prozent ein Rezept für ein Antide­pressivum. Unter den Anwenderinnen von hormonellen Kontrazeptiva betrug die jährliche Rate 2,2 Prozent. Die Häufigkeit einer stationären Behandlung aufgrund einer Depression könnte von 0,28 auf 0,3 Prozent pro Jahr ansteigen.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. Mai 2020
Hannover – Die Zahl der Menschen mit diagnostizierten depressiven Episoden steigt. Wie die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) heute in Hannover mitteilte, ist bundesweit mittlerweile fast jeder achte
Kasse weist auf mehr depressive Episoden hin
7. Mai 2020
Straßburg – Die Menschenrechtskommissarin des Europarats fürchtet, dass Frauen in manchen europäischen Staaten angesichts der Coronakrise der Zugang zu Verhütungsmitteln und Schwangerschaftsabbrüchen
Sorge um Zugang für Frauen zu Verhütung
1. April 2020
Hannover − Gesundheitsexperten weisen auf besondere Belastungen für an Depressionen erkrankte Senioren in der Coronakrise hin. Da diese aufgrund des Alters und von Vorerkrankungen zur
Depressive Senioren leiden unter Coronakrise
26. März 2020
Berlin – Die COVID-19-Pandemie verändert die Gesellschaft und das Leben jedes Einzelnen. Durch die aktuelle Lage können Ängste und seelische Belastungen ausgelöst werden, die sich auch körperlich
Psychische Belastungen durch COVID-19: Hilfestellung in der Krise
20. März 2020
Berlin – Die COVID-19-Pandemie kann auch psychosoziale Folgen haben wie Angstzustände, Depressionen oder Schlafprobleme: Diese Folgen seien in China bereits sichtbar, fanden Wissenschaftler des
COVID-19: Chinesen leiden unter Angst- und Schlafstörungen während der Quarantäne
19. März 2020
Leipzig - Die mit dem Corona-Virus verbundenen Ängste und Einschränkungen wie Isolation stellen für an Depression erkrankte Menschen große Herausforderungen dar. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Stiftung Deutsche Depressionshilfe stellt Online-Intervention ohne Einschränkungen zur Verfügung
18. März 2020
Paris – Frauen in Frankreich bekommen die Antibabypille bis 31. Mai auch ohne neues Rezept. So soll sichergestellt werden, dass Frauen auch während der Einschränkungen im Kampf gegen die Ausbreitung
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER