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WHO: Angst vor dem Altern kann das Leben verkürzen

Freitag, 30. September 2016

Genf – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) warnt vor gesundheitlichen und psychi­schen Konsequenzen der in der Gesellschaft weit verbreiteten Altersdiskriminierung. Älteren, die das Gefühl hätten, anderen eine Last zu sein, drohten Depressionen und Einsamkeit, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Wer sein eigenes Alter vorwiegend negativ sehe, lebe „durchschnittlich 7,5 Jahre weniger“ als Menschen, die dem Älterwerden gelassen entgegensehen.

Einer weltweiten Umfrage zufolge glauben 60 Prozent, dass ältere Menschen heutzutage nicht mehr „genügend respektiert“ werden. In den reichen Ländern liegt der Prozentsatz demnach noch höher.

Für die Studie wurden erstmals 83.000 Erwachsene ab 18 Jahren in 57 Ländern zur Einstellung gegenüber älteren Menschen befragt. Sie zeige, dass „Altersdiskriminierung überaus verbreitet ist“, sagte der für das Thema zuständige WHO-Vertreter John Beard in Genf. Die heutige Einstellung gegenüber Älteren sei mit dem „Rassismus oder Sexismus von vor vielleicht 20, 30 oder 40 Jahren vergleichbar“, fügte er hinzu.

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Eine genaue Definition der Altersdiskriminierung nennt die WHO in ihrem Bericht „über das Altern und die Gesundheit“ nicht, doch könne sie einen 50-Jährigen auf der Suche nach einem neuen Job ebenso treffen wie einen 65-Jährigen, der in die Rente geschickt wird, obwohl er noch arbeiten möchte und kann.

Im Kampf gegen die allgemeine Vorstellung, dass man ab 60 Jahren alt ist, hat die WHO nach Angaben Beards eine neue Definition von „alt“ eingeführt. Je nach der Lebens­erwartung in den Ländern zählt derjenige nun zu den „Älteren“, der die Hälfte der durchschnittlichen Lebenserwartung überschritten hat: In Großbritannien, wo die Lebenserwartung im Durchschnitt bei 81 Jahren liegt, gehört ein 41-Jähriger demnach bereits zu den „Älteren“.

Schätzungsweise 600 Millionen Menschen weltweit sind nach WHO-Angaben gegen­wärtig 60 Jahre und älter. Bis 2025 wird sich ihre Zahl verdoppeln, 2050 wird sie bei zwei Milliarden liegen. Da die Umfrage zur Einstellung gegenüber Älteren die erste dieser Art war, ist es laut WHO schwierig, einen Vergleich zu früheren Epochen zu ziehen. Doch sieht sie deutliche Indizien für eine Zunahme der Diskriminierung von Älteren. © afp/aerzteblatt.de

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Avatar #697854
Dr.Bayerl
am Dienstag, 4. Oktober 2016, 22:36

Altersdiskriminierung ist ein reales Problem des "Zeitgeistes"

sicher auch mediengesteuert konformitätsfordernd mit Misstrauen gegenüber dem (noch) autonomen Einzelmensch, der an mehr denkt als nur an "selfi´s" oder pokemon.
Avatar #697854
Dr.Bayerl
am Dienstag, 4. Oktober 2016, 22:36

Altersdiskriminierung ist ein reales Problem des "Zeitgeistes"

sicher auch mediengesteuert konformitätsfordernd mit Misstrauen gegenüber dem (noch) autonomen Einzelmensch, der an mehr denkt als nur an "selfi´s" oder pokemon.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 3. Oktober 2016, 15:13

Auch diese WHO-Erkenntnis...

bewegt sich auf dem Niveau von: "Die Angst vor dem Weltuntergang lässt letzteren immer wahrscheinlicher werden".

Aber das Leben verkürzt sich viel mehr durch altersbedingte Neuerkrankungen und Verschlimmerung präexistenter Leiden bzw. krankheitsfördernder Lebensstile und psychosoziale Einstellungen. Die Angst vor der Angst konterkariert das Älterwerden.

Daran ändern auch schöngeistige Besinnungsaufsätze nichts:
http://www.euro.who.int/en/health-topics/Life-stages/healthy-ageing/healthy-ageing

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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