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Medizin

Erweiterte Antibiotika­prophylaxe halbiert Infektionsrate nach Kaiserschnitt

Freitag, 30. September 2016

Birmingham – Eine Erweiterung der Antibiotika-Prophylaxe um das Makrolid Azithro­mycin, das gegen Ureaplasma-Spezies wirksam ist, hat in einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2016; 375: 1231-1241) die Zahl der postoperativen Infektionsrate nach nicht elektivem Kaiserschnitt halbiert.

Nach einem Kaiserschnitt erleiden Frauen fünf bis zehn Mal häufiger Infektionen als nach einer vaginalen Entbindung. Keime von der Haut oder aus dem Geburtskanal können eine Endometritis oder Wundinfektionen auslösen, weshalb eine intravenöse Antibiotikaprophylaxe üblich ist. Viele Kliniken bevorzugen ein Cephalosporin der ersten Generation wie Cefazolin. Diese Antibiotika sind jedoch nicht gegen Ureaplasmen aktiv, die ein häufiger Erreger der Endometritis ist. Seit einiger Zeit wird deshalb über eine Erweiterung der Antibiotikaprophylaxe um Azithromycin diskutiert, das gegen Ureaplasmen wirksam ist.

Die C/SOAP-Studie (für Cesarean Section Optimal Antibiotic Prophylaxis) hat eine um Azithromycin erweiterte Antibiotika-Prophylaxe mit der konventionellen Antibiotika-Prophylaxe verglichen. An 14 US-Zentren wurden 2.013 Frauen mit Einzel­schwangerschaft auf die klinikübliche Antibiotika-Prophylaxe und eine Erweiterung um eine Einmaldosis Azithromycin (500 mg i.v.) randomisiert.

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Alle Frauen unterzogen sich einem nicht geplanten Kaiserschnitt. Die Antibiotika-Prophylaxe wurde so früh wie möglich, spätestens aber beim Hautschnitt begonnen. Primärer Endpunkt der Studie war ein Composite aus Endometritis, Wundinfektionen oder andere Infektionen in den ersten sechs Wochen nach dem Kaiserschnitt. 

Wie Alan Tita von der Universität von Alabama in Birmingham und Mitarbeiter berichten, hatten viele Frauen ein erhöhtes Infektionsrisiko: Mehr als die Hälfte der Frauen waren adipös, bei 14 Prozent lag ein Diabetes vor. Auch Rauchen, Alkohol und selbst Drogen­konsum in der Schwangerschaft waren nicht selten.

Dies und die Tatsache, dass ein nicht elektiver Kaiserschnitt meist mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden ist, erklärt sicherlich, dass der primäre Endpunkt unter der konventionellen Antibiotikaprophylaxe bei 119 Frauen (12,0 Prozent) auftrat. Unter der zusätzlichen Gabe von Azithromycin entwickelten nur 62 Frauen (6,1 Prozent) eine postoperative Infektion.

Tita errechnet ein relatives Risiko von 0,51, das mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,38 bis 0,68 hoch signifikant war. Azithromycin senkte nicht nur die Häufigkeit einer Endometritis (3,8 versus 6,1 Prozent). Auch Wundinfektionen (2,4 versus 6,6 Prozent) traten deutlich seltener auf. Schwerwiegende Komplikationen bei der Mutter (wie Lungenembolie, kardiale Probleme) waren ebenfalls mit 1,5 versus 2,9 Prozent seltener.

Nachteile für das Neugeborene waren nicht erkennbar. Die neonatale Komplikationsrate war mit 14,3 versus 13,6 Prozent nahezu identisch. Unter dem Strich liefert die Studie gute Argumente für eine Erweiterung der Antibiotika-Prophylaxe, auch wenn die Editorialisten Robert Weinstein und Kenneth Boyer vom Rush University Medical Center in Chicago zu Recht darauf hinweisen, dass die Vorteile in anderen Kohorten mit einem geringeren Risikoprofil sicherlich nicht so deutlich ausfallen werden. Möglicherweise benötigt nicht jede Schwangere bei einem Kaiserschnitt die erweiterte Antibiotika-Prophylaxe. © rme/aerzteblatt.de

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