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Politik

Start für den Medikationsplan

Freitag, 30. September 2016

/dpa

Berlin – Ab 1. Oktober haben gesetzlich versicherte Patienten, die mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, Anspruch auf einen sogenannten Medikationsplan. Darin werden alle eingenommenen systemischen Arzneimittel mit Dosierungs- und Einnahmehinweisen dokumentiert. Grundlage ist das E-Health-Gesetz, das zum Ende letzten Jahres in Kraft getreten ist.

„Mit dem Medikationsplan sorgen wir für mehr Therapiesicherheit bei der Einnahme von Arzneimitteln“, sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) heute in Berlin. Der Arzt oder Apotheker wisse sofort, welche Arzneimittel der Versicherte anwende. „Dadurch können Einnahmefehler oder gefährliche Wechselwirkungen vermieden werden“, so Gröhe.

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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) informiert in einer ausführlichen Praxis­information über den Medikationsplan. Auch die Vergütungsregelungen sind darin dargestellt.

„Den Medikationsplan erstellt in der Regel der Hausarzt. Haben Patienten keinen Hausarzt, sind auch Fachärzte in der Pflicht“, heißt es in der Information. Dabei sollte der Facharzt den Plan erstellen, der für den Patienten anstelle des Hausarztes die überwie­gende Koordination der Arzneimitteltherapie übernehme, beispielsweise bei nieren­kranken Patienten der behandelnde Nephrologe. Der Vertragsarzt nehme grundsätzlich die Medikamente auf, die er selbst verordnet habe. Andere führe er auf, sofern er davon ausreichend Kenntnis habe, dies können auch nicht verschrei­bungspflichtige Medika­mente sein.

Der Arzt, der den Medikationsplan erstellt hat, ist auch zur Aktualisierung verpflichtet. Aber auch andere Ärzte des Patienten sowie Ärzte in Krankenhäusern können den Plan aktualisieren. Auch Apotheker sind einbezogen und verpflichtet, den Plan auf Wunsch des Patienten zu aktualisieren, wenn sich die Medikation ändert.

Als zusätzliche Unterstützung für Ärzte stellt die KBV eine Information für Patienten bereit. Das Blatt informiert auf einer Seite über die Vorteile und den Umgang mit dem Medika­tions­plan. Der Arzt kann es dem Patienten als Erläuterung zusammen mit dem Plan aushändigen.

Die KBV weist darauf hin, dass Ärzte übergangsweise bis zum 31. März 2017 noch andere Pläne nutzen können, wenn ihre Verordnungssoftware noch keine Funktionen zur Erstellung des einheitlichen Medikationsplans enthält. Spätestens ab dem 1. April 2017 sei dann jedoch der bundeseinheitliche Plan zu verwenden. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #109757
Loewenherz
am Sonntag, 2. Oktober 2016, 12:46

einerseits eine Aufgabe an die EDV, andererseits an die Ärzteschaft...

Denke, dass die meisten Praxis-Software-Lösungen über kurz oder lang vernünftiges Management von Medikamentenplänen anbieten werden, so dass hinzufügen von Dosierungen mit einem click geschehen und auch über eine Integration entsprechender Interaktionschecks (bzw. schnittstellen für die entsprechende Software) dies auch direkt beim Erstellen aufpoppen wird. Sollte für den Arzt dann mit max 3 Clicks zu ändern und zu verordnen sein.
Das größere Problem ist schlichtweg die Zeit, die man für eine vernünftige "Beratung" und Schulung des Patienten brauchen wird... die wird im derzeitigen Modell, mal wieder, nicht adäquat vergütet. Von aussen betrachtet wirkt es immer noch so als wäre die ärztlich beratende Leistung eine Leistung ohne gesellschaftlichen Wert.

Schade eigentlich!
Avatar #93082
Narkoleptiker
am Freitag, 30. September 2016, 21:00

naja.... aber

Sehr geehrter Herr Dr. Schaetzler,

richtig, selbsterklärend gibt es nicht. Daher brauchen wir auch wieder mehr sprechende Medizin. Das es bei Ihnen diese nicht oder zu wenig gibt, kann ich mir nicht vorstellen.

Was die Rezepte angeht: Ganz einfach, Kopie machen. Mache ich jedenfalls so, PDF-Datei, fertig. Nur wenn die Ärzte die Einnahmeregeln nicht darauf notieren, bringt das auch nicht viel. Würde aber doch helfen. Vor allem bei der Einnahme zahlreicher Mittel. Wenn mir ein Arzt dann noch sagt, einen Teil der Medis, die Sie nehmen, kenne ich nicht, dann hilft auch kein Medikationsplan vom Hausarzt. Erlebe ich immer wieder mal als Narkoleptiker... Wir sind einfach zu selten.

Immer wieder schön, Sie zu lesen. Danke für Ihre Beiträge.

Grüße JS
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 30. September 2016, 20:42

Mein Interview zum Thema

in der Ärzte Zeitung:
"Einen selbsterklärenden Medikationsplan gibt es nicht"

"Der Medikationsplan wirkt sich an vielen Stellen in den Praxisabläufen aus. Im Interview erläutert Allgemeinarzt und häufiger Schreiber von Leserbriefen Thomas Schätzler, was sich in seiner Praxis ändert und wie die Motivation, Medikationspläne zur erstellen, sich entwickelt.

Ärzte Zeitung: Bei welchen Patienten sehen Sie Bedarf für einen Medikationsplan und stellen diesen dann auch auf?

Thomas Schätzler: In meiner innerstädtischen hausärztlichen Praxis hat der Rentner-Anteil mit Multimorbidität und Mehrfachmedikation seit der Praxisgründung 1992 erheblich zugenommen.

Für alle interaktions- und kommunikationseingeschränkten Patientinnen und Patienten ist meines Erachtens ein alters- und anzahlunabhängiger Medikationsplan erforderlich. Bei Betreuung und Unterstützung durch Dritte sogar regelmäßig.

Circa 60 bis 70 Prozent meiner etwa 1000 Patienten pro Quartal brauchen dringend einen Medikationsplan: Entweder wegen biopsychosozialer Einschränkungen, wegen zu hoher oder unübersichtlicher Anzahl der unterschiedlichen Medikationen oder auch aufgrund ihrer spezifischen Erkrankungen mit besonderem Einnahme-Regime, zum Beispiel bei Parkinson, Schilddrüsenerkrankungen oder Typ-1- und Typ-2-Diabetes.

Ab drei Medikamenten kann es schon kritisch werden, wenn noch Selbstmedikation hinzukommt.

Wie hoch ist der Aufwand für die Erstellung eines Medikationsplans?

Schätzler: Einen sich selbst erklärenden Medikationsplan gibt es nicht. Fünf Minuten pro Patient pro Quartal sind das Minimum für Erläuterungen sowie Hinweise auf mögliche Interaktionen und Nebenwirkungen.

Das sind 20 Minuten pro Jahr, wobei sich der Aufwand durch ständig wechselnde Namen, Logos, Verpackungen und Generika-Produktwechsel auf der Jagd nach minimalen Einspar-Rabatten in den Apotheken doch spürbar verschärft.

Wie häufig erstellen Sie einen solchen Medikationsplan? Hilft Ihnen dabei die EDV?

Schätzler: Mindestens in 60 Prozent aller Patienten, die eine Medikamentenverordnung erhalten. Seit 1992 manuell, seit 1995 mit EDV-Unterstützung.

Ein großes Manko ist, dass den Patienten ihr Kassenrezept alternativlos in den Apotheken weggenommen wird, obwohl es essenzieller Bestandteil der Arzt-Patienten-Kommunikation ist.

Meine Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe konterkariert die Übersichtlichkeit der Medikation noch dadurch, dass beispielsweise in Zeiten der international anerkannten "Single-pill"-Hochdrucktherapie zur Verbesserung von Compliance und Adhärenz aus rein taktisch-ökonomischen und nicht-medizinischen Gründen nur noch Einzelsubstanzen in der Hochdrucktherapie verordnet werden sollen.

Damit verdreifachen sich Einnahme-Fehler und -Risiken bei Dreier-Kombinationen.

Wie reagieren Ihre Patienten darauf? Hilft der Plan nach Ihren Erfahrungen, die Compliance zu verbessern?

Schätzler: Die Resonanz der Patienten ist sehr positiv. Oft beklagen sie sich, dass Privatpatienten mit gleicher Medikation in der Apotheke das Rezept zurückerhalten.

Wesentlich bei der Compliance ist, dass auf jedem Rezept, das meine Praxis verlässt, eine exakte Dosierungsempfehlung und Anwendungsempfehlung steht (Dokumentationspflicht).

Ein Medikationsplan erhöht die Arzneimittelsicherheit, insbesondere wenn eine intelligente, zielführend-indikationsgerechte Medikation darauf steht.

Das ist keineswegs selbstverständlich: Auf dem von der Initiative Arzneimittelsicherheit veröffentlichten Modell-Medikationsplan findet sich ein unterdosiertes Antibiotikum und 3x2 (!) Sekretolytikum täglich.

Motiviert die neue Leistung im EBM Sie, mehr Energie in Medikationspläne zu stecken?

Schätzler: Einen Praxisumsatz von 94 Cent bis einem Euro im Quartal seitens der Kassenärztlichen Bundesvereinigung anzubieten, ist indiskutabel, demotivierend und verantwortungslos.

Da muss nachgebessert und der individuelle hausärztliche Mehraufwand abgebildet werden."

(Die Fragen stellte Hauke Gerlof)
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/special-arzt-patient/article/920301/interview-selbsterklaerenden-medikationsplan-gibt-nicht.html

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #93082
Narkoleptiker
am Freitag, 30. September 2016, 20:27

was für ein Theater

Guten Tag,

irgendwie verfolgt einem das Thema Medikationsplan. Früher war es üblich, dass der Arzt die Angabe ins Rezept eintrug, wieviel man nehmen sollte, der Apotheker schrieb es auf die Packung. Ging auch irgendwie gut. Das macht aber kaum noch jemand.

Natürlich ist das für eine große Anzahl von Patienten sicher eine Hilfe, so einen Plan ausgedruckt zu bekommen.

Aber was mir fehlt ist die Förderung der Eigenverantwortung der Patienten. Ich mache seit Jahren meinen Medikamentenplan mir selbst und stelle diesen den mich behandelnden Ärzten zur Verfügung. Eine Excelvorlage und ein paar Minuten, dass Ding ist fertig. Änderungen werden erfaßt, fertig.

Das es im Zeitalter der vielen digitalen Medien noch nichts ordentliches für die Patienten gibt, ihre Medikamente, deren Bestnde und Diagnosen zu verwalten, dass ist mir ein Rätsel. Den Barcode auf der Packung einscannen und fertig.

Viele Apotheken bieten Kundenkarten an, damit man am Ende des Jahres eine Liste bekommt aus der man sehen kann, was man an Zuzahlungen hatte. Natürlich auch um zu prüfen, ob es Wechselwirkungen gibt. Das klappt aber nur solange, wie der Patient nur eine Apotheke nutzt. Kaum geht er woanders mal seine Mittel holen, ist die Sache schon gelaufen. Apotheker 1 und Apotheker 2 wissen nichts voneinander... Vernetzung wäre das Zauberwort, bei dem die Datenschützer vermutlich entsetzt die Hände über den Kopf zusammenschlagen.

Seit Jahren debattiert man über den Medikamentenplan..., dabei ist das so eine einfache Sache. Über die eGK... schweigen wir lieber.

Sie müssen m.E. an die Patienten ran, diese mehr in die Verantwortung für die Verwaltung ihrer Gesundheit nehmen. Ohne das ist jedes System zum Scheitern verurteilt.

Grüße, JS
LNS
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