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Medizin

Meta-Analyse: Was hilft beim Ärzte-Burnout?

Freitag, 30. September 2016

dpa

Rochester – Zur Linderung des Burnout-Syndroms bei Ärzten, das im zunehmend komplexeren Gesundheitswesen mit seinen gestiegenen Anforderungen immer häufiger beobachtet wird, wurden in Studien sowohl organisatorische Veränderungen am Arbeitsplatz als auch individuelle Therapiehilfen untersucht. Die Wirksamkeit beider Maßnahmen war laut einer Meta-Analyse im Lancet (2016; doi; 10.1016/S0140-6736(16)31279-X) jedoch begrenzt.

Viele Ärzte kennen die Kombination aus emotionaler Erschöpfung, Depersonalisierung (Zynismus und Distanziertheit) und dem Gefühl verminderter Leistungsfähigkeit, die als Burnout-Syndrom bezeichnet werden. Es gefährdet nicht nur die Gesundheit der betroffenen Mediziner, sondern auch die Versorgung der Patienten. Doch ein einfaches Erfolgsrezept, wie Ärzte ihr emotionales Gleichgewicht und ihre berufliche Professionalität zurückgewinnen können, scheint es nicht zu geben.

Von den 15 randomisierten klinischen Studien und 37 Kohortenstudien, die Colin West von der Mayo Clinic in Rochester in einer Meta-Analyse zusammenfasst, erzielte keine ein durchschlagendes Ergebnis. In den meisten Studien konnten jedoch die Symptome des Burnout-Syndroms etwas gelindert werden.

Dies traf einmal für strukturelle Interventionen am Arbeitsplatz zu, die in drei rando­misierten klinischen Studien und in 17 Kohortenstudien untersucht wurden. Darunter waren Maßnahmen zur Verkürzung der Arbeitsschichten oder die Vermeidung häufiger Rotationen in der Ausbildung oder eine Reihe von Veränderungen im klinischen Arbeitsablauf. Auch individuelle Hilfen wie Beratungen in kleinen Gruppen, Kurse zum Stressmanagement oder auch Meditationsübungen (achtsamkeitsbasierte Ansätze), die sich in den USA einer hohen Beliebtheit erfreuen, sind beim Burnout-Syndrom wirksam.

West ermittelt einen Rückgang der Burnout-Symptome (im Maslach-Burnout Inventory) von 54 auf 44 Prozent, also ein absoluter Unterschied von 10 Prozentpunkten. Veränderungen im Arbeitsalltag erzielten mit einem Rückgang um 12 Prozentpunkte etwas bessere Ergebnisse als individuelle Beratungen oder Psychotherapien, unter der sich der Burnout-Score um 6 Prozentpunkte verminderte.

In einem Score zur emotionalen Erschöpfung kam es zu einem Rückgang um 2,65 Punkte (von möglichen 50 Punkten). Bei der Depersonalisierung wurde (in einen Score von 0 bis 30 Punkten) nur ein Rückgang von 0,64 Punkten erreicht. Immerhin scheinen die Ergebnisse bei einem stärker ausgeprägten Burnout-Syndrom besser zu sein. Der Score der emotionalen Erschöpfung besserte sich hier um 14 Prozentpunkte und in der Depersonalisierung wurde ein Rückgang um 4 Prozentpunkte erreicht.

Keine der Studien hat individuelle Hilfen und strukturelle Maßnahmen am Arbeitsplatz kombiniert. West hält es für möglich, dass beide Maßnahmen ineinandergreifen und die betroffenen Ärzte besser unterstützen könnten. © rme/aerzteblatt.de

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