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Hygienestandards im OP: Protest von Fachgesellschaften und Berufsverbänden zeigt Wirkung

Dienstag, 4. Oktober 2016

dpa

Berlin – In der Auseinandersetzung um bautechnische Standards in Operationssälen zeigt der gemeinsame Protest von Fachgesellschaften und Berufsverbänden offenbar Wirkung. Die Verbände hatten Mitte September davor gewarnt, die Hygienestandards bei der Belüftung von OP-Sälen zu senken. Dies sieht ein aktueller Entwurf des Deutschen Instituts für Normung (DIN) zu raumlufttechnischen Anlagen vor.

„Die Bundesregierung stellt fest, dass maßgebliche Institutionen wie das Robert Koch-Institut, die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprophylaxe sowie der DIN-Normungsausschuss Medizin während des öffentlichen Anhörungsverfahrens durch das DIN nicht hinreichend in die Erarbeitung des Entwurfs ‚Raumlufttechnische Anlagen in Gebäuden und Räumen des Gesundheitswesens‘ einbezogen waren“, schreibt die Staatsekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz, auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Diese hatte sich in ihrer Anfrage auf einen Beitrag im Deutschen Ärzteblatt online vom 15. September bezogen.

Laut Widmann-Mauz befürwortet die Bundesregierung ein neues Anhörungsverfahren, bei dem die genannten Institutionen angemessen zu Wort kommen sollen. Auch die Kritik der medizinischen Verbände soll laut der Staatssekretärin dabei berücksichtigt werden.

„Offenbar wurden nicht nur die Fachgesellschaften, sondern auch Bundesbehörden und gesetzliche Expertenkommissionen übergangen“, kritisierte Harald Weinberg, Sprecher für Krankenhauspolitik und Gesundheitsökonomie der Linksfraktion im Bundestag, den Vorgang. Er forderte, die Bundesregierung müsse sicherstellen, dass Patienten nicht gefährdet würden, wenn das DIN als privater Wirtschaftsverein derartige Festlegungen treffe. „Immerhin hat sich das DIN im Vertrag mit dem Staat verpflichtet, das öffentliche Interesse bei seiner Arbeit zu berücksichtigen. Doch davon kann keine Rede sein, wenn ohne Anhörung der Experten Sicherheitsanforderungen bei OP-Inspektionen herab­gesetzt werden sollen“, kritisierte Weinberg.

Laut dem in der Kritik stehenden Normenentwurf des DIN soll die hygienische Abnahme der Belüftungsanlagen auf eine visuelle Prüfung reduziert werden, „das heißt diese Prüfung würde auf subjektiver Wahrnehmung basieren und wäre somit schlecht reproduzierbar“, hatten die medizinischen Fachverbände kritisiert.

Der DIN-Entwurf sieht außerdem vor, dass nicht mehr ein Krankenhaushygieniker die Anlagen abnehmen muss, sondern lediglich ein „Sachverständiger, jeweils mit speziellen Kenntnissen und Erfahrungen im lüftungs- und krankenhaushygienischen Bereich“. Die Vizepräsidentin des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen (BDC), Julia Seifert, warnte vor „direkten Auswirkungen auf die Hygienestandards und somit auf die Patientensicherheit“, sollte die neue Norm umgesetzt werden.

Dieser Kritik teilen die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie, die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie die Deutsche Gesellschaft für Kranken­haushygiene. „Die vorliegende Form des Entwurfs birgt eine Quelle der Gefährdung von Patienten“, lautet ihre gemeinsame Warnung. © hil/aerzteblatt.de

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