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Medizin

Atopische Dermatitis: Dupilumab glänzt in Phase 3-Studien

Dienstag, 4. Oktober 2016

dpa

Portland – Der Antikörper Dupilumab, der die Rezeptoren für zwei zentrale Zytokine der Th2-Immunantwort neutralisiert, hat in zwei Phase 3-Studien eine ausgedehnte atopische Dermatitis einschließlich des Juckreizes häufig zur Abheilung gebracht und die Lebensqualität der Patienten verbessert. Die kurzfristige Behandlung über 16 Wochen führte nur selten zu Nebenwirkungen, wie die auf der Jahrestagung der European Academy of Dermatology and Venereology in Wien vorgestellten und im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMoa1610020) publizierten Ergebnisse zeigen.

Dupilumab, ein vollständig humanisierter Antikörper, bindet an einer gemeinsamen Untereinheit der Rezeptoren für Interleukin (IL) 4 und 13 und blockiert dadurch die Wirkung der beiden Zytokine, mit denen T-Helferzellen (Th) eine atopische oder allergische Immunantwort anstoßen. Dupilumab ist zur Behandlung atopischer Erkrankungen in der klinischen Entwicklung. Zu ihnen gehört neben Asthma und einer chronischen Sinusitis auch die atopische Dermatitis, die bei Kindern auch als Neurodermitis bezeichnet wird – obwohl sie keine Erkrankung des Nervensystems ist.

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Die klinische Entwicklung von Dupilumab zur Behandlung der atopischen Dermatitis wurde durch die beiden Studien SOLO 1 und SOLO 2 abgeschlossen, an denen zusammen 1.379 erwachsene Patienten teilnahmen, bei denen mehr als 10 Prozent der Hautoberfläche von Ekzemen betroffen waren.

Die Teilnehmer wurden in beiden Studien auf drei Studienarme randomisiert. Im ersten Studienarm erhielten sie wöchentlich eine subkutane Injektion mit 300 mg Dupilumab. In der zweiten Gruppe erhielten sie den Wirkstoff in der gleichen Dosierung nur alle zwei Wochen, dazwischen aber ein Placebo. In der dritten Gruppe waren alle Injektionen wirkstofffrei. Primärer Endpunkt war der Anteil der Patienten mit einem IGA (Investigator Global Assessment) von 0 bis 1 sowie eine Verbesserung bis zum Abschluss der Behandlung in Woche 16 um 2 Punkte oder mehr. Der IGA-Score bewertet den Hautzustand mit 0 bis 5 Punkten. Ein Wert von 0 Punkten bedeutet eine vollständige Abheilung, bei einem Wert von 1 Punkt sind die Läsion nahezu abgeheilt.

Wie Eric Simpson von der Oregon Health & Science University in Oregon und Mitarbeiter berichten, hatte die Behandlung bei vielen Patienten eine durchschlagende Wirkung. In der Studie SOLO 1 erreichten 38 Prozent der Teilnehmer, die das Medikament jede zweite Woche erhalten hatten, einen IGA von 0 oder 1.

Bei einer wöchentlichen Injektion erreichten 37 Prozent dieses Studienziel. In der Placebo-Gruppe kam es dagegen nur bei 10 Prozent der Teilnehmer zu einem IGA 0 oder 1. Ganz ähnlich waren die Ergebnisse in der zweiten Studie SOLO 2. Hier kam es unter der wöchentlichen oder vierzehntägigen Behandlung bei 36 Prozent der Teilnehmer zu einem IGA 0 oder 1 gegenüber 8 Prozent in der Placebo-Gruppe.

Auch im EASI-Score (Eczema Area and Severity Index Score), der Rötung (Erythem), Hautdicke (Induration), Kratzspuren (Exkoriation) und Lichenifikation (eine lederartige Veränderung der Haut) bewertet, wurden deutliche Verbesserungen erzielt. Der EASI-75 ging um mehr als 75 Prozent zurück gegenüber einer Verbesserung um 15 und 12 Prozent in den Placebo-Gruppen der beiden Studien.

Auch der Juckreiz, der viele Patienten mit atopischer Dermatitis quält, besserte sich. Zum Abschluss der Behandlung hatten in SOLO 1 und SOLO 2 jeweils 40 und 39 Prozent der Patienten unter der wöchentlichen Behandlung und 41 und 36 Prozent der Patienten unter der vierzehntägigen Behandlung eine Verbesserung auf der Pruritus Numerical Rating Scale (NRS) um mindestens 4 Punkte erzielt. Die NRS reicht von 0 (kein Juckreiz) bis 10 (schlimmster vorstellbarer Juckreiz) Punkten.

Hinzu kommt ein Rückgang von Angstgefühlen und Depressionen, die mit verschiedenen Fragebögen erfasst wurden, sowie eine Verbesserung der Lebensqualität.

Die Nebenwirkungen waren relativ milde. Simpson registrierte neben Lokalreaktionen an den Injektionsstellen lediglich eine leichte Zunahme von allergischen Konjunkti­vitiden, deren Bedeutung aber restlos geklärt ist. Die Behandlungsphase von 16 Wochen dürfte allerdings zu kurz sein, um die langfristigen Auswirkungen der Immunblockade abzuschätzen.

Die Zulassungsbehörden werden sich auch mit zwei Todesfällen beschäftigen, zu denen es unter der Behandlung mit Dupilumab kam. Ein Patient starb an einer tödlichen Asthmaattacke, der andere nahm sich das Leben. Beide Todesfälle traten nach dem Ende der Studie auf und es dürfte sich die Frage stellen, ob ein Rückfall der Erkrankung nach dem Absetzen des Medikaments für die Todesfälle verantwortlich gewesen sein könnte.

Der Hersteller hofft, Dupilumab im Frühjahr nächsten Jahres in den USA und in Europa einführen zu können. Über den Preis, der bei einem Biologikum relativ hoch sein dürfte, gibt es noch keine Angaben. Sicher dürfte sein, dass das Mittel vorerst nur bei Erwachsenen eingesetzt werden darf. Kinder, bei denen die Neurodermitis wesentlich häufiger ist, waren von einer Teilnahme an den Studien ausgenommen. © rme/aerzteblatt.de

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