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Medizin

Erste S3- Leitlinie zum Harnblasenkrebs veröffentlicht

Dienstag, 4. Oktober 2016

Berlin – Das Leitlinienprogramm Onkologie hat erstmals eine S3-Leitlinie zur Früh­er­kennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Harnblasenkarzinoms vorgelegt. Die neue Leitlinie entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Interdisziplinären Arbeitsgruppe BlasenCarcinom (IABC).

Zahlen und Fakten
In Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert Koch-Institutes etwa 28.000 Menschen jährlich neu an einem Harnblasentumor, das mittlere Erkrankungsalter beträgt 73 bis 77 Jahre. Das Harnblasenkarzinom ist damit der zweithäufigste Tumor in der Urologie.

„Bei der Erstellung der S3-Leitlinie zum Harnblasenkarzinom haben wir über 17.000 wissenschaftliche Arbeiten analysiert und über 320 Evidenztabellen zusammengestellt, auf Basis des aktuell verfügbaren Wissens entstand so die bestmögliche Entscheidungshilfe für das ärztliche Vorgehen“, sagt die S3-Leitlinien-Koordinatorin Margitta Retz vom Klinikum rechts der Isar in München. Ein spezifischer Schwerpunkt liegt auf einer standardisierten Diagnostik und Therapie beim lokal fortgeschrittenen Harnblasenkarzinom sowie bei Tumorerkrankungen mit einer Fernmetastasierung. „Besonders im Bereich der Tumornachsorge und Rehabilitation gab es dazu im deutschsprachigen Raum bislang nur bruchstückhaft Empfehlungen“, ergänzt Jürgen Gschwend vom Klinikum rechts der Isar in München, ebenfalls Koordinator der Leitlinie.

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Absage an Blut- und Urintests zur Früherkennung
Der Frage nach der Anwendung kommerziell verfügbarer Blut- und Urintests zur Früh­erkennung des Harnblasenkarzinoms außerhalb von klinischen Studien erteilen die Leitlinienautoren eine Absage: Keiner der verfügbaren Marker könne derzeit zum systematischen Screening in der Gesamtbevölkerung oder in Risikogruppen empfohlen werden. Auf der Grundlage der medizinischen S3-Leitlinie wird derzeit eine Patienten­leitlinie erstellt, die den Betroffenen helfen soll, bei schwierigen Entscheidungen, zum Beispiel über den Erhalt oder die Entfernung der Harnblase, eine informierte Entschei­dung treffen zu können.

Trotz neuer diagnostischer und operativer Verfahren kommt es nach der Behandlung nach wie vor häufig zu Rückfällen oder zum Fortschreiten der Tumorerkrankung. Bei oberflächlichen Harnblasentumoren, die mit einem Endoskop durch die Harnröhre entfernt werden, beträgt die Rückfallrate zum Beispiel etwa 70 Prozent ‒ in Abhängigkeit vom Stadium des Tumors und seiner Differenzierung. Bei bis zu 25 Prozent der Patienten entwickelt sich die Erkrankung trotz Therapie zu einem höheren Tumorstadium weiter.

Auch bei den lokal begrenzten Blasentumoren, bei denen der Krebs in die Muskelschicht eingedrungen ist, schreitet die Erkrankung in 30 Prozent der Fälle innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Harnblasenentfernung fort. Haben sich erst einmal Metastasen gebildet, so liegt der Schwerpunkt der Behandlung auf der Linderung der Beschwerden mittels Chemotherapie. © gie/EB/aerzteblatt.de

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