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Medizin

Wie sinnvoll ist der PSA-Test? Studienergebnisse von 2009 revidiert

Dienstag, 4. Oktober 2016

/ Tim Reckmann pixelio.de

Leipzig/Rostock – Die Schlussfolgerung einer 2009 veröffentlichten Studie soll laut einer Neuauswertung der Daten revidiert werden. Die damalige Studie kam aufgrund einer ungültigen Kontrollgruppe zu dem Schluss, dass die PSA-Früherkennung sinnlos sei, da sie die Mortalität am Prostatakrebs nicht beeinflussen könnte und zudem mit Risiken verbunden sei. Die Reevaluation publizierten Forscher aus New York erneut im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMc1515131). Auch die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) befürwortete auf ihrer Kongress-Pressekonferenz in Leipzig den sachgerechten Umgang mit dem PSA-Test zur Früherkennung ausdrücklich: Der PSA-Test sei einer der besten Tumormarker.

An der damaligen Prostatakrebsstudie (Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian [PLCO] Cancer Screening Trial) nahmen zwischen 1993 und 2001 insgesamt 76.693 Männer teil. Über sechs Jahre führten Ärzte jährlich bei einer Teilgruppe eine Früh­erkennungs­unter­suchung mittels PSA-Test und einer rektalen Untersuchung durch.

Die zweite Gruppe erhielt keine Früh­erkennungs­unter­suchungen. Zwar traten in der Screening-Gruppe 22 Prozent mehr Prostatakarzinome auf, aber die Autoren konnten keinen signifikanten Unterschied in der Prostatakarzinom-bedingten Mortalität ausmachen. Somit hatte der PSA-Test ihrer Meinung nach für den Patienten keinen Nutzen.

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Bereits bei der Durchführung der Studie wurde jedoch klar, dass sich auch etliche Probanden der Kontrollgruppe auf PSA testen lassen hatten. Der Studie nach sollen es 40 bis 50 Prozent gewesen sein. Die aktuelle Auswertung der Daten der PLCO-Studie zeigt nach erneuter Überprüfung der Befragungen der damaligen Studienteilnehmer eine höhere Zahl: 90 Prozent sollen sich demnach seinerzeit außerhalb der Studie PSA-Tests unterzogen haben.

Dies bedeutet, dass sich Screening- und Kontrollgruppe bezüglich der PSA-Anwendung nicht unterschieden und damit auch keinerlei Auswirkung auf die Prostatakrebsmortalität zu erwarten war, schreibt Oliver Hakenberg, General­sekretär der DGU und Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie am Universitäts­klinikum Rostock in seinem Presse-Statement. „Das damals aufsehen­erregende Ergebnis, PSA-Früherkennung sei sinnlos, entpuppt sich heute somit als Ente.“ 

Andere Studien, wie die Europäische Screeningstudie (ERSPC), haben dagegen schon lange eine Senkung der Mortalität am Prostatakarzinom durch PSA-basierte Früher­ken­nung gezeigt. „Deren Ergebnisse wurden aber angesichts der PLCO-Studie aus den USA angezweifelt, insbesondere in den USA selbst, wo noch immer amerikanische Studien mehr Gewicht haben als europäische“, schreibt Hakenberg.

Die Veröffentlichung der Ergebnisse hatte enorme gesundheitspolitische Auswirkungen. In den USA, einst das Land des flächendeckenden PSA-Screenings, riet die interdisziplinäre medizinische Arbeitsgruppe (U.S. Preventive Services Task Force [USPSTF]) vom PSA-Test als Früh­erkennungs­maßnahme ab. Infolgedessen ging die PSA-Anwendung in den USA erheblich zurück, und auch die Zahl der diagnostizierten Prostatakarzinome ist in den USA seitdem rückläufig. Auch in Deutschland würde der PSA-Test von den Kosten­trägern schlecht geredet, so Hakenberg.

Die DGU befürwortet aufgrund der vorliegenden Studien den sachgerechten Umgang mit dem PSA-Test zur Früherkennung ausdrücklich, wie auch alle anderen nationalen und internationalen urologischen Fachgesellschaften dies tun. Unter sachgerecht ist dabei die altersbezogene Anwendung (50–65 Jahre) sowie die Beachtung des Ausgangs­wertes zu verstehen. Auch sollte die Früherkennung für den häufigsten Tumor des Mannes eine ähnliche politische Bedeutung bekommen, wie es die staatlich geförderte Früherkennung des häufigsten Tumors der Frau seit Jahrzehnten hat, fordert Hakenberg. © gie/aerzteblatt.de

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Dr.Bayerl
am Freitag, 14. Oktober 2016, 08:54

Danke "Ärzteblatt"

In der "interdisziplinäre medizinische Arbeitsgruppe" (U.S. Preventive Services Task Force [USPSTF]) bei der PSA-Verdammung war nur kein einziger Urologe, dafür Statistiker und Ökonomen.
Wie kann man das als Arzt ernst nehmen?
Man mus dankbar sein, dass es den PSA-Test gibt.

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