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Ärzteschaft

KBV: Bis 2030 fehlen mehr als 6.000 Ärzte

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Berlin – In Deutschland werden bis 2030 rund 4.800 ambulant tätige Ärzte und 1.500 Ärzte in Kliniken fehlen. Davon geht die Arztzahlprognose aus, die die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in Berlin vorgestellt hat. Diese erste Stufe der KBV-Berech­nungen geht außerdem davon aus, dass bis zum Jahr 2030 die Zahl der hausärzte um 10.000 sinken werde, erklärte Branko Trebar, Leiter der Abteilung Versorgungsstruktur bei der KBV.

Bei den Fachärzten wird angenommen, dass im Jahr 2030 vor allem HNO-Ärzte, Radio­logen, Nervenärzte, Hautärzte, Urologen und vor allem Augenärzte fehlen werden. Bei einigen dieser Facharztgruppen fehlten bereits jetzt Ärzte. Insgesamt werden nach den Berechnungen 2030 dann rund 6.300 Ärzte fehlen. Dabei geht die Berechnung von derzeit 340.000 tätigen Ärztinnen und Ärzten aus und zählt die psychologischen Psychotherapeuten nicht dazu.

Auch die Arbeitszeit von Ärztinnen und Ärzten werde sich in den kommenden 15 Jahren deutlich verändern: Da immer mehr Ärztinnen und Ärzte angestellt arbeiten – die KBV geht in der Trendanalyse von künftig bis zu 33 Prozent aus – werden weniger Arbeits­stunden geleistet. „Ein angestellter Arzt arbeitet im Schnitt 40 Stunden, ein niederge­lassener Arzt in eigener Praxis rund 50 Stunden“, erklärte Trebar.

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„Die selbstständigen Arztpraxen leisten den Großteil der Versorgung. Ich möchte die Leistung der angestellten Kollegen aber nicht kleinreden und weniger wertschätzen“, erklärte KBV-Chef Andreas Gassen vor Journalisten. Er warb dafür, dass man Praxisin­habern, aber auch Angestellten in Zukunft gute Angebote machen müsse – sei es den Inhabern eine angemessene Vergütung zu garantieren und den Angestellten flexible Arbeitsformen zu ermöglichen.

Um für eine Niederlassung bei jungen Ärztinnen und Ärzten zu werben, empfahl KBV-Vize Regina Feldmann die regionalen Projekte der „Fahrschulpraxen“: Dabei können junge Ärzte für einige Zeit in einer Eigeneinrichtung der KV arbeiten mit der Option, diese später zu übernehmen. „Nur so können sie realistisch einschätzen, ob die eigene Praxis für sie eine Option ist oder nicht“, sagte Feldmann.

In Thüringen, aber auch in Sachsen-Anhalt habe man dazu bereits gute Erfahrungen gemacht, erklärte Feldmann. „Als ich diesen Gedanken vor einigen Jahren formuliert haben, brachte mir das viel Gegenwind ein. Mittlerweise hat sich das Konzept bewährt.“ Auch die Weiterbildung für Hausärzte müsste ausgebaut werden. So seien die 7.500 Stellen in der ambulanten Weiterbildung, die seit dem Versorgungsstärkungsgesetz gefördert werden, ein guter Schritt. „Wir sollten aber noch mehr in die Zukunft denken und die Idee einer Stiftung Weiterbildung unbedingt weiter verfolgen“, so Feldmann.

Die prognostizierte Lücke in der fachärztlichen Grundversorgung gebe ebenso Anlass zur Sorge. „Diese Facharztgruppen sind aber das Rückgrat der fachärztlichen Versor­gung und ausgerechnet diese Gruppen rangieren am unteren Ende der Einkommens­skala“, erklärte Gassen. Er forderte die KVen auf, hier einen Honorarverteilungsmaßstab anzulegen, der für einen „vernünftigen Ausgleich zwischen den Arztgruppen sorgt“, sagte Gassen. 

Auch in die Verhandlungen um einen neuen EBM wolle er das Thema einbringen. In dem Zusammenhang lobte er die Arbeit der Selbstverwaltung. „Es ist unser Selbstver­ständnis als Angehörige eines freien Berufes, unsere Dinge selbst zu regeln – und in ganz überwiegenden Maße gelingt das auch hervorragend“, so Gassen. Der nun vorliegende Referentenentwurf zum Selbst­verwaltungs­stärkungs­gesetz schwäche die Selbstverwaltung und gebe ihr „bundesbehördlichen Charakter“, so Gassen. „Ich warne eindringlich davor, Strukturen zu schaffen, die uns Ärzten und Psychotherapeuten später die Luft zum Atmen nehmen.“

An dem Projekt zur Arztzahlprognose waren mehrere Forschungseinrichtungen beteiligt, darunter das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit, dem Bundesinstitut für Berufsbildung, die Frauenhofer Gesellschaft sowie die Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung. Nach einem Peer-Review-Verfahren soll die komplette Prognose in den kommenden Monaten vorgestellt werden, erklärte Trebar. © bee/aerzteblatt.de

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