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Medizin

Biomarker in der Kardiologie: Potenzial von Troponin noch nicht ausgeschöpft

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Foto aus der Wanderausstellung schwere(s)los "Treppe statt Fahrstuhl" / Lisa Plöser und Kathrin Sebald

Berlin – In Zukunft werden Experten darüber diskutieren, ob jeder seinen Troponinwert kennen sollte, ist sich Hugo Katus vom Universitätsklinikum Heidelberg sicher. Denn der quantitative hochsensitive Test für den Biomarker zeige nicht nur bereits geschädigte Herzzellen bei Herzinfarktverdacht an. Umbauprozesse des Myokards könnte das Protein bereits frühzeitig nachweisen, lange bevor Krankheitssymptome auftauchen. Dieses Potenzial könne noch stärker genutzt werden, auch in Bereichen, wie etwa der Onkologie oder Diabetologie, berichteten Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der Herztage 2016.

„Mithilfe des Troponin-Tests retten wir Schätzungen zufolge etwa 100.000 Patienten jährlich“, sagte der zukünftige Präsident der DGK Katus. Immer mehr Krankheiten ergänzen das vorhersagbare Diagnosespektrum. Der Test ermöglicht es aber nicht nur, Risiken früher zu erkennen. Bei einigen Bereichen können bereits direkte therapeutische Konsequenzen abgeleitet werden.

Durch eine Lungenembolie etwa sei die rechte Herzkammer überlastet, so dass Troponin freigesetzt wird, erklärte Katus. „Erste Daten zeigen, dass auch hier Troponin ein geeigneter Biomarker für eine Therapieentscheidung sein kann, in diesem Fall eine Thrombolyse.“

Diabetes-Patienten mit Hypoglykämien hätten ebenfalls erhöhte Troponinwerte im Blut, führte Katus fort. Ein neues Fach sei zudem die Kardioonkologie. Denn Krebspatienten, die eine Strahlentherapie erhalten haben, versterben später vor allem an Herzkrank­heiten, nicht an Tumorrezidiven. „Auch dieses Risiko können wir mittels Troponin gut monitoren“, so der Kardiologe.

In den Risikoscores für das akute Koronarsyndrom ist Troponin bereits ein wesentlicher Bestandteil. Andere Risikoscores stützen sich derzeit in erster Linie noch auf klinische Parameter. Dabei könne man selbst unabhängig vom Framingham-Risk-Score anhand erhöhter Troponin-Werte ein individuelles Risiko für viele Krankheiten feststellen. In den 2016 aktualisierten europäischen Leitlinien zur kardiovaskulären Prävention seien die aktuellen Ergebnisse zu quantitativen Troponintests noch nicht enthalten. „Das wird aber nachgeholt“, ist sich Katus sicher.

Die drei wesentlichen Fortschritte der quantitativen Troponintests führte der Kardiologe wie folgt zusammen:

  1. Noch schnellerer Ausschluss eines Herzinfarkts
  2. Mehr Herzinfarkt-Diagnosen, auch bei Patienten ohne kritische Verengung an den Herzkranzgefäßen
  3. Erhöhte Troponinwerte ohne Herzinfarkt zeigen Myokardschaden an
© gie/aerzteblatt.de
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