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Medizin

ICSI: Infertilität von Männern kann vererbt werden

Freitag, 7. Oktober 2016

/dpa

Brüssel – Viele Jungen, die mit einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion im Labor gezeugt werden, erben offenbar die Infertilität ihrer Väter. Dies zeigen die Ergebnisse einer Kohortenstudue in Human Reproduction (2016; doi: 10.1093/humrep/dew245).

Die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) wurde Anfang der 1990er-Jahre an der Vrije Universiteit Brussel entwickelt. Bei dem Verfahren wird ein einzelnes Spermium (nach der Entfernung des Schwanzes) in eine Kanüle gesaugt und dann direkt in eine unbefruchtete Eizelle injiziert. Das Verfahren ermöglichte es erstmals Männern, deren Spermien nicht in der Lage waren, eine Eizelle zu befruchten, per In-vitro-Fertilisation (IVF) Vater zu werden. Das erste ICSI-Baby wurde am 14. Januar 1992 in Brüssel geboren.

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Anfangs wurde die Methode nur bei einer männlichen Infertilität durchgeführt. In den ersten Jahren wurden in Brüssel 215 junge Männer gezeugt, die heute zwischen 18 und 22 Jahre alt sind. Ein Team um Florance Belva, zu dem auch der damalige Leiter der Abteilung André Van Steirteghem gehört, hat 54 von ihnen kontaktiert (natürlich erst nach Rückfrage bei den Eltern, die ja möglicherweise ihre Kinder nicht über die Art der Zeugung aufgeklärt haben könnten) und um eine Samenspende gebeten. Die Forscher verglichen die Spermiogramme mit einer Gruppe von nicht per ICSI gezeugten jungen Erwachsenen.

Es war frühzeitig vermutet worden, dass die ICSI-Söhne die Infertilität ihrer Väter erben könnten. Frühere Untersuchungen hatten hierfür noch keine Hinweise gefunden. Die Entwicklung der Hoden inklusive Sertoli- und Leydig-Zellen im Jugendalter war normal. Auch die Hoden von vielen Vätern, die sich nur per ICSI fortpflanzen können, sind jedoch morphologisch unauffällig. Die jetzigen Untersuchungen des Ejakulats zeigen erstmals, dass die Fertilität vieler ICSI-Kinder vermindert sein dürfte. Sie hatten mit 17,7 gegenüber 37,0 Millionen/ml eine deutlich geringere Spermiendichte im Ejakulat. Auch die Gesamtzahl der Spermien war mit 31,9 gegenüber 86,8 Millionen deutlich vermin­dert, ebenso die Zahl der beweglichen Spermien mit 12,7 gegenüber 38,6 Millionen in der Kontrollgruppe.

Dies bedeutet zwar nicht automatisch, dass die ICSI-Söhne ebenfalls nur per ICSI Väter werden können. Im Einzelfall habe es durchaus Unterschiede in der Spermienqualität zwischen Vätern und Söhnen gegeben. Für viele ISCI-Söhne dürften die Chancen, auf natürliche Weise ein Kind zu zeugen, jedoch vermindert sein. Die Welt­gesundheits­organisation sieht die Grenze zur Infertilität bei einer Spermiendichte von weniger als 15 Millionen/ml, bei einer Dichte von weniger als 5 Millionen/ml ist eine Zeugung so gut wie unmöglich.

Die ICSI hat sich übrigens in den letzten Jahren zur bevorzugten IVF-Technik entwickelt. In Deutschland werden etwa drei von vier künstlichen Befruchtungen per ICSI durch­geführt. In anderen Ländern liegt der Anteil noch höher. © rme/aerzteblatt.de

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