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Medizin

UV-Licht-Desin­fektion könnte C. difficile-Über­tragung in Krankenbetten verhindern

Dienstag, 11. Oktober 2016

Clostridium difficile CDC

New York – Die Antibiotikabehandlung eines Patienten erhöht das Risiko, dass der nächste Patient im selben Bett sich mit C. difficile infiziert. Dies zeigt eine Untersuchung in JAMA Internal Medicine (2016; doi: 10.1001/jamainternmed.2016.6193). In einer weiteren Studie in Infection Control and Hospital Epidemiology (2016; doi: 10.1017/ice.2016.222) senkte eine UV-Desinfektion des Raumes das Übertragungsrisiko.

C. difficile gehört zu den Bakterien, die durch hygienische Maßnahmen nur sehr schwer restlos zu entfernen sind. Die Sporen des Bakteriums können über Monate auf Ober­flächen persistieren, wo sie durch konventionelle Desinfektionsmittel nicht vollständig abgetötet werden. Viele Krankenhäuser machen die Erfahrung, dass ein Kranken­zimmer nach der Behandlung eines Patienten mit C. difficile-Erkrankung (CDI), die in der Regel mit Durchfällen verbunden sind, auch für die nachfolgenden Patienten „verseucht“ bleibt.

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Eine Untersuchung der Mailman School of Public Health in New York zeigt jetzt, dass der vorhergehende Patient gar nicht an einer symptomatischen CDI erkrankt sein muss, um ein Infektionsrisiko für den folgenden Patienten im selben Bett darzustellen. Es reicht, wenn er mit Antibiotika behandelt wurde, die bekanntlich die Selektion von C. difficile fördern.

Wird danach ein Patient mit einem erhöhten Risiko auf eine CDI im selben Bett behandelt, steigt das Risiko auf eine Infektion, wie Daniel Freedberg und Mitarbeiter durch die Analyse von 100.615 Patienten-Paaren aus vier Kliniken der US-Metropole zeigt.

Unter diesen Paaren waren 576, bei denen der zweite an einer CDI erkrankte. Bei diesen Patienten war der Vorgänger signifikant häufiger mit Antibiotika behandelt worden. Freedberg ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio (HR) von 1,22, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,02-1,45 signifikant war: Mit anderen Worten: Die Behandlung des Vorgängers mit Antibiotika erhöhte das CDI-Risiko relativ um 22 Prozent. Die absolute Gefahr war allerdings gering: Wenn der vorherige Patient Antibiotika erhalten hatte, erkrankten 0,72 Prozent der nachfolgenden Patienten an einer CDI. Wenn der vorherige Patient keine Antibiotika erhalten hatte, erkrankten 0,43 Prozent.

Die individuellen Faktoren des zweiten Patienten haben einen sehr viel größeren Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Dies waren ein Alter über 70 Jahre (HR 1,40), die Verordnung von Antibiotika (HR 4,20) sowie die Verordnung von magensäure-hemmenden Medikamenten (HR 2,14) oder Immunsuppressiva (HR 1,50). Auch verminderte Albumin-Konzentrationen (HR 1,07) oder gestiegene Kreatininwerte (HR 1,29) zeigen ein individuelles Risiko an. Riskant ist auch, wenn gleichzeitig andere Patienten mit CDI auf der Station behandelt werden (HR 3,99).

Da die normale Reinigung des Zimmers und vor allem des Bettes C. difficile nicht sicher eliminieren kann, sind einige Kliniken dazu übergegangen, die Kranken- und angrenzenden Badezimmer mit UV-Licht zu desinfizieren. Hersteller bieten zu diesem Zweck Licht-Stelen an, die nach der normalen Desinfektion in das Zimmer gefahren werden und die Umgebung mit einem intensiven UV-Licht fluten, das in der Lage ist, auch Sporen abzutöten.

Die Perelman School of Medicine in Philadelphia hat vor einiger Zeit mehrere Geräte für drei hämatologisch-onkolgische Abteilungen angeschafft, und die Erfahrungen, die David Pegues jetzt in Infection Control & Hospital Epidemiology (2016; doi: 10.1017/ice.2016.222) vorstellt, sind positiv. Das Personal positioniert die Licht-Stelen jeweils für acht Minuten an beide Fußenden des Bettes und dann für einen weiteren Zyklus vor den offenen Eingang des Badezimmers.

Diese Prozedur wurde selektiv nach der Entlassung jedes fünften Patienten durchgeführt. Seither ist die Rate der CDI-Infektionen auf den drei Stationen um 25 Prozent gesunken, berichtet Pegues. Auf anderen Stationen, die diese Methode nicht verwenden, sei die Zahl der CDI im gleichen Zeitraum um 16 Prozent gestiegen. © rme/aerzteblatt.de

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