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Medizin

Hypertonie: Schwere Depressionen unter Betablockern und Kalziumantagonisten häufiger

Dienstag, 11. Oktober 2016

dpa

Glasgow – Patienten mit einer arteriellen Hypertonie wurden in einer Langzeitstudie in Hypertension (2016; doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.116.08188) zweimal häufiger wegen einer Depression oder anderer affektiver Störungen hospitalisiert, wenn sie mit einem Betablocker oder Kalziumantagonisten statt mit einem Angiotensin-Antagonisten oder ACE-Hemmer behandelt wurden. Für Thiaziddiuretika wurde kein erhöhtes Risiko gefunden.

Depressionen sind eine bekannte, wenn auch seltene Nebenwirkung von Betablockern. Die Fachinformationen weisen auf die Möglichkeit von depressiven Verstimmungen hin. Kalziumantagonisten galten hier bisher als unbedenklich. In den letzten Jahren haben jedoch mehrere genomweite Assoziationsstudien Depressionen mit dem Gen CACNA1S in Verbindung gebracht. Es enthält den genetischen Bauplan für den spannungs­abhängigen L-Typ-Kalziumkanal. Er wird auch als Dihydropyridin-Rezeptor bezeichnet, da er Angriffspunkt der gleichnamigen Substanzgruppe ist, die als Kalziumantagonisten zur Behandlung der arteriellen Hypertonie eingesetzt werden.

Dies veranlasste Sandosh Padmanabhan vom Institute of Cardiovascular and Medical Sciences der Universität Glasgow, die Daten von zwei schottischen Kliniken über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahrzehnten auszuwerten. Von den 144.066 Patienten im Alter von 40 bis 80 Jahren wurden 299 im Verlauf von fünf Jahren nach der Erstverordnung von Hochdruckmedikamenten wegen einer Major-Depression oder einer bipolaren Störung im Krankenhaus behandelt. Das absolute Erkrankungsrisiko der Patienten für schwere affektive Störungen war demnach sehr gering.

Der Vergleich zwischen den einzelnen Medikamenten ergab jedoch, dass Patienten, die mit Betablockern oder Kalziumantagonisten behandelt wurden, ungefähr doppelt so häufig wegen der beiden affektiven Störungen in der Klinik behandelt wurden, wie Patienten, denen Angiotensin-Antagonisten oder ACE-Hemmer verordnet wurden.

Die Hazard Ratios schwankten bei den Betablockern je nach der Zahl der berück­sichtigten Begleitfaktoren zwischen 1,93 und 2,11, sie waren jedoch in allen statistischen Berechnungen signifikant. Dies traf auch auf die Kalziumantagonisten zu, wo die Hazard Ratios zwischen 2,27 und 2,29 lagen. Allerdings konnte Padmanabhan nicht zwischen den verschiedenen Typen von Kalziumantagonisten differenzieren, so dass unklar bleibt ob nur der Dihydropyridin-Typ betroffen ist.

Interessanterweise wurden Patienten, die mit einem Angiotensin-Antagonisten oder ACE-Hemmer behandelt wurden, seltener wegen schweren Depressionen oder einer bipolaren Störung in der Klinik behandelt als Menschen, die keine Hochdruck­medikamente erhielten. Padmanabhan schließt daraus, dass die beiden Wirkstoff­gruppen vielleicht eine antidepressive Wirkung erzielen. Diese Aussage müsste jedoch erst noch durch randomisierte klinische Studien belegt werden. 

Die Nebenwirkungen sprechen sicher nicht für den Verzicht auf eine Behandlung der arteriellen Hypertonie, zumal die Erkrankung auf Dauer negative Auswirkungen auf die Hirnleistungen hat. Eine bekannte Folge sind kognitive Störungen. Die American Heart Association hat hierzu aktuell in Hypertension (2016; doi: 10.1161/HYP.0000000000000053) die wissenschaftliche Datenlage zusammengefasst. © rme/aerzteblatt.de

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